Der Autor dieser Glosse ist gebürtiger Ingolstädter und tagsüber
als (Lebens)Künstler tätig.
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Krieg um Troja
Da rührt sich doch was. Haben Sie auch den Wochenend-DK so aufmerksam
gelesen wie ich? Dann sind Ihnen auch die beiden riesigen Anzeigen im Lokalteil
aufgefallen? Zuerst ein ellenlanger und eigentlich auch sterbenslangweiliger
Text von den künftigen Herren des ECE. So heißt das geplante riesige
Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Gießereigelände. In der Anzeige wird uns
erklärt, warum die Innenstadt dieses Ding braucht. Weil es den Ingolstädtern
nämlich an Attraktivität mangelt. Und die bringt so ein Einkaufstempel
natürlich.
Vier Seiten weiter, eine große Anzeige mit einem trojanischen Pferd. Das soll
das ECE sein. Und wenn das erstmal in der Stadt ist, dann geht es mit selbiger
bergab. Ratzeputz. Von wem die Anzeige stammt, steht nicht dabei. Nur zwei
Telefonnummern, was etwas seltsam anmutet. Die eine jedenfalls gehört zum
City-Manager Haas. Dem würde das Einkaufscenter zwar einen weiteren Kunden
bescheren, aber eigentlich ist er ja dazu da, die Innenstadt vor dem Aussterben
zu bewahren.
So hat also jeder seine Sorgen. Die einen, weil sie den Leuten einreden
müssen, warum Ingolstadt unbedingt dieses Ding braucht, in dem alle
ihr Geld ausgeben sollen. Und bei den anderen ist es genau umgekehrt.
Irgendwo dazwischen hampeln dann noch die Freien Wähler herum und
wedeln mit ihrem "Piazzakonzept". Es tut sich also was in
der Altstadt. Kann man nur hoffen, dass am Ende nicht alle verlieren:
Kein Einkaufstempel, keine Geschäfte mehr, keine Bevölkerung mehr
auf den Straßen. Die Goldene Mitte ist gefragt, und die ist schwer
zu finden. Am wenigsten, wenn man die Sache überstürzt und damit den
Bürger vor vollendete Tatsachen stellt.
(27.11.2000)
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