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It´s the song, not the singer
Die "Monsters of Cover"-Tournee gastierte in
Mindelstetten
 Die
Lichter gehen aus, die bis auf den letzten Platz gefüllte Markthalle
blickt voll freudiger Erwartung zur Bühne und nach einem eingespielten Ennio-Morricone-Intro betreten sie die Bühne, die 5 Kleinen
Jägermeister. Die Band kennt niemand, aber die Stücke, die sie spielt,
kennt jeder. Denn die Jägermeister sind eine Coverband. Die Toten Hosen
sind ihre Helden, und deren Lieder spielen sie möglichst originalgetreu
nach.
Was nach einer langweiligen Sache klingt, ist ein Riesenspaß für Bands
und manchmal auch für das Publikum. Nebenbei entwickelt sich da auch
eine neue Musikbranche, denn es gibt immer mehr Bands, die sich auf das
Songmaterial großer Namen verlassen: "Vorsprung durch
Technik" beispielsweise covern U2, und waren vor einiger Zeit
ebenfalls Teilnehmer der Monsters-Tournee. Hier und heute in
Mindelstetten bei Pförring jedoch sind erst die 5 Kleinen Jägermeister
dran, die ihr Publikum im Griff haben. Über Sinn und Zweck einer Band,
die Stücke einer Punkband covert, läßt sich trefflich streiten. Mehr
als drei Akkorde, fünf Bier und ein bisschen Spaß braucht man dazu
eigentlich nicht. In diesen Kategorien sind die Jägermeister firm, und
auch das Publikum grölt bei Hits wie "Liebesspieler" oder
"Schön sein" mit.
Dicke Luft, ausgelassene Party
1600 Besucher will der Veranstalter gezählt haben, doch die Halle ist
zum Bersten voll und es werden wohl mehr als 2000 vor allem junge Leute sein, die sich zwischen Bierständen und der Bühne
drängeln. Die Luft kann man längst in Stücke schneiden, und ansonsten nur hoffen, es
möge keine Panik ausbrechen.
Die bricht auch nicht aus, als Kon Chauvi die Bühne betreten. Laut
Eigenwerbung eine der besten Bon-Jovi-Nachahmer-Kapellen, und das
stellen sie mit "It´s My Life" auch gleich unter Beweis. Der
Sänger kann, im Gegensatz zu seinem Vorgänger "Campino",
sogar fast wie das Original ins Mikro röhren, die Band spielt
ordentlich und die Fans sinds zufrieden. Auch wenn dem Sänger manche
Gesten zu groß geraten und die Identifikation mit Jon Bongiovi
vielleicht zuweilen überhand nimmt, ist die Botschaft klar: "Wir
sind Bon-Jovi-Fans, und wir spielen diese Stücke gern."
Unfreiwillige Parodien
Vom German Boss, der mit seiner Band als Letzter gegen halb zwölf die
Bühne entert, kann man das nicht behaupten. Seinem Auftritt kann man
sich nur unter zwei Gesichtspunkten nähern: Entweder wollte man schon
immer mal eine Band erleben, bei der man sich lachend auf die Schenkel
klopft und Tränen aus den Augen wischen muß. Oder man kann damit
leben, wenn Springsteen-Songs live totgeprügelt werden. In beiden
Fällen kommt man beim German Boss voll auf seine Kosten. Weder kann
Sänger Kalle singen (schon gar nicht wie der echte "Boss"),
noch hat er seiner Band erklärt, was ein Arrangement sind. Wirklich
jedes Stück wird zur Parodie seiner selbst, und sogar der Mann am
Mischpult muss lachen. Kein Wunder, wenn immer mehr Leute schnellen
Schrittes zum Ausgang eilen. Krönung des Abends ist die Darbietung von
"Born in the U.S.A.", der wütenden Anklage eines
Vietnam-Veteranen, die beim German Boss zur Party-Nummer gerät. Konnte man den Jägermeistern und Kon Chauvi unterstellen, die Musik
ihrer Helden wirklich zu mögen, ist der German Boss vor solchen
Verdächtigungen sicher. Daheim konnte man nur schnellstmöglich zum nächsten Springsteen-Album
greifen und sich der Qualität der Musik versichern, wenn man nicht
seinen Glauben an diese Musik verlieren wollte.
Das grande finale kommt, als sich sämtliche Bands auf der Bühne
zusammen finden, um die "Glory Days" zu besingen. Das wird zur
großen Gaudi, und wer noch in der Lage ist, sich am Mikrofon
festzuhalten, der darf mitsingen.
Neuauflage im nächsten Jahr?
Die Lustigen Kumpels e.V., Veranstalter des Konzerts, waren zufrieden
mit dem großen Zuspruch, und so darf auf eine Neuauflage im kommenden
Jahr gehofft werden. Die Pförringer Jugend wird's freuen. Vielleicht
auch die Polizei aus der Region, denn die hatte wohl ihren Einsatz des
Jahres: In der Mindelstettener Ortsmitte wurden mit einem großen
Aufgebot Fahrzeuge kontrolliert. Fast wie damals, als Rockmusik
noch was für Rebellen war...
Eure Meinung zu dieser Kritik bzw. zum Konzertabend und zu weiteren
Auftritten könnt Ihr gerne in unserem neuen Musik-Forum
loswerden.
Gerne hätten wir an dieser Stelle auch über den Auftritt von Schinderhannes im
Ohrakel berichtet. Leider gab's auf unsere Mailanfrage
ans Ohrakel-Team hin keinerlei Resonanz.
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