Ausgabe 11 : Glosse

  
 

Ruprecht Baader

Der Autor dieser Glosse ist gebürtiger Ingolstädter und tagsüber als (Lebens)Künstler tätig.

Krieg um Troja

Da rührt sich doch was. Haben Sie auch den Wochenend-DK so aufmerksam gelesen wie ich? Dann sind Ihnen auch die beiden riesigen Anzeigen im Lokalteil aufgefallen? Zuerst ein ellenlanger und eigentlich auch sterbenslangweiliger Text von den künftigen Herren des ECE. So heißt das geplante riesige Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Gießereigelände. In der Anzeige wird uns erklärt, warum die Innenstadt dieses Ding braucht. Weil es den Ingolstädtern nämlich an Attraktivität mangelt. Und die bringt so ein Einkaufstempel natürlich.

Vier Seiten weiter, eine große Anzeige mit einem trojanischen Pferd. Das soll das ECE sein. Und wenn das erstmal in der Stadt ist, dann geht es mit selbiger bergab. Ratzeputz. Von wem die Anzeige stammt, steht nicht dabei. Nur zwei Telefonnummern, was etwas seltsam anmutet. Die eine jedenfalls gehört zum City-Manager Haas. Dem würde das Einkaufscenter zwar einen weiteren Kunden bescheren, aber eigentlich ist er ja dazu da, die Innenstadt vor dem Aussterben zu bewahren.

So hat also jeder seine Sorgen. Die einen, weil sie den Leuten einreden müssen, warum Ingolstadt unbedingt dieses Ding braucht, in dem alle ihr Geld ausgeben sollen. Und bei den anderen ist es genau umgekehrt. Irgendwo dazwischen hampeln dann noch die Freien Wähler herum und wedeln mit ihrem "Piazzakonzept". Es tut sich also was in der Altstadt. Kann man nur hoffen, dass am Ende nicht alle verlieren: Kein Einkaufstempel, keine Geschäfte mehr, keine Bevölkerung mehr auf den Straßen. Die Goldene Mitte ist gefragt, und die ist schwer zu finden. Am wenigsten, wenn man die Sache überstürzt und damit den Bürger vor vollendete Tatsachen stellt.

(27.11.2000)

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