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  Ausgabe 10 : CD-Kritik

  
 
Cover Jazzmatazz

Gundermann

Aufrechte Liedermacher sind nicht sonderlich gefragt, möchte man meinen. Doch bei manchen ist das Hinhören eine sinnvolle Beschäftigung.

Gundermann
"Krams - Das letzte Konzert"
(Buschfunk)

Selten erfüllen posthum veröffentlichte Tonträger einen anderen Zweck, als den Verwaltern des Erbes die Taschen zu füllen. Bestes Beispiel für eine solche Abzocke war das zwei Jahre nach seinem Tod veröffentlichte Album von Townes Van Zandt, auf dem er von einer Band begleitet wurde. Ein Projekt, mit dem Van Zandt bis zu seinem Tod in der Neujahrsnacht 1998 nichts zu tun hatte.

Gerhard Gundermann starb im Juni 1998. Sein Bekanntheitsgrad dürfte sich in den westlichen Bundesländern in übersichtlichen Grenzen gehalten haben. Was nicht verwundert, denn der Ossi Gundermann war einer dieser seltenen Paradiesvögel, die sich Liedermacher nennen und auch genau solche Musik auf die Bühnen bringen. Lieder, bei denen es auf die Texte und die Gedanken hinter den Texten ankommt und bei denen es nicht wichtig ist, ob sie nun perfekt arrangiert sind.

Gundermann wurde meist durch seine Begleitband "Seilschaft" unterstützt und war bereits zu Zeiten, als die DDR noch vor sich hin existierte, so eine Art lebende Legende und mit seiner offenen Art den Oberen natürlich ein Dorn im Auge. Nach der Wende trat er dann sogar im Vorprogramm von Bob Dylan auf. Er war direkt, ehrlich und galt manchen sogar als "Springsteen von Hoyerswerda". Ein seltsames Kompliment, möchte man meinen.

Doch so seltsam wieder nicht. "Krams - Das letzte Konzert" ist genau das, was der Titel verspricht, nämlich das letzte Konzert, aufgenommen wenige Tage vor seinem Tod. Es zeigt einen Künstler, der vor 70 Leuten in einer alten Scheune im 80-Seelen-Dorf Krams in der Prignitz auftrat und der zwischen seinen hier veröffentlichten 24 Stücken immer wieder kurze und lange Geschichten erzählte. Die sind manchmal witzig, manchmal auch ernst, doch am Ende machen sie fast immer nachdenklich.

"Krams" ist eine altmodische Doppel-CD, eingespielt von einem Musiker, der mit seinen Songs (darunter auch Coverversionen von Tom Waits, Bruce Springsteen und den Rolling Stones) genauso anrührend altmodisch wirkt. Aber vielleicht einer der letzten aufrichtigen Liedermacher war.

[Erhältlich ist die CD vermutlich bei den wenigsten Plattenhändlern, auf alle Fälle aber bei amazon.de].



Thomas Uhle
[20. November 2000]

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