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  Ausgabe 9 : CD-Kritik

  
 
Cover Jazzmatazz

Jazzmatazz

Guru führt den HipHop in eine Zukunft, und überwindet dabei eine Leere im aktuellen HipHop. Dabei ist Musik für die Seele entstanden.

Guru´s Jazzmatazz
"Streetsoul"
(Virgin)

Würde es nur nach der Gästeliste gehen, hätte Guru seine Tücher schon im Trockenen. Aber mit glanzvollen Namen wie Macy Gray, Erykah Badu, Herbie Hancock oder Isaac Hayes allein läßt sich natürlich noch kein Blumentopf gewinnen, das weiß auch Guru.
Schon 1993, als er auf "Jazzmatazz Vol. 1" clever Jazz und HipHop zusammen brachte, steckte mehr hinter dem Erfolg als nur ein glückliches Händchen. Bis dahin war er schon als die eine Hälfte der HipHopper Gang Starr angenehm aufgefallen, weil sich deren Scheiben durch den eigenen Anspruch der Künstler angenehm vom Rest abhoben. Mit seinem Jazzmatazz-Projekt schaffte Guru allerdings etwas neues. Diesmal war es keine Jazzplatte, die sich HipHopper anhören konnten oder umgekehrt. Er hatte beide Richtungen im Studio vereint, so dass sie tatsächlich klangen, als hätten sie schon immer zusammen gehört. Was auch höchstens strenge Puristen bestritten hatten.

Auf "Streetsoul" indes läßt Guru es relaxter angehen. Er selbst nennt das neue Album "entspannt, gereift, geruhsam und radiotauglich." Da hat er sicher recht, aber noch immer stellt er sein Licht unter den Scheffel. Denn was sich relaxt anhört, ist vielfältig und brodelnd. Nicht stilbildend wie noch das Debüt vor sieben Jahren, aber mit jedem Stück läßt sich eine andere Klangwelt erobern. Dafür sorgen die eingangs erwähnten Musiker, die nicht einfach mit ihren guten Namen für einen kommerziellen Erfolg sorgen sollen, sondern jedem Stück ihren Stempel aufdrücken. Schönste Beispiele sind wohl Erykah Badu bei "Plenty" oder Soulbruder Isaac Hayes bei "Night Vision".

Und dieser individuelle Stempel zeigt das Talent Gurus, der es auch auf "Streetsoul" vermag, über seinen Tellerrand hinaus zu blicken. 
Vielleicht noch ein frommer Wunsch für die Ingolstädter Jazztage 2001: Jazzmatazz im Festsaal könnte ein Höhepunkt sein, der gleichzeitig auch eine Investition in die Zukunft dieses Festivals wäre.



Thomas Uhle
[13. November 2000]

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