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Einfach und großartig
Blues der allerfeinsten Sorte mit Eric Bibb und seiner Band in
der Neuen Welt
 Hernach
gab's das gewohnte Bild, wenn Mr. Bibb in der Neuen Welt aufgetreten
ist: Kaum ist die letzte Note gezupft (den allerletzten Song des Abends
spielte er solo und erfüllte damit den Wunsch des Bassisten, spielte
dessen "favourite song"), steht der charismatische 48-Jährige
neben Woidl Haber hinter der Theke und kommt mit dem Signieren der CDs
fast nicht mehr nach. Wenn die Anzahl der abgesetzten CDs je ein Faktor
für die Güte eines Konzerts war, dann muss das, was Bibb und seine
Musiker da am gestrigen Abend auf der Bühne abgefackelt haben, ein Gig
der absoluten Extraklasse gewesen sein. Und genau das war es auch. Ein
Abend, über den man noch lange sprechen wird. Spätestens bis zu Bibbs
nächstem Auftritt in Ingolstadt, denn dass er wiederkommen wird, das
hat er versprochen.
Wie der Schuss Cognac im Espresso
Ganz
eng zusammenrücken war angesagt, denn die Neue Welt war bis auf den
letzten Platz gefüllt, als die glänzend gelaunten Musiker die kleine
Bühne enterten. Überhitzt und verraucht wie in einer alten Spelunke
irgendwo ganz weit weg in New Orleans war's schon zu Beginn, der ideale
äußere Rahmen für ein großartiges Konzert. Mit Steve Simpson und
Dave Bronze hat Eric Bibb zwei absolut erstklassige Profimusiker, die
beim Spiel den Eindruck vermitteln, als seien sie nach wie vor mit
kindlicher Freude dabei, um sich geschart. Da saß jeder Ton, da stimmte
jede Nuance, es passte wie der zusätzliche Schuss Cognac im Espresso. Da muss keiner extra was zur
Schau stellen, weil jeder genau weiß, was er und was die anderen
können, da ergänzen sich einfach drei Typen, die auch privat bestens
miteinander klarzukommen scheinen. Und so gut Bibb für sich alleine
ist: Das Trio ist der Idealfall. Die einzige Länge während des knapp
zweieinhalbstündigen Konzerts, wenn man überhaupt von Längen sprechen
kann, waren die paar Songs, die er zwischendurch ohne die anderen
spielte. Keineswegs schwach, aber halt nicht ganz so brillant wie mit
Simpson und Bronze.
Verdammt normal, verdammt gut
 Weiß
Eric Bibb eigentlich, wie gut er ist, welche Bühnenpräsenz er
besitzt? Der 48-Jährige mit dem fröhlichen Gesicht ist so verdammt normal geblieben, so freundlich und
sympathisch, so ruhig und cool und erhaben, so überhaupt nicht arrogant
bei allem, was er erzählt, dass es fast schon wieder ein wenig
erschreckend anmutet, wenn er die Augen und den Mund ekstatisch verzieht
im Bluesrausch, wenn er bei einem Solo seines Gitarristen fast selber
ausflippt und ihn anfeuert. Selbiges gilt für seine hervorragenden
Musiker. Steve Simpson (früher bei Roger Chapman), mal ganz zärtlich
und sachte im Hintergrund mit seiner leise wimmernden Slideguitar oder
auch mit seiner auffallend blauen Violine, dann plötzlich wieder laut
und hart, ausbrechend. Keine übertriebenen Soli, mehr so
andeutungsweise seine Klasse kurz zeigend. Ein großer Musiker hat die
Sperenzchen der Möchtegerns einfach nicht mehr nötig. Der Mann am
Bass, Dave Bronze (früher bei Eric Clapton), ist der Bühnenkasper des
Trios. Das Meiste von dem, was er Bibb so zuflüstert und -raunzt
während des Abends, bleibt dem lachenden Bandleader und den ersten
zwei, drei Reihen in der Neuen Welt vorenthalten. Immer ein
verschmitztes Grinsen im Gesicht und dann wieder völlig
gedankenverloren und in sich gekehrt in Bibbs wunderschöne Songs
versunken.
Eine simple Sache
Ein absolutes Highlight, ein würdiges Jubiläum der Neue Welt-Reihe
"Große Namen in kleinem Rahmen" (es war der 75. Gig), ein
denkwürdiger Abend. Man könnte es auch mit wenigen Worten auf den
Punkt bringen: Da saßen drei exzellente Musiker, die mit jedem Ton ihre
Freude an der eigenen Musik verstreuten, und das hat sich aufs
begeisterte Publikum übertragen. So einfach und so großartig und so
simpel kann Blues in seiner reinsten Form sein.
Formation:
Eric Bibb (Vocals, Akustikgitarre), Steve Simpson (E- u. Slidegitarre,
Mandoline, Geige), Dave Bronze (Bass)
Eure Meinung zu dieser Kritik bzw. zum Konzertabend und zu weiteren
Auftritten könnt Ihr gerne in unserem neuen Musik-Forum
loswerden.
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Fotos und Text:
Uwe Ziegler
[24.10.2000]
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