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  Ausgabe 14 : CD-Weihnachtstipps

  
 

Xmas-Tipps

Immer noch keine Geschenke für Weihnachten? IN-ticker hilft: Wir stellen in dieser Woche noch einmal ein paar Platten vor, die Ihnen das sichere Gefühl geben, das Bestmögliche getan zu haben. Wer da noch motzt, hat Geschenke nicht verdient.

Tom Waits
"Asylum Years"

Waits-CoverMeistens sind Best-Of-CDs ein müder Kompromiss zwischen Künstler und Kommerz. Meistens. Tom Waits hat sich offenbar mit "Asylum Years", einer Zusammenstellung seiner Stücke aus den Jahren 1973 bis 1980, nicht über den Tisch des Asylum-Labels ziehen lassen. Vielleicht gibt es aber unter seinen Stücken keine, die sich wirklich kommerziell ausschlachten ließen, vielleicht ist es aber auch Waits selbst, der sich nicht zugunsten einer Plattenfirma verbiegen will. Egal. Jedenfalls ist diese CD eine unambitionierte, ruhige Kollektion typischer Waits-Songs, rangierend zwischen den bar-jazzigen Stücken aus den frühen Siebzigern wie dem bassigen "Diamonds on my Windshild" und den Klang-Performances, die ihn bis heute auszeichnen. Besonders prominent sind die wunderschönen, tiefsinnigen Balladen vertreten, die überhaupt das Markenzeichen von Waits sind. Natürlich dürfen Klassiker wie "Grapeful Moon" und "Tom Traubert's Blues" (das Rod Steward als "Waltzing Mathilda" verhunzt hatte) nicht fehlen, aber sie fügen sich reibungslos, unauffällig in den Gesamtablauf. Tom Waits ist der Musiker, der mich immer wieder davon überzeugt, dass man Musik wirklich leben kann, egal was kommt. Er ist ein Original, ein Kotzbrocken, ein herausragender Songwriter, unverwechselbarer Sänger, gefühlvoller Pianist, schräger Arrangeur. Seine Songs klingen nach verrauchten Bars und viel Whiskey, nach Broadway, 52nd Street und Madison Square Garden gleichzeitig. Wer melancholische Songs aus der Seele der USA zu schätzen weiß, wird an dieser zeitlos schönen CD des Multitalents sicher Gefallen finden.

Peter Melchior
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Joshua Redman
"Freedom In The Groove"

 

Redman-CoverJoshua Redman ist einer der besten (lebenden!) Saxophonisten, Besucher der letztjährigen Ingolstädter Jazztage werden sich an ihn erinnern können. "Freedom in the Groove" ist weder sein erstes noch sein aktuelles Werk, aber ich halte es für sein bestes. War schon zuvor klar, welches Talent in ihm schlummert, hat er auf dieser Scheibe aus dem Jahr 1996 zu seinem ureigenen Stil gefunden, der sich in erster Linie durch radikale Ablehnung musikalischer Konventionen auszeichnet. Er sagt selbst: "Ich wuchs in einem Zuhause auf, in dem Coltrane genauso gehört wurde wie die Beatles". Genau das setzt er auf der CD um: Die Stücke sind nicht eben, sondern schiefwinklig, erscheinen immer wieder aus einem neuen Blickwinkel, je nach eigener Stimmung und Konzentration. Kein Tune ist wirklich straight, nicht einmal das funkige "Can't Dance". Kein Stil wird über eine anderen erhoben, viele Einflüsse stehen gleichberechtigt nebeneinander, sehr freie Melodie-Elemente passen zu den soliden Piano-Akkorden, ruhige Passagen wechseln sich mit ekstatischen Ausbrüchen ab. So zersplittert das jetzt klingen mag, so schlüssig wirkt jedes Tune, denn diese Band interagiert auf allerhöchstem Niveau. So kommen in 69 Minuten brutal groovende Tunes wie der Opener "Hide And Seek" genauso vor wie traumhaft schöne Balladen, beispielsweise "When The Sun Comes Down". Unverwechselbar ist einzig Redmans Saxophon, mal im ultratighten Verbund mit dem Gitarristen Peter Bernstein (wie auf dem Knaller "Home Fries"), mal solo. Diese CD ist free, hat Groove - und einen grandiosen Saxophonisten.

Peter Melchior
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Midnight Choir
"Amsterdam Stranded"

 

Cover Midnight ChoirWelche Größe, welche Einsamkeit, welche Melancholie! Wer hätte geahnt, welch wunderbare Musik aus Norwegen kommen kann. Dieses Album hat das alte Europa kalt erwischt, denn schöner hat Melancholie selten geklungen. Die vier Musiker lassen sich für die Ausbreitung ihrer Stücke so viel Zeit, dass es manchmal schon wieder weh tut. Songs, die einfach so dahin fließen, manchmal ihrem Höhepunkt entgegen - manchmal aber auch nicht. Ein Album, das so schön ist, kann man schlecht beschreiben, ohne nach den richtigen Worten zu suchen. Die Gefahr, keine zu finden, ist hier recht groß.

 

Thomas Uhle
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[19. Dezember 2000]

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