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  Ausgabe 8 : Glosse

  
 

Eva Schade

Die Autorin dieser Glosse hat sich mit dem Phänomen Halloween näher befasst.

Kürbisboom


Letzte Woche fand ich in meinem Briefkasten einen Brief, in dem ich zu einer Halloween-Party eingeladen wurde. Diese Partys finden in ganz Deutschland in der Zeit vom 27. Oktober bis zum 3. November statt. Halloween, das war für mich immer verbunden mit Horror-Filmen und den USA. Ausgehöhlte Kürbisse gehören für mich dazu und Kinder, die verkleidet bei den Mitmenschen klingeln und Süßigkeiten erbetteln. Hat der Deutsche mal wieder eine Spinnerei der Amerikaner übernommen? Die schönsten Kostüme sollen auf den Partys prämiert werden. Das erinnert mich sehr stark an Fasching. Neugierig wie ich bin, habe ich mich daran gemacht, Informationen über Halloween zu suchen.


Ich erfuhr Erstaunliches. Halloween ist keine Erfindung der gelangweilten Amerikaner: Es hat seinen Ursprung bei den Kelten. Am 31. Oktober ging das Jahr zu Ende und die Druiden veranstalteten das "Festival of Samhain", das Fest des Fürsten des Totenreichs. An diesem Abend wurde mit riesigen Feuern auf Hügeln das alte Jahr verabschiedet und die bösen Geister vertrieben. Der Überlieferung nach sammelte Samhain in dieser Nacht die Seelen der im Laufe des Jahres Verstorbenen, welche in die Körper von Tieren gebannt worden waren. Sie durften in dieser Nacht in den Druidenhimmel eingehen. Der ausgehöhlte Kürbis mit der brennenden Kerze kommt auch nicht von ungefähr. Er stellt das Irrlicht "jack-o´-lantern" dar. Der Halloween-Brauch wurde von Iren nach Amerika mitgebracht. Auch das "trick or treat" der Kinder stammt daher. Den Toten wurden an diesem Abend Gaben vor die Türschwelle gestellt, um ihnen Wegzehrung auf dem Weg in den Himmel zu geben. Halloween ist also ein Tag, an dem der Umgang mit dem Tod auf leichte Weise praktiziert wird. In Mexiko heißt der Tag "Dia de los Muertos" und die Mexikaner gehen auf die Friedhöfe und feiern mit ihren Toten ein grosses lustiges Fest. Der Name Halloween stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die protestantische Kirche führte den Tag als "All Hallowed Evening" (Abend vor Allerheiligen) ein und machte ihn zu einem christlichen Feiertag. Während bei uns dieser Tag mehr und mehr in Vergessenheit geriet, wurde in der so genannten Neuen Welt besonders von den irischen und schottischen Einwanderern an Traditionen und Kultur festgehalten. Nicht zuletzt, um in dem fremden Land schneller heimisch zu werden. Da die in Amerika wachsenden Kürbisse grösser ausfielen, als alle Gurken und Rüben, wurde aus der ursprünglich ausgehöhlten Gurke mit Licht ein Kürbis.


Ich wundere mich einmal mehr, dass wir alte Bräuche, die in Amerika besser gepflegt werden als bei uns, wieder übernehmen und uns darauf besinnen müssen. Halloween behandelt das Thema Tod auf lockere Art und Weise und der damit verbundene "Horror" wie Gruselfilme und unheimliche Verkleidungen reinigen die Seele. 




[6. November 2000]