
Tribute-Sampler gibt es viele. Inzwischen gibt es welche, die ein
bestimmtes Album zum Thema haben. Interessante Sache, wenn es sich um ein
Album wie das düstere "Nebraska" handelt.
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Various Artists
"Badlands - A Tribute To Bruce Springsteens Nebraska"
1982 war es. Im Land, das glaubte, den Rock´n´Roll erfunden zu haben, und
das ihn doch nur von den Schwarzen gestohlen hatte, schöpfte man gerade neue
Hoffnung. Nach Jahren des süßlichen Radioschleims von Bands wie Chicago und
anderen Hoffnungsträgern der Taschentuchindustrie wartete die
musikinteressierte Klientel gespannt auf das nächste Album von Bruce
Springsteen. Der hatte sieben Jahre zuvor mit "Born to run" den Rock
dahin zurück gebracht, wo er hingehörte - auf den Olymp. Zwingende Melodien,
Texte mit Hirn und eine Bühnenshow, die den Sänger zur Legende machte. Zwei
Alben folgten, unzählige Konzerte und auch in Europa war man mittlerweile auf
den Vorsteher der E-Street-Band aufmerksam geworden.
Nichts konnte also dem weltweiten Erfolg noch im Weg stehen. Fast nichts.
Denn Springsteen war schon seit einigen Monaten im Studio, spielte etliche
Tracks mit seiner Band ein. Doch nichts davon gefiel ihm. Er hatte viel Woody
Guthrie gehört, John Steinbeck gelesen und John-Ford-Filme gesehen. Dinge, die
einen Menschen prägen können. Dinge, die ihn zu tiefem Grübeln anregen
können. Und so war Springsteen mit den aufgenommenen Demo-Versionen
glücklicher. Aufgenommen auf einem Vier-Spur-Tape, allein daheim, in sich
gekehrt. Heraus kam "Nebraska", fast ohne Werbung, ohne Tournee, nur
mit einem (aus heutiger Sicht) anrührenden Schwarzweiß-Video zu "Atlantic
City". Viele Rocksüchtige waren verschreckt, die Kritiker begeistert.
Fast zwanzig Jahre später wird "Badlands" veröffentlicht. Das
ist nicht nur der Titel eines Springsteen-Songs von 1978, sondern auch ein
hervorragender Film von Terence Malick ("Der schmale Grat"). Das Wort
ist ein anderer Begriff für Wüste oder Einöde. Passt also hervorragend zum
düsteren "Nebraska"-Album, in diesem Fall nun aber zu einem
Tribute-Album. Einzige Vorgabe an die Musiker: Die Songs müssen ebenfalls mit
einem Vier-Spur-Rekorder aufgenommen sein. Aha, richtig Retro.
Ans Werk gemacht haben sich sehr verschiedene Menschen. Zu den bekannten
zählen Johnny Cash oder Chrissie Hynde. Letzterer gelingt gemeinsam mit Adam
Seymour eine sphärische, eindringliche Version von "Nebraska". Munter
gehts weiter mit Hank Williams III, der "Atlantic City" und die
Geschichte vom Mafioso Chicken Man in die texanische Wüste verlegt.
Countrymusik, yeehaw!
Ergänzt wurden die Stücke des Original-Albums um einige, die zwar erst
später veröffentlicht wurden, aber zur selben Zeit entstanden. So schickt Raul
Malo von den Mavericks den "Downbound Train" auf die Reise, leider
etwas unmotiviert. Interessanter wird es, wenn Johnny Cash "I´m on fire"
intoniert. Das hat Würde, trotz seines Alters. Ebenfalls würdig sind die
Versionen, die Dar Williams und Deana Carter, die "State Trooper" und
"Highway Patrolman" ihren eigenen Stempel aufdrücken.
Auch eine Erwähnung wert sind Ani DiFranco, Ben Harper oder Aimee Mann mit
Michael Penn. Eine interessante Idee findet hier eine Umsetzung, die mal wieder
Lust aufs Original macht. Das wiederum zum derzeitigen tristen Wetter passt.
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