Ausgabe 15 : CD-Kritik

  
 
Cover Radiohead - Kid A

Glaubt man führenden Musikzeitschriften, dann ist dies eine der besten Platten des gerade zu Ende gegangenen Jahres. Hört man selbst rein, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus.

Radiohead
"Kid A" (EMI)

 

Selten, dass sich die Schreiber der Musikzeitschriften so einig sind. "Kid A" von Radiohead zählt zu den Kritikerlieblingen des Jahres 2000. In die Top 5 haben sie es eigentlich überall geschafft, da sind sich "Rolling Stone", "Mojo", "Musikexpress" und wie sie alle heißen, ausnahmsweise einig. 

 

Einen dicken Pluspunkt gibt's vorneweg, weil Radiohead nach dem kommerziell so erfolgreichen "O.K. Computer" einfach ein verdammt mutiges Album aufgenommen haben und die Musiker selbst am meisten überrascht sind vom Erfolg ihres jüngsten Werkes. Wäre "Kid A" komplett durchgefallen, hätte es auch keinen von ihnen gestört. Sie können es sich erlauben, außer ihnen vielleicht noch U2, ihre Fans von Album zu Album so hin- und herzubeuteln. Auf dem Longplayer befinden sich hypnotische Songs wie "Everything In Its Right Place" und "Treefingers", aber auch furchtbare Nervlinge wie "The National Anthem". Bei solchen Liedern im Walkman bleibt Suizidgefährdeten nicht viel anderes übrig als der finale Sprung von der Brücke.

 

Auch ich bin hin- und hergerissen von "Kid A". Neugierig geworden durch diverse Kritiken habe ich mir die Scheibe blind gekauft, ohne reinzuhören also. Nicht unbedingt ein Album zum Zurücklehnen und Versinken, keine Musik für den Hintergrund, überhaupt: keine Musik, die sich in irgendeine Richtung, in irgendein Schema pressen lässt. Und genau das ist es wohl, was "Kid A" ausmacht. Wer was auf sich hält, findet sie cool, noch cooler ist aber wahrscheinlich, wer "Kid A" total daneben findet. Wenn er's denn begründen kann...

 

Wer sich nun überhaupt nicht mehr auskennt, dem sei ein Blick auf die Website mit den Besprechungen der Amazon-User empfohlen. Da gibt's sowohl den gnadenlosen Verriss ("Schande für die britische Popmusik") als auch schwelgerische Lobeshymnen ("Hypnotisches Meisterwerk"). Am besten trifft's wohl diese Bemerkung, die ebenso simpel wie treffend ist: "Schon echt gut, aber schon schwierig". Schon irgendwie ziemlich abgefahren, dieses Teil. Für 30 Mark hätte ich auch eine leckere Pekingente bekommen.



Uwe Ziegler
(01.01.2001)

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