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  Ausgabe 2 : Glosse

  
 

Thomas Uhle

Der Autor dieser Glosse lebt seit 1984 in Ingolstadt und hat seine ganz eigenen Visionen.

Visionär

In Ingolstadt gibt es Leute, die haben Visionen. Ich meine jetzt nicht die Optimisten, die mit dem dritten Weizen unter dunklen Wolken vorm Mohrenkopf sitzen und sagen "Mei, des werd scho besser." Sondern Leute mit richtigen Visionen, wie zum Beispiel dem Monorail, der quer durch die Stadt fahren soll. Zur Audi natürlich. Deshalb gibt es am 22. Oktober im Ingolstädter Stadttheater auch den Tag der Visionen, damit sich diese Leute ihre Visionen auch mal gegenseitig erzählen können, ohne gleich ausgelacht zu werden. Die Bürger sollen eifrig mit diskutieren und Vorschläge machen, wie sie sich ihr Ingolstadt in der Zukunft vorstellen.
Dabei gibt es so ein Forum schon längst, und ich geb ab und an selbst meinen Teil dazu. Es ist schon lustig, wie schnell sich die Gemüter erhitzen, wenn es nur darum geht, ob die Theresienstraße komplett in eine Fußgängerzone umgewandelt werden soll. Der schwierige Spagat zwischen einer lebhaften und einer attraktiven Innenstadt dürfte eine der schwierigsten Aufgaben der nächsten Jahre sein. Und die sollten wir keineswegs den Kommunalpolitikern überlassen, sondern jeder sollte sich selbst Gedanken machen und mit diskutieren. Und wenns gar nicht anders geht, darf auch jeder eine eigene, kleine Vision haben.


Website "Tag der Visionen"


[16. Oktober 2000]