Glaubt man führenden Musikzeitschriften, dann ist dies eine der
besten Platten des gerade zu Ende gegangenen Jahres. Hört man selbst
rein, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus.
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Radiohead
"Kid A" (EMI)
Selten, dass sich die Schreiber der Musikzeitschriften so einig sind.
"Kid A" von Radiohead zählt zu den Kritikerlieblingen des Jahres
2000. In die Top 5 haben sie es eigentlich überall geschafft, da sind sich
"Rolling Stone", "Mojo", "Musikexpress" und wie
sie alle heißen, ausnahmsweise einig.
Einen dicken Pluspunkt gibt's vorneweg, weil Radiohead nach dem kommerziell
so erfolgreichen "O.K. Computer" einfach ein verdammt mutiges Album
aufgenommen haben und die Musiker selbst am meisten überrascht sind vom Erfolg
ihres jüngsten Werkes. Wäre "Kid A" komplett durchgefallen, hätte
es auch keinen von ihnen gestört. Sie können es sich erlauben, außer ihnen
vielleicht noch U2, ihre Fans von Album zu Album so hin- und herzubeuteln. Auf
dem Longplayer befinden sich hypnotische Songs wie "Everything In Its Right
Place" und "Treefingers", aber auch furchtbare Nervlinge wie
"The National Anthem". Bei solchen Liedern im Walkman bleibt
Suizidgefährdeten nicht viel anderes übrig als der finale Sprung von der
Brücke.
Auch ich bin hin- und hergerissen von "Kid A". Neugierig geworden
durch diverse Kritiken habe ich mir die Scheibe blind gekauft, ohne reinzuhören
also. Nicht unbedingt ein Album zum Zurücklehnen und Versinken, keine Musik
für den Hintergrund, überhaupt: keine Musik, die sich in irgendeine Richtung,
in irgendein Schema pressen lässt. Und genau das ist es wohl, was "Kid
A" ausmacht. Wer was auf sich hält, findet sie cool, noch cooler ist aber
wahrscheinlich, wer "Kid A" total daneben findet. Wenn er's denn
begründen kann...
Wer sich nun überhaupt nicht mehr auskennt, dem sei ein Blick auf die Website
mit den Besprechungen der Amazon-User empfohlen. Da gibt's sowohl den
gnadenlosen Verriss ("Schande für die britische Popmusik") als auch
schwelgerische Lobeshymnen ("Hypnotisches Meisterwerk"). Am besten
trifft's wohl diese Bemerkung, die ebenso simpel wie treffend ist: "Schon
echt gut, aber schon schwierig". Schon irgendwie ziemlich abgefahren,
dieses Teil. Für 30 Mark hätte ich auch eine leckere Pekingente bekommen.
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