Der Prototyp des Schwiegervaters
Robert De Niro überzeugt einmal mehr als Komödiant
im zum Schreien komischen "Meine Braut, ihr Vater und ich"
 Dass
Robert De Niro der größte lebende Schauspieler unter hundert Kilo
(wenn er sich nicht gerade wieder für bestimmte Rollen was
drauffuttert) und der zweitbeste "Pate"-Darsteller aller
Zeiten ist, muss an dieser Stelle nicht extra erwähnt
werden. Dass er auch im Komödien-Genre ein Riese ist, erstaunt dagegen
selbst hartgesottene Kinofans. De Niro, das war stets ein Synonym für
Gangster, Schurken, Mafiosi (erinnert sei an "Angel Heart",
"Der Pate II", "Good Fellas", "Casino",
"Jackie Brown"), gelegentliche Abstecher ins komische Genre
("The King of Comedy", "Reine Nervensache") muteten
dagegen eher befremdend an. Spätestens seit "Meine Braut, ihr
Vater und ich" ist dem nicht mehr so. Mit dem Unterschied, dass
Bobby De Niro keine Fratzen schneiden und merkwürdige Töne von sich
geben muss, um dem Zuschauer Tränen in die Augen zu treiben. Ganz im
Gegenteil: Gerade seine sparsamen Gestiken sind es, die ihn zum Schreien
komisch machen.
Natürlich ist "Meine Braut..." mehr als nur De Niro. Aber der
56-Jährige mit der Vito Corleone-Vergangenheit drückt dem Film derart
seinen Stempel auf, dass Ben Stiller - sicherlich kein Schlechter seines
Fachs - neben ihm einfach wie ein Schulbub aussehen muss. Der nämlich
bittet um die Hand der Tochter des merkwürdigen Jack Byrnes (De Niro)
und hat damit eine denkbar undankbar Rolle. Mr. Byrnes nämlich, seines
Zeichens noch immer für die CIA aktiv und mit messerscharfem Verstand
und siebtem Sinn ausgerüstet, nimmt den Schwiegersohn in spe äußerst
akkurat unter die Lupe. Und Greg Focker (Stiller) möchte es seinem
künftigen Schwiegervater so recht wie nur möglich machen, tappt dabei
aber in jeden Fettnapf, der im Wege steht; Tischgebet, Byrnes
Katzenliebe, ein eigentlich harmloses Volleyballspiel im Swimmingpool,
der Oldie "Puff, the Magic Dragon" und vieles mehr erweisen
sich als schier unüberwindbare Hürden auf dem Weg zum Happy End.
Ganz
kurz nur, gegen Ende des Films, wird etwas zu dick aufgetragen, wird
deutlich, dass "Meet the Parents" (so der Originaltitel) eine
Hollywood-Produktion ist. Mancher wird das nicht einmal als Nachteil
sehen und froh sein, nach all den Lachern zuvor wieder durchatmen zu
können. Wer richtig ablachen möchte, wer Robert De Niro einmal mehr
von einer ganz anderen Seite erleben will, wer für Katzen nicht viel
mehr als einen Tritt übrig hat, der sollte sich "Meine
Braut..." auf keinen Fall entgehen lassen.
"Meet the Parents", USA 2000. Regie:
M. Jay Roach, Darsteller: Robert De Niro, Ben Stiller, Nicole
DeHuff, Blythe Danner und andere,
Länge: 108 Minuten; läuft in Ingolstadt
im "City".
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