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  Ausgabe 6 : Glosse

  
 

Eva Schade

Immer, wenn ihr Blutdruck fällt, ist Kinozeit für Eva Schade. Und zwar in den Ingolstädter Kinos. 

Der kleine Horrorladen

Warum man als Kinogänger in Ingolstadt entweder ein dickes Fall haben muss oder einfach einige Abstriche in Kauf nehmen sollte

Als begeisterte Kinogängerin stehe ich den Kinos in Ingolstadt eher skeptisch gegenüber. Mal ein ganz normales Beispiel (um welches Kino es sich handelt, ist an dieser Stelle nicht wichtig; sie gehören alle zusammen, und es läuft in Ingolstadt fast immer so ab, wie hier geschildert): Eine Gruppe von Leuten im Alter von 16 bis 40 Jahren und einer Grösse von 1,58 m bis 1,91 m haben vor, an einem Samstagabend in Ingolstadt einen Film anzuschauen. Wir waren uns schnell einig, was wir sehen wollten. Also nix wie hin zum Kino und die Karten für die Abendvorstellung gleich geholt. Anschliessend erstmal gemütlich zum Essen gehen und sich schon auf den Film freuen. Frühzeitig standen wir wieder im Kino, denn wir wollten ja auch Popcorn und etwas zu trinken haben. Die Preise sind überraschend hoch und Getränke gibt es nur in der Flasche. Naja. Also, auf zu unseren Plätzen, aber welche Überraschung: die sind schon besetzt. Ein wenig hin- und herreden, Karten vergleichen, und - böses Foul - auf unseren Karten steht 18 Uhr. Was tun? Zurück zur Kasse und nachfragen. Ja, so ein Versehen aber auch. Wir bekommen dafür Karten in der Reihe dahinter. 

Gut, dass das Kino heute nicht so gut besucht ist. Also machen wir es uns gemütlich. Der Boden des Kinos ist voller Popcorn und auch leere Flaschen stehen noch rum. War zu wenig Zeit zwischen den beiden Vorstellungen, um wenigstens ein bisserl sauber zu machen? Nun ja, Schwamm drüber, wir schauen auf die Leinwand und nicht auf den Boden. Oh Graus. Vier Reihen vor uns schiebt sich ein 2-Meter-Mann durch die Reihe, gebaut wie ein Kleiderschrank. Er wird doch nicht? Bitte nicht! Doch, was sonst. Er nimmt genau in meinem Blickfeld Platz. Wer hätte es gedacht? Eigentlich ist der Abend für mich gelaufen. Zwar sind die Sitzreihen versetzt, aber die Neigung ist nicht stark genug. Ich als laufender Meter habe da keine Chance, viel zu sehen. Und in die vorderste Reihe setzen schmälert das Filmvergnügen doch enorm. 

Vielleicht mehr auf die Sprache konzentrieren? So, die Werbung läuft. Im Saal herrscht noch Unruhe. Die Einen kommen gerade und die Anderen laufen noch mal raus, weil sie sich doch noch Verpflegung besorgen wollen. Die Pointe von der Zigarettenwerbung geht dabei unter. Langsam wird das Licht dunkler, der Film kann beginnen. Plötzlich in der Stille - ein Handy klingelt. Und der Besitzer geht dran und palavert im sonst erstaunlich ruhigen Saal. Der Blutdruck steigt. Auch kommt der Ton des Filmes nicht gut rüber, viel zu leise. Ich schwenke andauernd hin und her, um das Geschehen auf der Leinwand zu verfolgen. Der Riese vor mir kann aber auch nicht ruhig sitzen bleiben. Die ersten Szenen laufen und dann gehts los. Eine Gruppe der Besucher verwechselt das Kino mit einer Kneipe. Sie stossen mit ihren Flaschen an, reden, als ob sie den Film nicht sehen wollen. Wunderbar, das wars für heute. 

Eine Viertelstunde nach dem Beginn kommen immer noch Besucher, die sich durchs Bild schieben. Wer eine Uhr lesen kann, ist klar im Vorteil. Jetzt bimmelt schon wieder ein Handy. Kann man die verdammten Dinger denn nicht wenigstens im Kino ausschalten? Der Film war gar nicht schlecht, wenn ich mehr davon gesehen und gehört hätte. Aber - auch eine Unsitte in Ingolstadt - kaum ist das letzte Bild verschwunden und der Abspann fängt an, wird das Licht schon angemacht und die Leute strömen zum Ausgang. Dabei ist gerade beim Abspann oft gute Musik zu hören und alle Mitwirkenden werden ausführlich aufgelistet. Wir haben uns den Film in Ruhe noch einmal angesehen. Im Multiplex-Kino in Augsburg. Dort war der Eintritt durch "Mengenrabatt" billiger, die Getränke gibt es nur in Bechern und das Kino ist sauber. Störenfriede werden vom Personal verwarnt und es ist so angeordnet, dass sowohl die kleineren Menschen als auch die großen sich gegenseitig nicht stören. Also freie Sicht auf die ausladende Leinwand und ein Surround-Sound, der diesen Namen verdient, außerdem viel Beinfreiheit. 

So lange Ingolstadt kein Multiplex-Kino bekommt, was ja eine bestimmte Familie mit allen Mitteln zu verhindern sucht, werden wir weiterhin in die Städte der "näheren" Umgebung ausweichen. Denn für zwölf Mark Eintritt (in Ingolstadts Kinos) kann ich Qualität verlangen. In Ingolstadt gehe ich nur noch ins Kino, wenn mein Blutdruck mal wieder am Boden liegt.

[23. Oktober 2000]