Ausgabe 2 : Literatur

  
 

Gertrud Winzig

Warum sie schreibt:
"Weil zahme Vögel von Freiheit singen und die wilden fliegen!"

Die Faszination des Dompteurs

Ihre Nägel, blutrot lackiert
haben ihn fasziniert.
Zähne, die im Licht weiß blitzen
sein Blut erhitzen.
Schwarze Strümpfe an schlanken Beinen,
weckt Begehren, will ich meinen.

Ihr Stiefel reibt an seinen Knien.
Er kennt den Sinn, sieht nicht hin.
Sein Gesicht wirkt unberührt,
sie flirtet weiter – ungeniert,
will verführen!
Sie will Helden küren.

Der Kampf beginnt.
Unbestimmt, wer gewinnt.
Der Dompteur erwacht vor ihr
in ihm. Im Jetzt – in ihr das Tier.
Ihre Pupillen fixieren den Dompteur.
Ihr Schwanz peitscht zuckend hin und her.

Ihre Augen suchen seinen Mund,
seine Kehle. Ungesund!
Sie setzt zum Sprung an – und!
In dem Moment –
als sie erkennt,
dass ihm die Macht gegeben
für den Augenblick! - Soeben!

Sie zu beherrschen,
zu unterwerfen.
Sinkt sie vor ihm nieder. Liegt.

Fasziniert hat der Dompteur gesiegt.


[25. September 2000]

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