Guru´s Jazzmatazz
"Streetsoul"
(Virgin)
Würde es nur nach der Gästeliste gehen, hätte Guru seine Tücher schon im
Trockenen. Aber mit glanzvollen Namen wie Macy Gray, Erykah Badu, Herbie Hancock
oder Isaac Hayes allein läßt sich natürlich noch kein Blumentopf gewinnen,
das weiß auch Guru.
Schon 1993, als er auf "Jazzmatazz Vol. 1" clever Jazz und HipHop
zusammen brachte, steckte mehr hinter dem Erfolg als nur ein glückliches
Händchen. Bis dahin war er schon als die eine Hälfte der HipHopper Gang Starr
angenehm aufgefallen, weil sich deren Scheiben durch den eigenen Anspruch der
Künstler angenehm vom Rest abhoben. Mit seinem Jazzmatazz-Projekt schaffte Guru
allerdings etwas neues. Diesmal war es keine Jazzplatte, die sich HipHopper
anhören konnten oder umgekehrt. Er hatte beide Richtungen im Studio vereint, so
dass sie tatsächlich klangen, als hätten sie schon immer zusammen gehört. Was
auch höchstens strenge Puristen bestritten hatten.
Auf "Streetsoul" indes läßt Guru es relaxter angehen. Er selbst
nennt das neue Album "entspannt, gereift, geruhsam und radiotauglich."
Da hat er sicher recht, aber noch immer stellt er sein Licht unter den Scheffel.
Denn was sich relaxt anhört, ist vielfältig und brodelnd. Nicht stilbildend
wie noch das Debüt vor sieben Jahren, aber mit jedem Stück läßt sich eine
andere Klangwelt erobern. Dafür sorgen die eingangs erwähnten Musiker, die
nicht einfach mit ihren guten Namen für einen kommerziellen Erfolg sorgen
sollen, sondern jedem Stück ihren Stempel aufdrücken. Schönste Beispiele sind
wohl Erykah Badu bei "Plenty" oder Soulbruder Isaac Hayes bei
"Night Vision".
Und dieser individuelle Stempel zeigt das Talent Gurus, der es auch auf "Streetsoul"
vermag, über seinen Tellerrand hinaus zu blicken.
Vielleicht noch ein frommer Wunsch für die Ingolstädter Jazztage 2001:
Jazzmatazz im Festsaal könnte ein Höhepunkt sein, der gleichzeitig auch eine
Investition in die Zukunft dieses Festivals wäre.
Thomas Uhle
[13. November 2000]
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