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  Ausgabe 7 : Nachbericht

  
 
 
   
   
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Heiß-Kalt:

Martha Fiennes verfilmt Puschkins Versroman "Eugen Onegin"

Onegin im verschneiten PetersburgKlirrend kalt ist es draußen, in der russischen Steppe. So kalt, dass nicht nur die Kutsche im tiefverschneiten russischen Boden, sondern auch die gesamte Handlung des Vorspanns in sich festzufrieren scheint. Zäh geht es vorwärts; der Lebemann Onegin (gespielt von Ralph Fiennes) hat es nicht eilig, seinen im Sterben liegenden Erbonkel noch aufzusuchen. Die Reise ist ihm eine Last, wie ihm so ziemlich alles eine Last ist. Das Leben mit den verkommenen Adligen in St. Petersburg kümmert ihn wenig, gelegentlich huschen Erinnerungen an eine "teure Geliebte" durch seinen Kopf, unwirklich und - tatsächlich - weit entfernt.
Als er auf dem Landgut seines Onkels ankommt, ist dieser bereits verstorben. Er hinterlässt einen Hof mit 500 Leibeigenen. Onegin kann mit den Bediensteten nichts anfangen und so gibt er sich - zum Ärger seiner provinziellen Nachbarn - großzügig: Er entlässt alle Leibeigenen in die Freiheit.
Onegin denkt daran abzureisen, kann sich aber wohl nicht dazu durchringen, wieder am gesellschaftlichen Leben in der Zarenstadt teilzunehmen; er bleibt. Zufällig begegnet ihm die Tochter eines Nachbarn, der der Die Träumerin Tatjana am See des LandgutsOnkel erlaubt hatte, Bücher aus seiner Bibliothek zu entleihen. Onegin ist erstaunt über die junge Frau, die so gar nicht gezwungen extrovertiert ist wie der übrige Provinzadel. Tatjana verliebt sich in den rätselhaften Fremden und missdeutet das Erstaunen Onegins als Erwiderung dieser Liebe. Hin und hergerissen zwischen der Angst, Onegin ihre Liebe zu gestehen und dem Verlangen danach, schreibt sie nachts einen glühenden Liebesbrief.
Onegin erhält den Brief, aber sein Inhalt erreicht den Gefühlstauben nicht; am Rande eines Festes erklärt er Tatjana, dass sie sich nur in jugendlicher Verrücktheit in ihn verliebt hätte. Für Tatjana bricht ein Welt zusammen. Aber auch für Onegin verläuft die nächste Zeit nicht sehr glücklich: Lenskij, ein Nachbar, der mit Tatjanas großer Schwester verlobt ist, fühlt sich von dem großspurigen Fremden provoziert. Er fordert Onegin zu einem Duell, obgleich beide im gerade vergehenden Sommer eine gewisse Freundschaft verband.
Onegin beim DuellOnegin überlebt das Duell, ist aber so schockiert, einen Freund getötet zu haben, dass er ohne Abschied abreist und die nächsten Jahre in der Fremde verbringt.
Als er wieder in Petersburg erscheint, hat sich einiges geändert. Er ist nicht mehr der angesehene Adlige, sondern nur noch ein recht unbedeutender Gast am Zarenhof, am Hof seines Cousins. Dort am Hof trifft er nach Jahren Tatjana wieder, sie ist inzwischen die Zarin. Die erneute Begegnung verstört Onegin völlig, der sich auf seiner Reise verändert hat. Plötzlich ist er es, der sich zu Tatjana hingezogen fühlt, der nach ihrer Nähe lechzt, der keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Also schreibt er einen Brief an Tatjana.


Martha Fiennes ist mit der zarten, nuancenreichen Verfilmung des Versroman "Eugen Onegin" von Puschkin ein Meisterwerk gelungen. Elegant unterstützt der Schnitt den Handlungsablauf, lähmt ihn förmlich oder fasst in einer Einstellung Jahre zusammen. Nicht nur die schwere bedrückende Stimmung des endenden Zarenreiches gibt der Film sehr plastisch wieder. Auch die glühende, verzehrende Liebe der Hauptdarsteller ist auf so angenehme Weise echt und unverfälscht, nicht hollywoodtypisch platt. In ihrem Bruder Ralph Fiennes hat die Regisseurin außerdem einen Darsteller gefunden, der in seiner Rolle sowohl die eisige Versnobtheit wie auch das überschäumende Verlangen glaubwürdig unterbringt. Der größte Clou des Filmes ist aber die Besetzung der Tatjana: Die "berühmteste Träumerin der russischen Literatur" (Die ZEIT) wird phänomenal gespielt von Liv Tyler. So still, in sich gekehrt, bezaubernd, und ergreifend hat in den letzten Jahren niemand auf der Leinwand gewirkt.
"Onegin" ist kein Film mehr, er ist dank eines perfekten Zusammenspiels zwischen Regie, Kamera und Schnitt und der absolut außergewöhnlich Darstellung von Ralph Fiennes und Liv Tyler auf Zelluloid gebannte Poesie. Wir wollen mehr davon.

Offizielle Site zum Film

 

Peter Melchior
(30. Oktober 2000)

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