Ausgabe 1 : Glosse

  
 

Thomas Uhle

Der Autor dieser Glosse arbeitet im Ingolstädter Passamt.

Engert versenkt


Natürlich wurde nicht der Kulturreferent versenkt, sondern Engert hat versenkt. Und zwar ein Kunstwerk. Nein, nicht die gern verachteten Metalltrümmer von Alf Lechner, auch nicht das Programm der diesjährigen Jazztage. Sondern eine Zeitkapsel, und zwar Am Stein. Dort, wo eigentlich noch gebaut wird (Sie erinnern sich, früher sind dort mal Busse durch gefahren) und deshalb eh schon alles aufgerissen ist. Wenigstens da hat mal jemand von der Stadt mitgedacht.

In der Zeitkapsel befinden sich bunt bemalte Holztafeln. 126 Stück genau, auf denen die Ingolstädter Geschichte dargestellt ist. Die historisch relevanten Daten natürlich nur. Nicht die eigentlich viel wichtigeren, wie zum Beispiel die Leuchtspuren in der Donaustraße, die nun doch nicht leuchten, und auch nicht die Gesichter derjenigen Politiker, die sich seit Monaten um das Altstadt-Bus-Thema streiten, ohne auch nur den Anflug eines Konzeptes zu haben, wie man den Nahverkehr attraktiver machen könnte. Nein, nur die schönen Sachen sind auf den Tafeln zu sehen. Die Ereignisse, die unsere Stadt verschandeln und ihre Bürger verdrießen, die haben da nichts zu suchen. Mit geschlossenen Augen in die Zukunft, lautet das Motto. Ist ja auch viel einfacher, als sich mit den Problemen der Gegenwart auseinander zu setzen.

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