Zu Kinderzeiten kannte man sie noch, die typischen Weihnachtsgefühle:
das Warten aufs Christkind, das gemeinsame Schmücken des Christbaums,
die Plätzchen, deren Duft durchs ganze Haus verströmte.
Nun, aus Sicht einer Mutter, sieht die Sache wesentlich unromantischer
aus. Die Adventszeit ist jetzt in erster Linie mit Stress verbunden.
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Advents-Idylle 2000
Es ist wieder soweit, der 1. Advent ist gekommen. Wunderschöne,
geruhsame Vorweihnachtszeit. Seit meine Kinder groß sind, ist
bei uns die Adventszeit nicht mehr so wichtig. O.k., Plätzchen essen
alle gerne, und zu Nikolaus freuen sie sich auch über eine Kleinigkeit,
aber am Sonntag Nachmittag zusammen zu sitzen um den Adventskranz,
das ist nicht mehr in. Kerzenschein gibt es bei mir hoffnungslosen
Romantikerin eigentlich das ganze Jahr über. Dafür braucht´s die Adventszeit
nicht. Und von Geruhsamkeit kann auch keine Rede sein. Job, Haushalt,
Mann und Kinder sowie die Katze halten mich immer auf Trab. Und jetzt
auch noch die Adventszeit.
Samstagvormittag habe ich den Keller durchforstet. Irgendwo muss
doch der Weihnachtsschmuck sein. Das wurde doch von mir immer im den
gleichen Karton gepackt. Aber im Laufe des Jahres hat sich der Keller
verändert: Durch den Einzug meines Mannes ist die Anzahl der Kartons
darin enorm angestiegen. Und natürlich wurden die neuen Kartons vorne
platziert und meine Kisten stehen irgendwo hinten. Unter Mithilfe
meiner Tochter fanden wir doch endlich, was ich suchte. Aber zu meinem
Leidwesen fehlten einige Teile. Also auf, den Rest nachkaufen. Hätte
ich mir das am Samstag doch lieber nicht angetan. Massen von Menschen
waren unterwegs. Nun fuhr ich schon absichtlich nicht in die Stadt,
aber ich denke, das war ganz egal. Seit September bieten die Geschäfte
schon alle möglichen weihnachtlichen Dinge (von Schokolade über Lebkuchen
bis Weihnachtsschmuck) an. Aber ich bin halt, wie immer, ein wenig
spät dran. Offensichtlich jedoch nicht nur ich. Wir hatten schnell
gefunden, was wir noch brauchten und näherten uns der Schlange an
den Kassen. Eine geschlagene halbe Stunde mussten wir warten, bis
ich endlich zahlen konnte. Nun konnte es daheim richtig losgehen mit
der weihnachtlichen Ausschmückung. Erst einmal mussten die Teile alle
abgeputzt werden, denn obwohl sie gut verpackt im Keller lagerten,
hatten sie doch Staub angesetzt. Nun den richtigen Platz finden. Wo
stellen wir dieses Jahr die Pyramide auf, wo kommen die anderen Teile
hin? Nachdem wir dies alles besprochen hatten, war es schon Nachmittag.
Und ehe ich mich versah, stand ich mit der Arbeit alleine da. Jugendliche
Erwachsene haben einfach besseres zu tun, als mit der Mutter ein Adventsgefühl
aufzubauen. Nebenbei lief ich immer mal wieder in den Keller, denn
die Wäsche wollte auch gemacht werden. Wo soll ich denn da eine vorweihnachtliche
Freude herbekommen?
Sonntagabend genossen mein Mann und ich den Kerzenschein, der durch
die Pyramide Muster an die Decke zauberte. Dazu einige selbst gebackene
Plätzchen. Aber das war es dann auch schon. Montagfrüh geht der ganz
normale Alltag wieder los und die Kerzen werden bis nächstes Wochenende
warten, um wieder entzündet zu werden. Ich habe mir geschworen, Weihnachten
fällt bei uns heuer aus. Es gibt keinen Weihnachtsbaum, denn der würde
unsere Katze nur zu sportlichen Leistungen animieren und beide Kinder
haben mir bereits eröffnet, dass sie Weihnachten diesmal ausser Haus
feiern wollen mit Freunden. Und für meinen Mann und mich brauche ich
da nichts Besonderes vorzubereiten. An Geschenken gibt's nur Kleinigkeiten,
denn wenn einer von uns etwas braucht oder gerne haben möchte, erledigen
wir das auch unterm Jahr. Weihnachtsfeiern werde ich dieses Jahr auch
keine besuchen. So spare ich mir viel Stress. Lieber liege ich gemütlich
auf dem Sofa oder unternehme mit meinem Mann etwas, was uns beiden
Spass macht und keine "Verpflichtung" darstellt.
Durch den Kommerz (siehe Donau Kurier, der diese Tage immer dreimal
so dick ist als sonst vor lauter Werbung) wird mir die vorweihnachtliche
Stimmung total vermiest. Und das Wetter trägt auch noch einiges dazu
bei. Es könnte Frühling oder Herbst sein, bei dem Nebel. Nun, vielleicht
ändert sich meine Stimmung doch noch und vielleicht gibt's dann doch
noch einen Weihnachtsbaum - aber nur einen kleinen, der nicht so viel
Arbeit macht.
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