
Emmylou Harris
Ihre Musik ist ein Schlag ins Gesicht des Nashville-Schleims, auch
fünf Jahre nach ihrem letzten Album.
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Emmylou Harris
"Red Dirt Girl"
(Grapevine/Koch)
Oops, she did it again. Emmylou Harris hatte vor fünf
Jahren mit Daniel Lanois ein Album produziert, das vielgelobte "Wrecking
Ball". Diesmal hat sie ihr Album von Malcolm Burn produzieren lassen, aber
in Bezug auf Arrangements und Klang hat sie auch diesmal wieder das Risiko auf
sich genommen, von den Hardcore-Hillbillies und Red Necks gehasst zu werden.
Denn mit dem Durchschnittscountry eines Garth Brooks hat sie nichts gemein.
Hatte sie noch nie, aber mit "Wrecking Ball" hatte sie sich soweit von
Nashville entfernt wie noch nie.
Auf "Red Dirt Girl" setzt sie diesen Weg fort. Solch einen Sound
bekommen alte Heroen sonst nur von Rick Rubin verpasst: Sparsam, ohne Overdubs
und mysteriös, sphärisch. Sogar die Cover-Versionen, die einst einen Großteil
ihrer Alben ausmachten, hat sie diesmal weitgehend durch eigene Kompositionen
ersetzt. Das klingt dann zwar oft recht ähnlich, ergibt aber nach einer knappen
Stunde ein stimmiges Bild. Der Rolling Stone nennt ihre Stücke
"nebulös" und findet sie nicht gut. Doch ist es gerade dieses
nebulöse Klangbild, das dieses Album ausmacht. Ambient Country, könnte man
sagen.
Der Spruch vom Wein, der mit dem Alter besser wird, wurde schon viel zu oft
bemüht. Scheu vor fremdem Terrain hatte Emmylou Harris ohnehin nie, aber die
Art, wie sie ein solches Terrain zu ihrem eigenen macht, ist beeindruckend.
Thomas Uhle
[2. Oktober 2000]
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