Immer, wenn ihr Blutdruck fällt, ist Kinozeit für Eva Schade. Und
zwar in den Ingolstädter Kinos.
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Der kleine Horrorladen
Warum man als Kinogänger in Ingolstadt entweder ein dickes Fall haben muss
oder einfach einige Abstriche in Kauf nehmen sollte
Als
begeisterte Kinogängerin stehe ich den Kinos in Ingolstadt eher skeptisch gegenüber.
Mal ein ganz normales Beispiel (um welches Kino es sich handelt, ist an dieser Stelle nicht
wichtig; sie gehören alle zusammen, und es läuft in Ingolstadt fast immer so ab,
wie hier geschildert): Eine Gruppe von Leuten im Alter von 16 bis 40 Jahren und
einer Grösse von 1,58 m bis 1,91 m haben vor, an einem Samstagabend in
Ingolstadt einen Film anzuschauen. Wir waren uns schnell einig, was wir sehen
wollten. Also nix wie hin zum Kino und die Karten für die Abendvorstellung
gleich geholt. Anschliessend erstmal gemütlich zum Essen gehen und sich schon
auf den Film freuen. Frühzeitig standen wir wieder im Kino, denn wir wollten ja
auch Popcorn und etwas zu trinken haben. Die Preise sind überraschend hoch und
Getränke gibt es nur in der Flasche. Naja. Also, auf zu unseren Plätzen, aber
welche Überraschung: die sind schon besetzt. Ein wenig hin- und herreden,
Karten vergleichen, und - böses Foul - auf unseren Karten steht 18 Uhr. Was
tun? Zurück zur Kasse und nachfragen. Ja, so ein Versehen aber auch. Wir
bekommen dafür Karten in der Reihe dahinter.
Gut, dass das Kino heute nicht so
gut besucht ist. Also machen wir es uns gemütlich. Der Boden des Kinos ist
voller Popcorn und auch leere Flaschen stehen noch rum. War zu wenig Zeit
zwischen den beiden Vorstellungen, um wenigstens ein bisserl sauber zu machen? Nun
ja, Schwamm drüber, wir schauen auf die Leinwand und nicht auf den Boden. Oh
Graus. Vier Reihen vor uns schiebt sich ein 2-Meter-Mann durch die Reihe, gebaut wie
ein Kleiderschrank. Er wird doch nicht? Bitte nicht! Doch, was sonst. Er nimmt
genau in meinem Blickfeld Platz. Wer hätte es gedacht? Eigentlich ist der Abend
für mich gelaufen. Zwar sind die Sitzreihen versetzt, aber die Neigung ist
nicht stark genug. Ich als laufender Meter habe da keine Chance, viel zu sehen.
Und in die vorderste Reihe setzen schmälert das Filmvergnügen doch enorm.
Vielleicht mehr auf die Sprache konzentrieren? So, die Werbung läuft. Im Saal
herrscht noch Unruhe. Die Einen kommen gerade und die Anderen laufen noch mal
raus, weil sie sich doch noch Verpflegung besorgen wollen. Die Pointe von der
Zigarettenwerbung geht dabei unter. Langsam wird das Licht dunkler, der Film
kann beginnen. Plötzlich in der Stille - ein Handy klingelt. Und der Besitzer
geht dran und palavert im sonst erstaunlich ruhigen Saal. Der Blutdruck steigt.
Auch kommt der Ton des Filmes nicht gut rüber, viel zu leise. Ich schwenke
andauernd hin und her, um das Geschehen auf der Leinwand zu verfolgen. Der Riese
vor mir kann aber auch nicht ruhig sitzen bleiben. Die ersten Szenen laufen und
dann gehts los. Eine Gruppe der Besucher verwechselt das Kino mit einer Kneipe.
Sie stossen mit ihren Flaschen an, reden, als ob sie den Film nicht sehen wollen.
Wunderbar, das wars für heute.
Eine Viertelstunde nach dem Beginn kommen immer noch
Besucher, die sich durchs Bild schieben. Wer eine Uhr lesen kann, ist klar im
Vorteil. Jetzt bimmelt schon wieder ein Handy. Kann man die verdammten Dinger
denn nicht wenigstens im Kino ausschalten? Der Film war gar nicht schlecht, wenn
ich mehr davon gesehen und gehört hätte. Aber - auch eine Unsitte in
Ingolstadt - kaum ist das letzte Bild verschwunden und der Abspann fängt an,
wird das Licht schon angemacht und die Leute strömen zum Ausgang. Dabei ist
gerade beim Abspann oft gute Musik zu hören und
alle Mitwirkenden werden ausführlich aufgelistet. Wir haben uns den Film in Ruhe noch
einmal angesehen. Im Multiplex-Kino in Augsburg. Dort war der Eintritt durch
"Mengenrabatt" billiger, die Getränke gibt es nur in Bechern und das
Kino ist sauber. Störenfriede werden vom Personal verwarnt und es ist so
angeordnet, dass sowohl die kleineren Menschen als auch die großen sich
gegenseitig nicht stören. Also freie Sicht auf die ausladende Leinwand und ein
Surround-Sound, der diesen Namen verdient, außerdem viel Beinfreiheit.
So lange
Ingolstadt kein Multiplex-Kino bekommt, was ja eine bestimmte Familie mit allen
Mitteln zu verhindern sucht, werden wir weiterhin in die Städte der "näheren"
Umgebung ausweichen. Denn für zwölf Mark Eintritt (in Ingolstadts Kinos) kann ich
Qualität verlangen. In Ingolstadt gehe ich nur noch ins Kino, wenn mein
Blutdruck mal wieder am Boden liegt.
[23. Oktober 2000]
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