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  Ausgabe 10/11 : Onkelz-Affäre

  
 
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Brave Mädchen kommen in den Himmel, Böhse Onkelz in den Ingolstädter Fasching 


Fasching ist eine Riesengaudi. Frag nach bei Polt ("Kehraus"). Meistens wird's gerade dann komisch, wo es eigentlich gar nichts zu lachen gibt, wo die unfreiwillige Komik Einzug hält. Da, wo der Schuss nach hinten los geht. Und so dachte sich die diesjährigen Ingolstädter Faschingsprinzessin, Ingrid I., im Rahmen einer Narrwalla-Veranstaltung nicht viel, als sie einen fröhlichen Trinkspruch zum Besten gab. Ein unscheinbarer Vierzeiler, der dann auch die Runde im Ingolstädter Usenet machte. Fragen nach dem Ursprung wurden laut; mich selbst trieb die Neugier, ich wollte wissen, woher die Passage stammt. Aus irgendeinem Song, einem alten Schlager vielleicht, mehr war nicht bekannt. Als mich die Suchmaschine schließlich am Dienstag vergangener Woche ausgerechnet auf den Text eines Songs ("Auf gute Freunde", aus dem 1996 erschienenem Album E.I.N.S.) der wegen ihrer - zumindest in früheren Jahren - sehr rechtslastigen Besinnung berüchtigten "Böhsen Onkelz" führte, war das Erstaunen groß. Kritik wurde laut, ausgerechnet eine Passage der Rechtsaußen aus Hessen für den hiesigen Fasching zu verwenden.

 

Auszug aus der INTV-Website Die Prinzessin selbst meldete sich eifrig und pflichtschuldig im Usenet zu Wort, betonte, dass man "kein Narr sein müsse, um den Spruch zu verstehen" (ein schöner Satz zur Faschingszeit, da sind die Faschingsmuffeln wenigstens mal nicht außen vor). Ärgerte sich über den ihrer Meinung nach einseitigen Bericht des TV-Senders INTV (siehe obigen Auszug aus der INTV-Website - den Original-Beitrag im RealPlayer-Format gibt's im Archiv der INTV-Website vom 17.11.) und tadelte die mitlesenden User in der Wir-Form, "ob wir keinen Humor mehr haben" oder "schon schon so verblödet sind, dass wir nur noch über die Abzockerei der Politiker lachen können". Sie sei "kein braves Prinzesschen", schmetterte sie einem User entgegen, und deswegen hätten ihre Beiträge halt auch Biss - "brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin", so ihre Maxime. Schließlich, und da erwischte sie erstmals den richtigen Ansatz, fragte Nicole in die Runde, ob ihr etwa jemand unterstelle, dass sie vielleicht "a bisserl dumm sei" und nicht nachdenke, was sie sage. Nein, dumm ist sie nicht - schließlich hat sie, was sie ebenfalls nicht zu vergessen betonte, Abitur und sogar ein paar Semester studiert -, aber doch zumindest ein bisserl naiv. Naiv, die Passage eines Textes eben jener Böhsen Onkelz zu zitieren und sich dann zu wundern, wenn sich Widerstand regt.

 

Zeit, nach den zwischenzeitlich doch etwas aus dem Ruder gelaufenen Beiträgen diejenige zu Wort kommen zu lassen, die dem bingo-Newsforum zu ungeahnten Höhenflügen verhalf und die Böhsen Onkelz ein Stück weit zu den Gebrüdern Blattschuss und Gottlieb Wendehals, mitten hinein in den Fasching nämlich, katapultierte: Nicole I. alias Nicole Jahn, 23 Jahre jung, Narrwalla-Faschingsprinzessin 2000/2001.

 

"Einfach nur Spaß haben und Gaudi machen"


Wie kam es zur Idee, einen Song der Onkelz zu verwenden?

Erst mal finde ich es wahnsinnig, wieviele Leute sich über eine solche Lappalie, die gar nichts zu bedeuten hat, aufregen. Ich hörte den Spruch irgendwo und dachte mir, das hört sich nett an. Gute Freunde - die hat ein Jeder; eine verlorene Liebe ist auch jedem schon mal passiert; alte Götter - da dachte ich an Fasching, was ja ein heidnischer Brauch ist. Woher diese Zeilen kamen, wusste ich nicht, weil ich, wenn ich etwas höre, nicht tausend Stellen abhöre, wo das vielleicht schon mal jemand hätte gesagt haben können. Das war alles.

Es war also Dein eigener Vorschlag?

Genau.

bingo-Diskussionsforum mit Banner gegen RechtsextremismusEs geht ja auch gar nicht um diese kleine Textzeile, daran ist nichts verwerflich. Es geht darum, dass diese Passage aus einem Song von den Böhsen Onkelz stammt, welche früher mit Songs wie "Türken raus" von sich reden machten und eindeutig der rechten Szene zuzuordnen war (siehe unten stehenden Text; die Red.).

Aber das habe ich ja nicht gesagt. Für mich sagt dieser Vierzeiler nichts Rechtsextremistisches aus oder irgend etwas in dieser Art. Weiter habe ich nicht gedacht, schließlich haben wir Fasching und keine politischen Reden.

Habt ihr euch bei der Narrwalla über diese ganze Diskussion unterhalten in der Zwischenzeit?

Ja, man redet schon drüber. Das Ganze wird halt ziemlich übertrieben und hochgepuscht, damit man wieder einen Skandal hat wie im letzten Jahr, als die Faschingsprinzessin die SPD-Abgeordneten nicht begrüßte. Dann hatten sie halt heuer auch wieder was zu meckern. Und wenn INTV die Sache nicht so einseitig dargestellt hätte, so denke ich, hätten die Leute gar nicht so viel drüber gesprochen. Da war von einer Ordensaffäre im letzten Jahr die Rede, und jetzt und heuer sei eben diese Sache passiert. Die Leute regen sich viel zu sehr auf über Dinge, die gar nichts zu bedeuten haben.

Wie denkst du im Nachhinein darüber, jetzt, wo du weißt, dass es sich um eine Passage von einem Onkelz-Song handelt? Wirst du ihn nochmal bringen in deiner Amtszeit?

Für mich ist es einfach nur ein Spruch, über den ich nichts Schlechtes sagen kann. Ich kenn die schrecklichen frühen Lieder der Böhsen Onkelz nicht. Ich weiß nicht, welche Musik sie früher gemacht haben, ich kenne ja noch nicht einmal dieses eine Lied. Den kompletten Text habe ich mittlerweile davon gelesen, aber ansonsten kann ich über diese Gruppe rein gar nichts sagen.

Wie hat man sich denn das Prozedere auf einer Narrwalle-Veranstaltung vorzustellen hinsichtlich dieser Passage - wird die gesungen?

Nicole Jahn, (c) mit freundlicher Genehmigung 'Der Sprinter"Nein, ich hab gar nichts gesungen, nur diese vier Zeilen gesprochen. Ich habe mich halt vorgestellt: "Grüß euch miteinander, ich bin also eure neue Faschingsprinzessin, die Nicole. Und wie es sich für eine Prinzessin der Narrwalla gehört, bin ich natürlich eine echte Schanzerin. Tagsüber arbeite ich in der Villa Kunterbunt, allerdings nicht als Pippi Langstrumpf, sondern als Praktikantin zur Erzieherin. Abends sorge ich dann anderweitig für die Unterhaltung der Leute. Aber nicht, dass ihr jetzt auf schlechte Gedanken kommt: Ich habe nur einen Nebenjob in einer Videothek. Nun wisst ihr genug von meinem Beruf, deshalb möcht ich noch erzählen, dass ich auch Cheerleaderin bin bei den Hot Panthers vom MTV Basketball. Ich freue mich sehr auf den Fasching, denn ich denke, mit einem Prinzen wie dem Horst wird es sicher eine Zeit wie im Märchen. So, jetzt aber genug geredet: Lasst uns trinken auf gute Freunde, auf verlorene Liebe, alte Götter und auf neue Ziele."

War das deine Inthronisation?

Ja - obwohl, kann man eigentlich nicht so sagen, denn die offizielle Inthronisation findet erst zum Krönungsball statt.

Was geht in dir vor, wenn du nun über die ganze Geschichte nachdenkst?

(lacht) Ich find's Wahnsinn, dass die Worte einer einfachen Faschingsprinzessin so viel bewegen können. 

Auch unter dem Aspekt, woher das Zitat stammt?

Die Leute finden ja sowieso immer was, die haben sich auch über mein "Antonia"-Lied (Textauszug: "Ich bin viel schöner, ich bin viel toller, ich bin Antonia und steh auf Tiroler, meine Superpampelmusen sind der Gipfel in der Blusn und mein Body ist so einer, den kein Mann vergißt..." - sozusagen das weibliche Pendant zum "Anton"-Lied; die Red.) aufgeregt, weil's frauenbeschämend war. Dann hat man sich über mein Mini-Dirndl aufgeregt. Egal, was ich gebracht hätte, es wär immer etwas falsch gewesen. Wenn die Leute was finden wollen, dann finden sie es auch.

Vergeht dir langsam die Lust an allem oder steckst du das ganz einfach weg?

Ich find's einfach schade, weil es viel wichtigere Angelegenheiten gibt, über die man sprechen könnte. Auch im bingo-Diskussionsforum gibt es Sachen, die's mehr wert wären, behandelt zu werden, bei denen auch wirklich ein Hintergrund vorhanden ist. An Fasching sollte man doch einfach nur Spaß haben und eine Gaudi machen und nicht drüber nachdenken müssen, was die Faschingsprinzessin jetzt mit diesem und jenem Satz gemeint hat. Die stellen mich jetzt ja so schlecht hin, als hätte ich einen Riesenfehler begangen, und das sehe ich einfach nicht so.

Gab es den Gedanken, "hätte ich gewusst, dass die Passage von den Böhsen Onkelz ist, dann hätte ich es gelassen"?

Was soll ich denn sagen? Soll ich sagen "Liebe Leut, entschuldigt, dass ich das gesagt hab, es ist ja so schrecklich..."? 

Man muss das jetzt doch gar nicht so ironisch sehen - was wäre denn dabei gewesen, zu sagen, hätten wir's gewusst, dann hätten wir's gelassen?

Ich weiß nicht, was ich in so einem Fall gemacht hätte - den Spruch find ich einfach schön. Der hat auch den Leuten gefallen, es war halt nicht so ein normaler Spruch, und anscheinend hat das die Leute dann beschäftigt. Es ist doch schön, sich an Freunde und eine verlorene Liebe zu erinnern.

Wie gesagt: Gegen den Spruch an sich ist ja nichts einzuwänden...

Genau, und an mehr denk ich auch nicht. Ich kann nicht über was nachdenken, was ich nicht mal kenn. Und ich hab auch weder Zeit noch Lust, mich damit zu beschäftigen, was diese Gruppe früher gespielt hat, was diese Gruppe in Zukunft spielen wird oder sonst irgendwas. Ich beschäftige mich mit meinem Fasching, und das war's. Abschließend möchte ich mich noch recht herzlich bei denjenigen bedanken, die derselben Meinung wie ich waren. Ich denke, wenn sogar Politiker so denken, kann ich mit dem, was ich sage, nicht so falsch liegen.

 

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Gehasst, verehrt, geläutert - erfolgskompatibel

 

Böhse OnkelzSie sind ein Phänomen und sie scheiden die Geister. Die Böhsen Onkelz, die 1979 als No-Name-Punkband in der Nähe von Aschaffenburg loslegten und ihren Bandnamen von verängstigten kleinen Jungen auf der anderen Straßenseite bekamen ("Kuckt mal, die bösen Onkels da drüben!"), spalten die Nation. Die einen katapultierten ihr aktuelles Album "Ein böses Märchen" im Frühjahr dieses Jahres bis auf Platz 1 der deutschen CD-Charts (geschätzte 400.000 Exemplare werden davon verkauft, und das trotz des Boykotts von zahlreichen Radiostationen und Plattenläden), die anderen meiden das hessische Quartett wie der Teufel das Weihwasser, glauben nicht an den Wandel, den die Vier durchgemacht haben. Oder anders gesagt: Sie glauben es ihnen vielleicht, aber sie haben ihnen ihre Vergangenheit nicht verziehen.

Underground-Stars durch rechte Parolen und Gewaltverherrlichung


Sie begannen als "Böhse Onkäls" und taten genau das, was man tun muss, um aus der Rolle zu fallen. Sie färbten sich die Haare bunt, hörten die Sex Pistols, prügelten sich durch die Gegend, trugen zerfetzte Klamotten und waren Punks. Sie wollten provozieren, skandierten "Türken raus", "Bullenschwein, ich hasse dich" und "Deutschland den Deutschen", wehrten sich damit gegen ausländische Jugendgangs, weil's von denen ständig was auf die Glocke gab. Ihre erste richtige Platte "Der nette Mann" wurde 1984 wegen pornographischer und nationalsozialistischer Inhalte von der Bundesstelle für jugendgefährdende Schriften verboten. "Früher haben wir viel Scheiße erzählt", beichten sie heute der BILD-Zeitung, "und dazu stehen wir, denn wir waren jung und unerfahren. Wer behauptet, mit 18 Jahren vernünftige Texte schreiben zu können, hat keine Ahnung". Auf dem Plattencover vom "netten Mann" ist eine teilweise verstümmelte und verschmierte Kinder-Spielpuppe zu sehen, und im Song zur Fußball-EM "Frankreich '84" heißt es: "Ja, wir sehen uns in jedem Fall, im Sommer 84 beim Frankreich-Überfall, lasst uns unsere Fahne hissen, unseren Gegnern vor die Füße pissen, zeigt ihnen, wer wir sind, Fußball-Europameister, es gibt nur einen, Deutschland heißt er, Deutschland, Deutschland ist die Macht." Bei rechten Skins und Hooligans gröhlten sie sich damit zur Kultband. Dazu die Bundesstelle für jugendgefährdende Schriften: "Ein Lied, das sich offen gegen die Völkerverständigung ausspricht und - mehr noch - dazu auffordert, einen als minderwertig beschriebenen Volksstamm zu beleidigen, führt zu einer sozialethischen Verwirrung." Weiter geht's in diesem Sinn im Lied "Fußball und Gewalt" ("zerschlagt den anderen das dumme Gesicht, Fußball und Gewalt, blutige Schlachten im Wald"). Im Titel-Track "Der nette Mann" geht's um die Zerstückelung von kleinen Kindern, um Gier nach Qual und Todesschrei. "Komm mein Kleines, du sollst heut mein Opfer sein. Ich freu mich schon auf dein entsetztes Gesicht und die Angst in deinem Teint." Und so weiter, und so fort - fast jeder Song wird auf den Index gesetzt, fast jeder hat's auch verdient. Eingefleischte Onkelz-Fans lesen so was gar nicht gern. Es gibt nahezu hundert Fan-Websites, doch nur eine Handvoll setzt sich mit der düsteren Vergangenheit der Band auseinander. Fans und auch die Band führen einen einsamen Kampf gegen die böse Presse, die, das gilt es allerdings auch festzuhalten, immer wieder in die gleiche Kerbe haut nach dem Motto "einmal böse, immer böse". Gleichwohl muss man festhalten, dass sich die Gruppe trotz massiver Anwerbeversuche seitens der Frankfurter Dependance der Aktionsfront Nationaler Sozialisten nicht vor den Karren neonazistischer Gruppen spannen ließen, sie bezeichne(te)n sich schlichtweg als "stolze Deutsche", und das vorherrschende Thema in ihren Songs war Gewalt in allen möglichen Variationen. "Wir waren niemals politisch motiviert, überhaupt nicht".

Ein fader Nachgeschmack bleibt, trotz Läuterung


Zeit für eine AnzeigeMitte der Achtziger folgte der langsame Wandel, die Onkelz lösten sich von der Skinhead-Szene und distanzierten sich von jenen Liedern, die rechtsradikale oder fremdenfeindliche Äußerungen enthielten. "Als wir erstmals bewusst mitbekamen, wohin der Zug plötzlich fuhr, auf dem wir als Kultband der Skins mit drauf saßen, haben wir damit begonnen, gegen unsere eigenen Leute zu schreiben, um sie irgendwie zu bremsen". Aus "Deutschland den Deutschen" wurde "Oi, Oi, Oi", aus "Skinhead ist Zusammenhalt gegen euch und eure Kanackenwelt" ein "Punks und Skins ist Zusammenhalt gegen euch und eure Staatsgewalt" und "Türken raus" war ab sofort passé. Warum sie sich plötzlich geläutert geben, ist nicht genau bekannt, die Rede ist lediglich von persönlichen Reifeprozessen im Allgemeinen. Der Erfolg ließ nach und kam erst Anfang der Neunziger wieder zurück, als das Quartett einen Vertrag beim Label Bellaphon unterschrieb. 1992 ist man entsetzt über die Anschläge in Rostock und Mölln, doch obwohl man bei "Rock gegen Rechts" mit von der Partie ist, wurden und werden die Musiker oft als Lügner dargestellt, die nur auf die Knete aus sind und sich nie ernsthaft von ihrer Vergangenheit distanzierten. Für die Fans waren und sind sie genau aus diesem Grund die Könige: Vier Jungs, die großen Mist gebaut hatten, jedoch zu ihren Fehlern standen und sich weigerten, gegenüber der verhassten Gesellschaft die gewünschte Abbitte zu leisten. Dies freilich wäre ohnehin nur durch die Auflösung der Band möglich gewesen.

 

In einem sehr gut geschriebenen Artikel der Süddeutschen Zeitung bringt Autor Jörg Schallenberg die ganze Zerrissenheit um die Böhsen Onkelz auf den Punkt: "Stimmungsmache ersetzt keine Recherche und beantwortet auch nicht die Frage, wie die Böhsen Onkelz nun aus ihrer Vergangenheit Kapital schlagen. Wieso sollte jemand, der auf rechte Parolen steht, CDs kaufen, auf denen Neonazis als "braune Scheiße" beschimpft werden oder Konzerte besuchen, wo eine Sicherheitstruppe jeden rauswirft, der sich als Rechter zu erkennen gibt? Ob die Böhsen Onkelz die Underdogs sind, für die sie sich ausgeben, mag man bezweifeln. Die Musik zum so genannten nationalen Widerstand spielt jedenfalls längst anderswo." - Was trotzdem bleibt, ist ein sehr fader Nachgeschmack.

 

Offizielle Website der Böhsen Onkelz

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Abschließend bat ich Rainer Braßler, den Hofmarschall der Narrwalla Ingolstadt, noch um einige Zeilen über die Narrwalla, weil im Worldwide Web darüber schlichtweg nichts zu finden ist (die Seite befindet sich momentan im Aufbau). Seine Antwort fiel etwas länger aus, weil er einiges ins rechte Licht rücken wollte. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir vom IN-ticker und sicherlich auch diejenigen, die die Tatsache, dass Faschingsprinzessin Nicole I. eine Passage aus einem Songtext der Böhsen Onkelz in ihrer Ansprache zitierte, die Narrwalla nicht auch nur im Entferntesten in die Nähe rechter Gesinnung rücken wollten. Einzig und allein die Tatsache, dass etwas unbedacht vorgegangen wurde und man selbst nach dem Erkennen dieser Unachtsamkeit stur blieb, wurde kritisiert. Eine knappe Entschuldigung von Seiten der Prinzessin, und der Spuk hätte längst ein Ende gehabt.

 

"Wir sind ein gesellschaftlicher, unpolitischer Verein"

 

Hallo Herr Ziegler, eigentlich wollte ich mich aus diesem aufgeputschten Quatsch einer Band, die ich nicht einmal kenne, heraushalten. Die Narrwalla ist ein Faschingsverein, der zwischen dem Krönungsball und dem Aschermittwoch eine Tanzshow bietet und auch selbst Bälle (der Narrwalla GmbH) ausrichtet. Unser Ziel ist es, das Publikum mit Beiträgen eines sogenannten Formationstanzes zu begeistern. Leider ist das Bild des Faschings unter den vielen Faschingsmuffeln bei bingo e.V. falsch. Man muss den Karneval vom hohen Norden und das, was wir machen, sehr stark unterscheiden. Wir sind weder politisch, noch haben wir Interesse daran, was politische Gruppen machen. Das interessiert doch keinen (zumindest von uns). Dass aus einem nichts aussagenden Vierzeiler eine Geschichte wird, die dann mit dieser rechten Szene in Verbindung kommt, konnte keiner von uns ahnen. Keiner aus der Narrwalla kannte die Herkunft dieses Textes und möchte auch damit nichts zu tun haben. Unser Ziel ist der Fasching, die Geselligkeit (nicht zu verwechseln mit Alkohol, der ist bei unseren Aktiven bis Showende untersagt) und das Vereinsleben.

 

Gegründet wurde die Narrwalla 1956. In der Nachkriegszeit war in Ingolstadt nichts geboten. Der Fasching war daher eine willkommene Abwechslung. Auch an unserem Ball an Weiberfasching und am Faschingssamstag zählt die Narrwalla jeweils knappe dreitausend Besucher (leider dürfen ins Theater nicht mehr rein). Wir haben über vierhundert Mitglieder, von denen ca. 60 aktiv sind. Die Narrwalla hat etwa 60 Auftritte in der ganzen Region, die Kindergarde zählt ungefähr 50 Tanzshows. Um Ihnen ein Bild über unseren Fasching zu geben, würde ich mich freuen, wenn wir uns auf einer Faschingsveranstaltung mal treffen könnten. Ich möchte Ihnen darüber ein Bild geben, dass unser Fasching kein wirres Treiben ist, sondern ein gesellschaftlicher (meistens Schwarz/Weiß-) Ball, bei dem eine Show geboten wird, wie sie auch unterm Jahr eine ganz normale Showtanzgruppe macht. Ein Sportverein funktioniert nicht anders wie unser Verein. Die einen spielen z. B. Fußball, wir tanzen und bieten eine Show.

 

Ich hoffe, dass Sie auch in Ihrem Bericht die Narrwalla als gesellschaftlichen, unpolitischen Verein charakterisieren. Wir haben noch nie Interesse an Texten einer Band gehabt. Dass unsere neue Prinzessin einen Trinkspruch hat, wussten wir bis dato auch nicht. Dass dieser einen Zusammenhang mit dieser Band hat, war uns allen neu und wir erfuhren es erst von INTV. Wir zitieren keinen Trinkspruch, sondern weiterhin unseren Schlachtruf HEI-JU-HU und bleiben dabei.

 

Mit narrwallesischem Gruß,
Rainer Braßler, Hofmarschall der Narrwalla IN

 

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Uwe Ziegler
[22. November 2000]

Für die Bereitstellung des Fotos von Nicole Jahn bedanken wir uns beim Magazin "Der Sprinter"

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