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  Ausgabe 4 : Glosse

  
 
Cordula

Cordula Hinz

Die Autorin dieser Glosse, gebürtige Ingolstädterin, durchläuft derzeit eine Ausbildung zur Kamera-Assistentin bei tv.münchen. Von der Wiesn 2000 berichtete sie jeden Tag live...

Hey Baby -
von Wiesn-Hits und Wiesn-Witz

Wiesn-Logo 2000 "Hey Baby, I wanna know if you be my girl" - ist das die neue internationale Oktoberfest- und Bierzelt-Anmache? Wohl kaum. Hey Baby - der eine kennt's als lockeren Spruch, der andere vielleicht noch von Dirty Dancing. Aber neuerdings entdeckt man diese beiden Worte sehr oft in einem bis dato völlig unbekannten Zusammenhang - gefolgt von zwei simplen Urlauten der menschlichen Spezies (auch schon bekannt zu Zeiten des primitiven Neandertalers), leicht zu merken, auch bei über 2,0 Promille einfach auszusprechen und - falls unvermeidlich, im Zustand der absolut trunkenen Glückseligkeit - nötigenfalls auch zu lallen.

Hey Baby - uuh aah!!! Dazu a Mass Bier, a halbes Hendl und wenn die Band nimmer spielt, dann grölt das Zelt eben alleine weiter - uuh aah - zwo, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht! Die perfekte Grundlage für einen zünftigen Wiesn-Abend! Oder nicht?

Was hat er sich dabei nur gedacht, der Anton aus Tirol, als er mitsamt seiner Verwandtschaft, der Antonia und ihrem Gefolge, bei uns aufgekreuzt ist? Wäre er mal lieber zuhause geblieben, dann wären uns einige Abende mit Ohrensausen und niemals endenden Ohrwürmern erspart geblieben. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf, um die Gäste des weltgrößten Volksfestes glücklich zu machen. Hey Baby zum Frühstück, Hey Baby zum Mittagessen, Hey Baby in der Nacht, im Traum und natürlich Hey Baby gleich beim Aufwachen. Man könnte fast annehmen, der komplette Wortschatz des gewöhnlichen Wiesn-Besuchers hat sich auf diesen einen einzigen Satz reduziert. Was für ein Hit! Da bleibt Rudolph Mooshammer mit seinem ferngesteuerten Daisy-Wauwauchen und seinem Möchtegern-Wiesn-Hit "Moos hamma" wohl eher als Wiesnwitz auf der Strecke.

Ein Witz ist aber auch das Wetter. Man könnte fast glauben, es ist April - mal scheint die Sonne, dann ist's wieder saukalt und nebelig, nur der Schnee fehlt noch. Regen gibt's dafür um so mehr. Von ein paar Fahrgeschäften erzählt man sich sogar,  dass die Gäste bald in den Gondeln ersoffen wären. Ob das nur am Regen lag? So manches Bierzelt wurde sogar zur Arche Noah erklärt, weil sich die ganzen Ochsen und Rindviecher von der Landwirtschaftsmesse nebenan auch noch schnell ins Trockene retten wollten. Dabei kommt man doch eh nur vom Regen in die Traufe, denn im Zelt geht's schließlich nicht minder feuchtfröhlich zu. Nur gut, daß der Anton in den Bierzelten seinem Publikum so einheizt, daß nicht nur das Wasser schnell verdunstet. Na dann Prost!


[9. Oktober 2000]