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Brave Mädchen kommen in den Himmel, Böhse Onkelz
in den Ingolstädter Fasching
Fasching ist eine Riesengaudi. Frag nach bei Polt ("Kehraus").
Meistens wird's gerade dann komisch, wo es eigentlich gar
nichts zu lachen gibt, wo die unfreiwillige Komik Einzug hält.
Da, wo der Schuss nach hinten los geht. Und so dachte sich
die diesjährigen Ingolstädter Faschingsprinzessin,
Ingrid I., im Rahmen einer Narrwalla-Veranstaltung nicht viel,
als sie einen fröhlichen Trinkspruch zum Besten gab.
Ein unscheinbarer Vierzeiler, der dann auch die Runde im Ingolstädter
Usenet machte. Fragen nach dem Ursprung wurden laut; mich
selbst trieb die Neugier, ich wollte wissen, woher die Passage
stammt. Aus irgendeinem Song, einem alten Schlager vielleicht,
mehr war nicht bekannt. Als mich die Suchmaschine schließlich
am Dienstag vergangener Woche ausgerechnet auf den Text eines
Songs ("Auf gute Freunde", aus dem 1996 erschienenem
Album E.I.N.S.) der wegen ihrer - zumindest in früheren
Jahren - sehr rechtslastigen Besinnung berüchtigten "Böhsen
Onkelz" führte, war das Erstaunen groß. Kritik
wurde laut, ausgerechnet eine Passage der Rechtsaußen
aus Hessen für den hiesigen Fasching zu verwenden.
Die Prinzessin selbst meldete sich eifrig und pflichtschuldig
im Usenet zu Wort, betonte, dass man "kein Narr sein
müsse, um den Spruch zu verstehen" (ein schöner
Satz zur Faschingszeit, da sind die Faschingsmuffeln wenigstens
mal nicht außen vor). Ärgerte sich über den
ihrer Meinung nach einseitigen Bericht des TV-Senders INTV
(siehe obigen Auszug aus der INTV-Website - den Original-Beitrag
im RealPlayer-Format
gibt's im Archiv der INTV-Website vom 17.11.) und tadelte
die mitlesenden User in der Wir-Form, "ob wir keinen
Humor mehr haben" oder "schon schon so verblödet
sind, dass wir nur noch über die Abzockerei der Politiker
lachen können". Sie sei "kein braves Prinzesschen",
schmetterte sie einem User entgegen, und deswegen hätten
ihre Beiträge halt auch Biss - "brave Mädchen kommen in den
Himmel, böse überall hin", so ihre Maxime. Schließlich,
und da erwischte sie erstmals den richtigen Ansatz, fragte
Nicole in die Runde, ob ihr etwa jemand unterstelle, dass
sie vielleicht "a bisserl dumm sei" und nicht nachdenke,
was sie sage. Nein, dumm ist sie nicht - schließlich
hat sie, was sie ebenfalls nicht zu vergessen betonte, Abitur
und sogar ein paar Semester studiert -, aber doch zumindest
ein bisserl naiv. Naiv, die Passage eines Textes eben jener
Böhsen Onkelz zu zitieren und sich dann zu wundern, wenn
sich Widerstand regt.
Zeit, nach den zwischenzeitlich doch etwas aus dem Ruder
gelaufenen Beiträgen diejenige zu Wort kommen zu lassen,
die dem bingo-Newsforum zu ungeahnten Höhenflügen
verhalf und die Böhsen Onkelz ein Stück weit zu
den Gebrüdern Blattschuss und Gottlieb Wendehals, mitten
hinein in den Fasching nämlich, katapultierte: Nicole
I. alias Nicole
Jahn, 23 Jahre jung, Narrwalla-Faschingsprinzessin 2000/2001.
"Einfach nur Spaß haben und Gaudi machen"
Wie kam es zur Idee, einen Song der Onkelz zu verwenden?
Erst mal finde ich es wahnsinnig, wieviele Leute sich über
eine solche Lappalie, die gar nichts zu bedeuten hat, aufregen.
Ich hörte den Spruch irgendwo und dachte mir, das hört sich
nett an. Gute Freunde - die hat ein Jeder; eine verlorene
Liebe ist auch jedem schon mal passiert; alte Götter - da
dachte ich an Fasching, was ja ein heidnischer Brauch ist.
Woher diese Zeilen kamen, wusste ich nicht, weil ich, wenn
ich etwas höre, nicht tausend Stellen abhöre, wo das vielleicht
schon mal jemand hätte gesagt haben können. Das war alles.
Es war also Dein eigener Vorschlag?
Genau.
Es
geht ja auch gar nicht um diese kleine Textzeile, daran ist
nichts verwerflich. Es geht darum, dass diese Passage aus
einem Song von den Böhsen Onkelz stammt, welche früher mit
Songs wie "Türken raus" von sich reden machten und eindeutig
der rechten Szene zuzuordnen war (siehe unten stehenden Text;
die Red.).
Aber das habe ich ja nicht gesagt. Für mich sagt dieser Vierzeiler
nichts Rechtsextremistisches aus oder irgend etwas in dieser
Art. Weiter habe ich nicht gedacht, schließlich haben wir
Fasching und keine politischen Reden.
Habt ihr euch bei der Narrwalla über diese ganze Diskussion
unterhalten in der Zwischenzeit?
Ja, man redet schon drüber. Das Ganze wird halt ziemlich übertrieben
und hochgepuscht, damit man wieder einen Skandal hat wie im
letzten Jahr, als die Faschingsprinzessin die SPD-Abgeordneten
nicht begrüßte. Dann hatten sie halt heuer auch wieder was
zu meckern. Und wenn INTV die Sache nicht so einseitig dargestellt
hätte, so denke ich, hätten die Leute gar nicht so viel drüber
gesprochen. Da war von einer Ordensaffäre im letzten Jahr
die Rede, und jetzt und heuer sei eben diese Sache passiert.
Die Leute regen sich viel zu sehr auf über Dinge, die gar
nichts zu bedeuten haben.
Wie denkst du im Nachhinein darüber, jetzt, wo du weißt,
dass es sich um eine Passage von einem Onkelz-Song handelt?
Wirst du ihn nochmal bringen in deiner Amtszeit?
Für mich ist es einfach nur ein Spruch, über den ich nichts
Schlechtes sagen kann. Ich kenn die schrecklichen frühen Lieder
der Böhsen Onkelz nicht. Ich weiß nicht, welche Musik sie
früher gemacht haben, ich kenne ja noch nicht einmal dieses
eine Lied. Den kompletten
Text habe ich mittlerweile davon gelesen, aber ansonsten
kann ich über diese Gruppe rein gar nichts sagen.
Wie hat man sich denn das Prozedere auf einer Narrwalle-Veranstaltung
vorzustellen hinsichtlich dieser Passage - wird die gesungen?
 Nein,
ich hab gar nichts gesungen, nur diese vier Zeilen gesprochen.
Ich habe mich halt vorgestellt: "Grüß euch miteinander,
ich bin also eure neue Faschingsprinzessin, die Nicole. Und
wie es sich für eine Prinzessin der Narrwalla gehört, bin
ich natürlich eine echte Schanzerin. Tagsüber arbeite ich
in der Villa Kunterbunt, allerdings nicht als Pippi Langstrumpf,
sondern als Praktikantin zur Erzieherin. Abends sorge ich
dann anderweitig für die Unterhaltung der Leute. Aber nicht,
dass ihr jetzt auf schlechte Gedanken kommt: Ich habe nur
einen Nebenjob in einer Videothek. Nun wisst ihr genug von
meinem Beruf, deshalb möcht ich noch erzählen, dass ich auch
Cheerleaderin bin bei den Hot Panthers vom MTV Basketball.
Ich freue mich sehr auf den Fasching, denn ich denke, mit
einem Prinzen wie dem Horst wird es sicher eine Zeit wie im
Märchen. So, jetzt aber genug geredet: Lasst uns trinken
auf gute Freunde, auf verlorene Liebe, alte Götter und auf
neue Ziele."
War das deine Inthronisation?
Ja - obwohl, kann man eigentlich nicht so sagen, denn die
offizielle Inthronisation findet erst zum Krönungsball statt.
Was geht in dir vor, wenn du nun über die ganze Geschichte
nachdenkst?
(lacht) Ich find's Wahnsinn, dass die Worte einer einfachen
Faschingsprinzessin so viel bewegen können.
Auch unter dem Aspekt, woher das Zitat stammt?
Die Leute finden ja sowieso immer was, die haben sich auch
über mein "Antonia"-Lied (Textauszug: "Ich bin viel schöner,
ich bin viel toller, ich bin Antonia und steh auf Tiroler,
meine Superpampelmusen sind der Gipfel in der Blusn und mein
Body ist so einer, den kein Mann vergißt..." - sozusagen
das weibliche Pendant zum "Anton"-Lied; die Red.) aufgeregt,
weil's frauenbeschämend war. Dann hat man sich über mein Mini-Dirndl
aufgeregt. Egal, was ich gebracht hätte, es wär immer etwas
falsch gewesen. Wenn die Leute was finden wollen, dann finden
sie es auch.
Vergeht dir langsam die Lust an allem oder steckst du das
ganz einfach weg?
Ich find's einfach schade, weil es viel wichtigere Angelegenheiten
gibt, über die man sprechen könnte. Auch im
bingo-Diskussionsforum gibt es Sachen, die's mehr wert
wären, behandelt zu werden, bei denen auch wirklich ein Hintergrund
vorhanden ist. An Fasching sollte man doch einfach nur Spaß
haben und eine Gaudi machen und nicht drüber nachdenken müssen,
was die Faschingsprinzessin jetzt mit diesem und jenem Satz
gemeint hat. Die stellen mich jetzt ja so schlecht hin, als
hätte ich einen Riesenfehler begangen, und das sehe ich einfach
nicht so.
Gab es den Gedanken, "hätte ich gewusst, dass die Passage
von den Böhsen Onkelz ist, dann hätte ich es gelassen"?
Was soll ich denn sagen? Soll ich sagen "Liebe Leut, entschuldigt,
dass ich das gesagt hab, es ist ja so schrecklich..."?
Man muss das jetzt doch gar nicht so ironisch sehen - was
wäre denn dabei gewesen, zu sagen, hätten wir's gewusst, dann
hätten wir's gelassen?
Ich weiß nicht, was ich in so einem Fall gemacht hätte - den
Spruch find ich einfach schön. Der hat auch den Leuten gefallen,
es war halt nicht so ein normaler Spruch, und anscheinend
hat das die Leute dann beschäftigt. Es ist doch schön, sich
an Freunde und eine verlorene Liebe zu erinnern.
Wie gesagt: Gegen den Spruch an sich ist ja nichts einzuwänden...
Genau, und an mehr denk ich auch nicht. Ich kann nicht über
was nachdenken, was ich nicht mal kenn. Und ich hab auch weder
Zeit noch Lust, mich damit zu beschäftigen, was diese Gruppe
früher gespielt hat, was diese Gruppe in Zukunft spielen wird
oder sonst irgendwas. Ich beschäftige mich mit meinem Fasching,
und das war's. Abschließend möchte ich mich noch recht herzlich
bei denjenigen bedanken, die derselben Meinung wie ich waren.
Ich denke, wenn sogar Politiker so denken, kann ich mit dem,
was ich sage, nicht so falsch liegen.
Gehasst, verehrt, geläutert - erfolgskompatibel
 Sie
sind ein Phänomen und sie scheiden die Geister. Die Böhsen
Onkelz, die 1979 als No-Name-Punkband in der Nähe von
Aschaffenburg loslegten und ihren Bandnamen von verängstigten
kleinen Jungen auf der anderen Straßenseite bekamen
("Kuckt mal, die bösen Onkels da drüben!"),
spalten die Nation. Die einen katapultierten ihr aktuelles
Album "Ein böses Märchen" im Frühjahr
dieses Jahres bis auf Platz 1 der deutschen CD-Charts (geschätzte
400.000 Exemplare werden davon verkauft, und das trotz des
Boykotts von zahlreichen Radiostationen und Plattenläden),
die anderen meiden das hessische Quartett wie der Teufel das
Weihwasser, glauben nicht an den Wandel, den die Vier durchgemacht
haben. Oder anders gesagt: Sie glauben es ihnen vielleicht,
aber sie haben ihnen ihre Vergangenheit nicht verziehen.
Underground-Stars durch rechte Parolen und Gewaltverherrlichung
Sie begannen als "Böhse Onkäls" und taten
genau das, was man tun muss, um aus der Rolle zu fallen. Sie
färbten sich die Haare bunt, hörten die Sex Pistols,
prügelten sich durch die Gegend, trugen zerfetzte Klamotten
und waren Punks. Sie wollten provozieren, skandierten "Türken
raus", "Bullenschwein, ich hasse dich" und
"Deutschland den Deutschen", wehrten sich damit
gegen ausländische Jugendgangs, weil's von denen ständig
was auf die Glocke gab. Ihre erste richtige Platte "Der
nette Mann" wurde 1984 wegen pornographischer und nationalsozialistischer
Inhalte von der Bundesstelle für jugendgefährdende
Schriften verboten. "Früher haben wir viel Scheiße
erzählt", beichten sie heute der BILD-Zeitung, "und
dazu stehen wir, denn wir waren jung und unerfahren. Wer behauptet,
mit 18 Jahren vernünftige Texte schreiben zu können,
hat keine Ahnung". Auf dem Plattencover vom "netten
Mann" ist eine teilweise verstümmelte und verschmierte
Kinder-Spielpuppe zu sehen, und im Song zur Fußball-EM
"Frankreich '84" heißt es: "Ja, wir sehen
uns in jedem Fall, im Sommer 84 beim Frankreich-Überfall,
lasst uns unsere Fahne hissen, unseren Gegnern vor die Füße
pissen, zeigt ihnen, wer wir sind, Fußball-Europameister,
es gibt nur einen, Deutschland heißt er, Deutschland,
Deutschland ist die Macht." Bei rechten Skins und Hooligans
gröhlten sie sich damit zur Kultband. Dazu die Bundesstelle
für jugendgefährdende Schriften: "Ein Lied,
das sich offen gegen die Völkerverständigung ausspricht
und - mehr noch - dazu auffordert, einen als minderwertig
beschriebenen Volksstamm zu beleidigen, führt zu einer
sozialethischen Verwirrung." Weiter geht's in diesem
Sinn im Lied "Fußball und Gewalt" ("zerschlagt
den anderen das dumme Gesicht, Fußball und Gewalt, blutige
Schlachten im Wald"). Im Titel-Track "Der nette
Mann" geht's um die Zerstückelung von kleinen Kindern,
um Gier nach Qual und Todesschrei. "Komm mein Kleines,
du sollst heut mein Opfer sein. Ich freu mich schon auf dein
entsetztes Gesicht und die Angst in deinem Teint." Und
so weiter, und so fort - fast jeder Song wird auf den Index
gesetzt, fast jeder hat's auch verdient. Eingefleischte Onkelz-Fans
lesen so was gar nicht gern. Es gibt nahezu hundert Fan-Websites,
doch nur eine Handvoll setzt sich mit der düsteren Vergangenheit
der Band auseinander. Fans und auch die Band führen einen
einsamen Kampf gegen die böse Presse, die, das gilt es
allerdings auch festzuhalten, immer wieder in die gleiche
Kerbe haut nach dem Motto "einmal böse, immer böse".
Gleichwohl muss man festhalten, dass sich die Gruppe trotz
massiver Anwerbeversuche seitens der Frankfurter Dependance
der Aktionsfront Nationaler Sozialisten nicht vor den Karren
neonazistischer Gruppen spannen ließen, sie bezeichne(te)n
sich schlichtweg als "stolze Deutsche", und das
vorherrschende Thema in ihren Songs war Gewalt in allen möglichen
Variationen. "Wir waren niemals politisch motiviert,
überhaupt nicht".
Ein fader Nachgeschmack bleibt, trotz Läuterung
Mitte
der Achtziger folgte der langsame Wandel, die Onkelz lösten
sich von der Skinhead-Szene und distanzierten sich von jenen
Liedern, die rechtsradikale oder fremdenfeindliche Äußerungen
enthielten. "Als wir erstmals bewusst mitbekamen, wohin
der Zug plötzlich fuhr, auf dem wir als Kultband der
Skins mit drauf saßen, haben wir damit begonnen, gegen
unsere eigenen Leute zu schreiben, um sie irgendwie zu bremsen".
Aus "Deutschland den Deutschen" wurde "Oi,
Oi, Oi", aus "Skinhead ist Zusammenhalt gegen euch
und eure Kanackenwelt" ein "Punks und Skins ist
Zusammenhalt gegen euch und eure Staatsgewalt" und "Türken
raus" war ab sofort passé. Warum sie sich plötzlich
geläutert geben, ist nicht genau bekannt, die Rede ist
lediglich von persönlichen Reifeprozessen im Allgemeinen.
Der Erfolg ließ nach und kam erst Anfang der Neunziger
wieder zurück, als das Quartett einen Vertrag beim Label
Bellaphon unterschrieb. 1992 ist man entsetzt über die
Anschläge in Rostock und Mölln, doch obwohl man
bei "Rock gegen Rechts" mit von der Partie ist,
wurden und werden die Musiker oft als Lügner dargestellt,
die nur auf die Knete aus sind und sich nie ernsthaft von
ihrer Vergangenheit distanzierten. Für die Fans waren
und sind sie genau aus diesem Grund die Könige: Vier
Jungs, die großen Mist gebaut hatten, jedoch zu ihren
Fehlern standen und sich weigerten, gegenüber der verhassten
Gesellschaft die gewünschte Abbitte zu leisten. Dies
freilich wäre ohnehin nur durch die Auflösung der
Band möglich gewesen.
In einem sehr gut geschriebenen Artikel der Süddeutschen
Zeitung bringt Autor Jörg Schallenberg die ganze
Zerrissenheit um die Böhsen Onkelz auf den Punkt: "Stimmungsmache
ersetzt keine Recherche und beantwortet auch nicht die Frage,
wie die Böhsen Onkelz nun aus ihrer Vergangenheit Kapital
schlagen. Wieso sollte jemand, der auf rechte Parolen steht,
CDs kaufen, auf denen Neonazis als "braune Scheiße"
beschimpft werden oder Konzerte besuchen, wo eine Sicherheitstruppe
jeden rauswirft, der sich als Rechter zu erkennen gibt? Ob
die Böhsen Onkelz die Underdogs sind, für die sie
sich ausgeben, mag man bezweifeln. Die Musik zum so genannten
nationalen Widerstand spielt jedenfalls längst anderswo."
- Was trotzdem bleibt, ist ein sehr fader Nachgeschmack.
Abschließend bat ich Rainer
Braßler, den Hofmarschall der Narrwalla Ingolstadt,
noch um einige Zeilen über die Narrwalla, weil im Worldwide
Web darüber schlichtweg nichts zu finden ist (die Seite
befindet sich momentan im Aufbau). Seine Antwort fiel etwas
länger aus, weil er einiges ins rechte Licht rücken
wollte. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir
vom IN-ticker und sicherlich auch diejenigen, die die Tatsache,
dass Faschingsprinzessin Nicole I. eine Passage aus einem
Songtext der Böhsen Onkelz in ihrer Ansprache zitierte,
die Narrwalla nicht auch nur im Entferntesten in die Nähe
rechter Gesinnung rücken wollten. Einzig und allein die
Tatsache, dass etwas unbedacht vorgegangen wurde und man selbst
nach dem Erkennen dieser Unachtsamkeit stur blieb, wurde kritisiert.
Eine knappe Entschuldigung von Seiten der Prinzessin, und
der Spuk hätte längst ein Ende gehabt.
"Wir sind ein gesellschaftlicher, unpolitischer Verein"
Hallo Herr Ziegler, eigentlich wollte ich mich aus diesem
aufgeputschten Quatsch einer Band, die ich nicht einmal kenne,
heraushalten. Die Narrwalla ist ein Faschingsverein, der zwischen
dem Krönungsball und dem Aschermittwoch eine Tanzshow bietet
und auch selbst Bälle (der Narrwalla GmbH) ausrichtet. Unser
Ziel ist es, das Publikum mit Beiträgen eines sogenannten
Formationstanzes zu begeistern. Leider ist das Bild des Faschings
unter den vielen Faschingsmuffeln bei bingo e.V. falsch. Man
muss den Karneval vom hohen Norden und das, was wir machen,
sehr stark unterscheiden. Wir sind weder politisch, noch haben
wir Interesse daran, was politische Gruppen machen. Das interessiert
doch keinen (zumindest von uns). Dass aus einem nichts aussagenden
Vierzeiler eine Geschichte wird, die dann mit dieser rechten
Szene in Verbindung kommt, konnte keiner von uns ahnen. Keiner
aus der Narrwalla kannte die Herkunft dieses Textes und möchte
auch damit nichts zu tun haben. Unser Ziel ist der Fasching,
die Geselligkeit (nicht zu verwechseln mit Alkohol, der ist
bei unseren Aktiven bis Showende untersagt) und das Vereinsleben.
Gegründet wurde die Narrwalla 1956. In der Nachkriegszeit
war in Ingolstadt nichts geboten. Der Fasching war daher eine
willkommene Abwechslung. Auch an unserem Ball an Weiberfasching
und am Faschingssamstag zählt die Narrwalla jeweils knappe
dreitausend Besucher (leider dürfen ins Theater nicht mehr
rein). Wir haben über vierhundert Mitglieder, von denen ca.
60 aktiv sind. Die Narrwalla hat etwa 60 Auftritte in der
ganzen Region, die Kindergarde zählt ungefähr 50 Tanzshows.
Um Ihnen ein Bild über unseren Fasching zu geben, würde ich
mich freuen, wenn wir uns auf einer Faschingsveranstaltung
mal treffen könnten. Ich möchte Ihnen darüber ein Bild geben,
dass unser Fasching kein wirres Treiben ist, sondern ein gesellschaftlicher
(meistens Schwarz/Weiß-) Ball, bei dem eine Show geboten wird,
wie sie auch unterm Jahr eine ganz normale Showtanzgruppe
macht. Ein Sportverein funktioniert nicht anders wie unser
Verein. Die einen spielen z. B. Fußball, wir tanzen und bieten
eine Show.
Ich hoffe, dass Sie auch in Ihrem Bericht die Narrwalla
als gesellschaftlichen, unpolitischen Verein charakterisieren.
Wir haben noch nie Interesse an Texten einer Band gehabt.
Dass unsere neue Prinzessin einen Trinkspruch hat, wussten
wir bis dato auch nicht. Dass dieser einen Zusammenhang mit
dieser Band hat, war uns allen neu und wir erfuhren es erst
von INTV. Wir zitieren keinen Trinkspruch, sondern weiterhin
unseren Schlachtruf HEI-JU-HU und bleiben dabei.
Mit narrwallesischem Gruß,
Rainer Braßler, Hofmarschall der Narrwalla IN
Uwe Ziegler
[22. November 2000]
Für die Bereitstellung des Fotos von Nicole Jahn bedanken
wir uns beim Magazin "Der
Sprinter"
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