C. B. Green: überraschend
rockig

Kurz nach acht am Samstag in der Fronte 79: Der
Saal ist nicht grad proppenvoll, was auch wirklich
überrascht hätte. Ein paar ganz taugliche
Radio-Hits hat er ja, der Neuburger Clemens Benecke,
besser bekannt als C. B. Green. Mit "Look for
my love" und "Somebody turns on the light"
(Platz 87 der Single-Charts) machte er sich 1998 einen
Namen, "Caught in heaven" und "Take
it" konnten sich im letzten Jahr ebenfalls in
den Charts platzieren und wurden vor allem von Bayern
3 & Co. gern und oft gespielt. Im Frühjahr
'99 war C. B. Green der Support Act zur Deutschland-Tournee
des italienischen Superstars Nek, hinzu kamen zahlreiche
TV-Auftritte und diverse Festivals.
Nun steht er am Scheideweg. Marlboro Music, sein
bisheriges Label, hat den Betrieb in diesem Jahr eingestellt,
weshalb sich auch die Veröffentlichung des schon
länger angekündigten neuen Albums noch bis
aufs kommende Frühjahr verzögert; Green
wechselte zu "Lautstark", einem Ableger
des BMG-Labels.
So hatte der Neuburger kein neues Album im Gepäck,
das potentielle Fans angelockt hätte, außerdem
fand zeitgleich im Stadttheater eine bayerische Musiknacht
mit knapp 2.000 Besuchern statt. Der Zeitpunkt des
Auftritts war also etwas ungünstig gewählt.
Wenigstens etwas mehr als halb voll war der Saal der
Fronte dann um halb neun, als die sehr spielfreudige
Band um Green loslegte. Überraschend rockig und
gar nicht so verpoppt wie befürchtet kamen die
Fünf daher, vor allem Keyboarder Christian Lohr
und Gitarrist Martin Kursawe hauten rein, dass es
eine wahre Freude war. Unprätentios, kerzengerade
auf den Punkt gebracht, ohne überflüssige
Spielereien, guter, teils sogar richtig kraftvoller
Sound, geführt von einem sehr sympathischen Frontmann,
der genau wusste, wann die Zügel anzuziehen waren.

Highlights waren das gleich zweimal gespielte "Still
I haven't found you", bei dem sich Keyboarder
Christian Lohr richtig austoben durfte, und das rockige
"Tambourine", beides aus dem Album "Sooner
or later" (siehe Foto). Das Publikum: viele Frauen
vom Typ Sekretärin oder Arzthelferin, entweder
mit männlicher Begleitung oder im Rudel auftretend,
aber auch ein paar Neugierige, die man nicht unbedingt
bei C. B. Green erwartet hätte. Diejenigen, die
einen "Sasha für Arme" erwartet hatten,
wurden jedenfalls ganz klar eines Besseren belehrt.
Und mit BMG und neuen Songs im Rückenwind sollte
Green die Fronte beim nächsten Mal füllen
- das hätte er sich wenigstens verdient.
Line-Up: C. B. Green (vocals, guitar), Christian
Lohr (keyboards), Martin Kursawe (guitar), Thomas
Mueller (bass), Thomas Simmerl (drums).
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Gripsholm: viel Heike, wenig Tucholsky

Berlin, die dreißiger Jahre. Kurt Tucholsky
genießt den Ruf eines kämpferischen Publizisten
und ironischen Schriftstellers, ist in der dekadenten
Welt des Berliner Kabarett ein Star. Angst vor der
Obrigkeit ist ihm fremd, nur sein Verleger wünscht
sich etwas Harmloses, eine nette Sommerromanze, etwas,
das Geld bringt. Als Tucholsky zu seinem Urlaubsidyll
in das schwedische Schloss Gripsholm aufbricht, scheint
dies die ideale Kulisse dafür zu sein.
Ulrich Noethen ("Comedian Harmonists")
überzeugt einmal mehr in der Rolle des 1890 geborenen
und früh verstorbenen Tucholsky (1935 verübte
er Selbstmord und wurde Schloss Gripsholm begraben),
der gemeinsam mit seiner Geliebten Lydia (Heike Makatsch),
seinem alten Kumpel Karlchen (Marcus Thomas) und Lydias
Freundin Billie (Jasmin Tabatabai) mehr oder weniger
unbeschwerte Tage in Schweden verbringt. Doch Hitlers
Machtergreifung steht unmittelbar bevor, und wegen
seines "Soldaten sind Mörder"-Zitats
ist Tucholsky in der Heimat zur Persona non grata
avanciert. Eine Rückkehr scheint ausgeschlossen,
und Stück für Stück lässt der
Lebemann Einblicke in sein zerrrüttetes Seelenleben
zu.

Die Verfilmung des gleichnamigen Tucholsky-Buches
von 1931 lebt von der Präsenz der wunderbaren,
mittlerweile sehr femininen Heike Makatsch (29). Die
einstige Soziologie-Studentin und spätere VIVA-
und BRAVO-TV-Maus hat sich endgültig zur ernsthaften
Schauspielerin entwickelt und geht einem mit ihrer
Darstellung der pfiffig-burschikosen Lydia tief unter
die Haut. In der Rolle der lasziven Varieté-Sängerin
Billie gibt Jasmin Tabatabai ("Bandits")
erstmals in ihrer Karriere deutsches Liedgut (Tucholsky-Texte)
zum Besten, von der Schweizer Klezmer-Band Kol Simcha
wunderbar umgesetzt. Und ein Wiedersehen gibt's mit
"Pippi Langstrumpf" Inger Nilsson. 30 Jahre
nach dem letzten Lindgren-Abenteuer hat sie, noch
immer leicht an ihren verschmitzten Kinderaugen zu
erkennen, Villa Kunterbunt gegen Schloss Gripsholm
getauscht. Recht viel mehr als Türen öffnen,
Getränke reichen und nett grinsen darf sie allerdings
nicht.
Gripsholm gefällt durch das herzerwärmende
Zusammenspiel von Noethen und Makatsch, hat aber auch
einige Längen. Und es ist weniger ein Tucholsky-
als ein Makatsch-Film. Das liegt zum einen sicher
daran, dass der Roman schwer umzusetzen war. Noch
viel mehr aber liegt es an der blonden Düsseldorferin,
die alles um sich rum einfach blass aussehen lässt.
Kein Film für die Ewigkeit, aber doch eine der
besseren deutschen Produktionen der letzten Zeit.

Regie: Xavier Koller; Länge: 102
Minuten; FSK: ab 12 Jahre; offizielle
Website zum Film; Gripsholm läuft täglich
(mind. bis einschl. 29.11.) um 18.00 und 20.30 Uhr
im Studio
(Dollstraße).
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