Xmas-Tipps
Immer noch keine Geschenke für Weihnachten? IN-ticker
hilft: Wir stellen in dieser Woche noch einmal ein
paar Platten vor, die Ihnen das sichere Gefühl geben, das Bestmögliche
getan zu haben. Wer da noch motzt, hat Geschenke nicht verdient.
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Tom Waits
"Asylum Years"
 Meistens sind Best-Of-CDs ein müder Kompromiss zwischen Künstler
und Kommerz. Meistens. Tom Waits hat sich offenbar mit "Asylum
Years", einer Zusammenstellung seiner Stücke aus den Jahren 1973
bis 1980, nicht über den Tisch des Asylum-Labels ziehen lassen.
Vielleicht gibt es aber unter seinen Stücken keine, die sich wirklich
kommerziell ausschlachten ließen, vielleicht ist es aber auch Waits
selbst, der sich nicht zugunsten einer Plattenfirma verbiegen will.
Egal. Jedenfalls ist diese CD eine unambitionierte, ruhige Kollektion
typischer Waits-Songs, rangierend zwischen den bar-jazzigen Stücken
aus den frühen Siebzigern wie dem bassigen "Diamonds on my
Windshild" und den Klang-Performances, die ihn bis heute
auszeichnen. Besonders prominent sind die wunderschönen, tiefsinnigen
Balladen vertreten, die überhaupt das Markenzeichen von Waits sind.
Natürlich dürfen Klassiker wie "Grapeful Moon" und
"Tom Traubert's Blues" (das Rod Steward als "Waltzing
Mathilda" verhunzt hatte) nicht fehlen, aber sie fügen sich
reibungslos, unauffällig in den Gesamtablauf.
Tom Waits ist der Musiker, der mich immer wieder davon überzeugt,
dass man Musik wirklich leben kann, egal was kommt. Er ist ein
Original, ein Kotzbrocken, ein herausragender Songwriter,
unverwechselbarer Sänger, gefühlvoller Pianist, schräger Arrangeur.
Seine Songs klingen nach verrauchten Bars und viel Whiskey,
nach Broadway, 52nd Street und Madison Square Garden gleichzeitig. Wer
melancholische Songs aus der Seele der USA zu schätzen weiß, wird an
dieser zeitlos schönen CD des Multitalents sicher Gefallen finden.
Joshua Redman
"Freedom In The Groove"
 Joshua Redman ist einer der besten (lebenden!) Saxophonisten,
Besucher der letztjährigen Ingolstädter Jazztage werden sich an ihn erinnern
können. "Freedom in the Groove" ist weder sein erstes noch
sein aktuelles Werk, aber ich halte es für sein bestes. War schon
zuvor klar, welches Talent in ihm schlummert, hat er auf dieser
Scheibe aus dem Jahr 1996 zu seinem ureigenen Stil gefunden, der sich in
erster Linie durch radikale Ablehnung musikalischer Konventionen
auszeichnet. Er sagt selbst: "Ich wuchs in einem Zuhause auf, in
dem Coltrane genauso gehört wurde wie die Beatles".
Genau das setzt er auf der CD um: Die Stücke sind nicht eben, sondern
schiefwinklig, erscheinen immer wieder aus einem neuen Blickwinkel, je
nach eigener Stimmung und Konzentration. Kein Tune ist wirklich
straight, nicht einmal das funkige "Can't Dance". Kein Stil
wird über eine anderen erhoben, viele Einflüsse stehen
gleichberechtigt nebeneinander, sehr freie Melodie-Elemente passen zu
den soliden Piano-Akkorden, ruhige Passagen wechseln sich mit
ekstatischen Ausbrüchen ab. So zersplittert das jetzt klingen mag, so
schlüssig wirkt jedes Tune, denn diese Band interagiert auf
allerhöchstem Niveau. So kommen in 69 Minuten brutal groovende Tunes
wie der Opener "Hide And Seek" genauso vor wie traumhaft
schöne Balladen, beispielsweise "When The Sun Comes Down".
Unverwechselbar ist einzig Redmans Saxophon, mal im ultratighten
Verbund mit dem Gitarristen Peter Bernstein (wie auf dem Knaller
"Home Fries"), mal solo.
Diese CD ist free, hat Groove - und einen grandiosen Saxophonisten.
Midnight
Choir
"Amsterdam Stranded"
 Welche Größe,
welche Einsamkeit, welche Melancholie! Wer hätte geahnt, welch
wunderbare Musik aus Norwegen kommen kann. Dieses Album hat das alte
Europa kalt erwischt, denn schöner hat Melancholie selten geklungen.
Die vier Musiker lassen sich für die Ausbreitung ihrer Stücke so
viel Zeit, dass es manchmal schon wieder weh tut. Songs, die einfach
so dahin fließen, manchmal ihrem Höhepunkt entgegen - manchmal aber
auch nicht. Ein Album, das so schön ist, kann man schlecht
beschreiben, ohne nach den richtigen Worten zu suchen. Die Gefahr,
keine zu finden, ist hier recht groß.
[19. Dezember 2000]
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