Ausgabe 12 : Glosse

  
 

Eva Schade

Zu Kinderzeiten kannte man sie noch, die typischen Weihnachtsgefühle: das Warten aufs Christkind, das gemeinsame Schmücken des Christbaums, die Plätzchen, deren Duft durchs ganze Haus verströmte. Nun, aus Sicht einer Mutter, sieht die Sache wesentlich unromantischer aus. Die Adventszeit ist jetzt in erster Linie mit Stress verbunden.

Advents-Idylle 2000

 

Es ist wieder soweit, der 1. Advent ist gekommen. Wunderschöne, geruhsame Vorweihnachtszeit. Seit meine Kinder groß sind, ist bei uns die Adventszeit nicht mehr so wichtig. O.k., Plätzchen essen alle gerne, und zu Nikolaus freuen sie sich auch über eine Kleinigkeit, aber am Sonntag Nachmittag zusammen zu sitzen um den Adventskranz, das ist nicht mehr in. Kerzenschein gibt es bei mir hoffnungslosen Romantikerin eigentlich das ganze Jahr über. Dafür braucht´s die Adventszeit nicht. Und von Geruhsamkeit kann auch keine Rede sein. Job, Haushalt, Mann und Kinder sowie die Katze halten mich immer auf Trab. Und jetzt auch noch die Adventszeit.

 

Samstagvormittag habe ich den Keller durchforstet. Irgendwo muss doch der Weihnachtsschmuck sein. Das wurde doch von mir immer im den gleichen Karton gepackt. Aber im Laufe des Jahres hat sich der Keller verändert: Durch den Einzug meines Mannes ist die Anzahl der Kartons darin enorm angestiegen. Und natürlich wurden die neuen Kartons vorne platziert und meine Kisten stehen irgendwo hinten. Unter Mithilfe meiner Tochter fanden wir doch endlich, was ich suchte. Aber zu meinem Leidwesen fehlten einige Teile. Also auf, den Rest nachkaufen. Hätte ich mir das am Samstag doch lieber nicht angetan. Massen von Menschen waren unterwegs. Nun fuhr ich schon absichtlich nicht in die Stadt, aber ich denke, das war ganz egal. Seit September bieten die Geschäfte schon alle möglichen weihnachtlichen Dinge (von Schokolade über Lebkuchen bis Weihnachtsschmuck) an. Aber ich bin halt, wie immer, ein wenig spät dran. Offensichtlich jedoch nicht nur ich. Wir hatten schnell gefunden, was wir noch brauchten und näherten uns der Schlange an den Kassen. Eine geschlagene halbe Stunde mussten wir warten, bis ich endlich zahlen konnte. Nun konnte es daheim richtig losgehen mit der weihnachtlichen Ausschmückung. Erst einmal mussten die Teile alle abgeputzt werden, denn obwohl sie gut verpackt im Keller lagerten, hatten sie doch Staub angesetzt. Nun den richtigen Platz finden. Wo stellen wir dieses Jahr die Pyramide auf, wo kommen die anderen Teile hin? Nachdem wir dies alles besprochen hatten, war es schon Nachmittag. Und ehe ich mich versah, stand ich mit der Arbeit alleine da. Jugendliche Erwachsene haben einfach besseres zu tun, als mit der Mutter ein Adventsgefühl aufzubauen. Nebenbei lief ich immer mal wieder in den Keller, denn die Wäsche wollte auch gemacht werden. Wo soll ich denn da eine vorweihnachtliche Freude herbekommen?

 

Sonntagabend genossen mein Mann und ich den Kerzenschein, der durch die Pyramide Muster an die Decke zauberte. Dazu einige selbst gebackene Plätzchen. Aber das war es dann auch schon. Montagfrüh geht der ganz normale Alltag wieder los und die Kerzen werden bis nächstes Wochenende warten, um wieder entzündet zu werden. Ich habe mir geschworen, Weihnachten fällt bei uns heuer aus. Es gibt keinen Weihnachtsbaum, denn der würde unsere Katze nur zu sportlichen Leistungen animieren und beide Kinder haben mir bereits eröffnet, dass sie Weihnachten diesmal ausser Haus feiern wollen mit Freunden. Und für meinen Mann und mich brauche ich da nichts Besonderes vorzubereiten. An Geschenken gibt's nur Kleinigkeiten, denn wenn einer von uns etwas braucht oder gerne haben möchte, erledigen wir das auch unterm Jahr. Weihnachtsfeiern werde ich dieses Jahr auch keine besuchen. So spare ich mir viel Stress. Lieber liege ich gemütlich auf dem Sofa oder unternehme mit meinem Mann etwas, was uns beiden Spass macht und keine "Verpflichtung" darstellt.

 

Durch den Kommerz (siehe Donau Kurier, der diese Tage immer dreimal so dick ist als sonst vor lauter Werbung) wird mir die vorweihnachtliche Stimmung total vermiest. Und das Wetter trägt auch noch einiges dazu bei. Es könnte Frühling oder Herbst sein, bei dem Nebel. Nun, vielleicht ändert sich meine Stimmung doch noch und vielleicht gibt's dann doch noch einen Weihnachtsbaum - aber nur einen kleinen, der nicht so viel Arbeit macht.

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