Pius lebt und wirkt in München. Dort sieht er manchmal auch zuviel
fern.
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Die unerträgliche Leichtigkeit des Werbens
Da sitz ich neulich nichts ahnend vor dem Fernseher und
brotzeite vor mich hin, bereite gerade ein supergesundes Kurti-Semmerl
zu, als plötzlich und unerwartet ein Wesen, namens Werbung in die Apfelschorle
hupft.
Nein, danach hat man keine Lust mehr auch nur irgendwas jemals wieder zu
essen. Hat man solche Körper schon mal gesehen? Ja, spinnt der Mann! Bin ich
mit meiner Gestalt, die eher einer buckligen Laune der Natur entspricht,
überhaupt berechtigt, mich diesem heiligen Sakralduft hinzugeben, der mir von
aus Fleisch gewordenen gemeißelten Marmorkörpern gnädigerweise kredenzt
wird?
Aber damit nicht genug, man erlebt ein Kind, das einem ein komplettes Erdkunde-
und Philosphiesemester anhand einer Kaffeepackung näher bringt. Sofort stürze
ich in die Küche und muss verzweifelt feststellen, dass ich mein
"Lehrbuch" von Tschibo schon entsorgt habe. Geknickt kehre ich auf das
Schlachtfeld zurück und muss miterleben, wie sich junge, dynamische, hübsche
und supertophypergestylte Außerirdische gegenseitig Küsschen in den Mund
gleiten lassen, eine Chipsparty feiern, dass die Münchner Wies´n und der
Kölner Karneval daneben wie die Jahreshauptversammlung der Kaninchenfreunde
Pirmasens aussehen, und sich dann anhand eines Butterersatzes ein erotisches
Stelldichein in Gottes freier Natur geben. Marmelade wird wie Gleitcreme
feilgeboten, und nachdem ich gesehen habe, wie "uns Claudia" in ein
Auto einsteigt und zwei Sekunden später gegen eine Mauer fährt, will ich nicht
mehr, dass meine Freundin auch nur noch irgendwo in die Nähe meines Airbags
hustet. Was genau ist da die Zielgruppe? Autos für suizidgefährdete
Millionärsmodels?
Mit letzter Kraft lasse ich mich auf die Fernbedienung
fallen und genieße mich und mein Leben in einer noch nie erahnten Stille auf
meinem Teppich von IKEA.
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