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  Ausgabe 13/14 : Nachberichte

  
 
 
   
   
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Weltschmerz mit Strickmütze

Michael Almereyda verfilmt "Hamlet" mit Ethan Hawke in der Hauptrolle

 

(c) Arthaus FilmverleihAus Dänemark wird die Denmark Corporation, die Geschichte spielt in New York City, natürlich im Jahr 2000. Hamlet hat weniger Ähnlichkeit mit einem Prinz als je zuvor, dafür trägt er eine Strickmütze im Slacker-Look und ist natürlich auch kein Prinz, sondern der Sohn des soeben verstorbenen Konzernchefs.

Der Zuschauer wird sofort hinein gestossen in die hektische Betriebsamkeit der Großstadt, mit ihren verstopften Straßen und dem Mediengewimmel. Der König ist tot, sein geschäftstüchtiger Bruder Claudius (Kyle McLachlan) übernimmt die Firma. Und nicht nur das, sondern er übernimmt auch gleich die fesche Witwe Gertrude (Diane Venora). Schon der erste Auftritt Hamlets (mit viel Weltschmerz angelegt gespielt von Ethan Hawke) gibt die Richtung des Films vor: Die schon erwähnte Strickmütze, orange Brille und behängt mit diversen Video- und Digitalkameras besucht er die Pressekonferenz, auf der Claudius sich als neuer Boss in Szene setzt, und bei er natürlich auch seine Liebe Ophelia (Julia Stiles) trifft. So beginnt Michael Almereydas Verfilmung von Shakespeares "Hamlet".

Es ist eine schnelle, manchmal hektische Umsetzung des Stoffes. Überall hantieren Darsteller mit Kameras, filmen das Geschehen oder empfangen Faxe. Wollte Almereyda damit einfach die Weltstadt hervor heben, oder auch einfach nur einen Kontrapunkt zu den Reimen Shakespeares setzen? Die Masche funktioniert nicht immer, aber in einigen Szenen dafür ganz hervorragend. Zum Beispiel wenn Hamlet seinen berühmten "Sein oder Nichtsein"-Monolog am Video-Schneidetisch bearbeitet, mit der Pistole am Kopf und die Szene immer wieder vor und zurück laufen lässt.

(c) Arthaus FilmverleihNachdem ihm der Geist seines Vaters (Sam Shepard) erschienen ist, möchte er unbedingt dessen Ermordung aufklären. Gelang das beim alten Dichter noch durch eine listige Theateraufführung, konnte in dieser (übrigens der 44.!) Neuverfilmung natürlich nur durch einen Kurzfilm des Filmstudenten Hamlet die Wahrheit ans Licht kommen. Almereyda hat den Originaltext um einiges kürzen müssen, was dem Stück (in diesem Fall dem Film) einiges von seiner Schlüssigkeit nimmt. Eindrucksvoll bleiben indes die Darsteller, unter ihnen auch Bill Murray in der Rolle des buckelnden, bis in den Tod loyalen Polonius oder Karl Geary als Hamlets Freund Horatio.

Der Film wird wie schon Luhrmans "Romeo und Julia"-Verfilmung die Frage auffwerfen, ob es legitim ist, Shakespeare-Stücke um ihrer Kinotauglichkeit willen zu kürzen und ein junges, auf jeden Fall anderes Publikum mit einer hippen Inszenierung in die Filmtheater zu locken. Almereyda kann das egal sein, denn er hat mit seinem "Hamlet" der Geschichte eine neue, manchmal zu ambitionierte Variante hinzu gefügt.

"Hamlet", USA 2000. Regie und Drehbuch: Michael Almereyda, Darsteller: Ethan Hawke, Diane Venora, Kyle McLachlan, Julia Stiles, Bill Murray, Sam Shepard, Liev Schreiber, Karl Geary und andere, Länge: 111 Minuten

 

Thomas Uhle

(11. Dezember 2000)

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