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Nashville,
Außenstelle Ingolstadt
Wie
stellt man sich den typischen Countrymusik-Fan vor? Groß,
unverbindliches Garth-Brooks-Grinsen im Gesicht, Stetson auf
dem Kopf und ein kariertes Holzfällerhemd? All das kann man
vergessen, wenn man Ernst Erb über den Weg läuft. Keiner
verkörpert das Klischee weniger als er. Wer mit Countrymusik
nichts am (Cowboy)Hut hat, wird sich jetzt fragen: Wer ist
Ernst Erb?
 Er ist der Mann, der Countrymusik nach Ingolstadt gebracht
hat. Nicht, dass diese Musikrichtung vorher nicht existiert
hätte in unserer beschaulichen Donaustadt. Aber erst seit dem
Juli 1988, als Erb erstmals mit seiner Sendung "Country
Club" bei Radio IN auf Sendung ging, konnte man in
Ingolstadt waschechte Countrymusik hören. Dabei können Erb
all die Poser gestohlen bleiben. Wenn der Name Garth Brooks
fällt, winkt er nur lachend ab. "Zwei, drei Stücke auf
einem Album kann man hören, der Rest ist Füllmaterial",
meint der Hobby-Moderator. Da sind ihm die "echten"
Musiker viel lieber. Diejenigen, die nicht nur von, sondern
auch für ihre Musik leben. "Aber die sind hier bei uns
so gut wie unbekannt", sagt Ernst Erb.
Was nicht verwundert, denn Countrymusik hat hierzulande
eher den Ruf von Barbecue, Einheitskleidung (siehe Einleitung)
und Musik an der Grenze zur Debilität, Marke Tom Astor. Namen
wie Dolly Parton, Billy Ray Cyrus oder eben Garth Brooks kennt
jeder, doch mit dem Leben der meisten CountrysängerInnen
haben die nichts gemein. Viele krebsen am Existenzminimum
herum, bekommen vom Kuchen der gut verdienenden Branche nichts
ab und prostituieren sich dennoch nicht für den einen großen
Hit, der ihnen im Land der aufrechten Männer die Rente
sichern könnte. Solche Typen imponieren Erb, und er hat schon
viele von ihnen persönlich getroffen.
Nashville und zurück - kein einmaliges Erlebnis
Wie das? "Ich war schon ein paar Mal drüben in
Nashville, zur Fan Fair". Ah ja, denkt man sich. Klingt
nach Plattenbörse in einem alten Vereinsheim. Aber da wird
man schnell korrigiert, spätestens wenn Erb mit ein paar
Fotos von seinen Reisen aufwartet, und man zehntausende vor
den beiden riesigen Bühnen jubeln sieht. Zwar unternimmt er
die Reisen, damit er bei seinen Radiosendungen aktuelle
Neuerscheinungen und exklusive Interviews bieten kann. Doch
das meiste muß er aus eigener Tasche zahlen. Was er aber
augenscheinlich sehr gern macht. Ist er immer noch aufgeregt,
wenn er plötzlich bekannten Stars gegenüber steht? Erb:
"Mein erstes Interview hatte ich mit Dave Dudley gemacht,
als der vor ein paar Jahren in Hagau Station gemacht hatte.
Heute hab ich schon so viele Musiker getroffen, dass mir der
Bekanntheitsgrad nichts mehr ausmacht."
Einige Musiker haben im Lauf der Jahre wohl auch den Bezug
zur Realität verloren, meint Erb. Der eine machte beim
Auftritt einen zugekifften Eindruck, ein anderer hat nichts im
Kopf und brabbelt sinnloses Zeug vor sich hin. Doch er hat
auch andere kennengelernt in Tennessee. Eben jene, die alles
für ihre Musik tun. Musiker, Produzenten, Labelchefs - und er
ist bemüht, diese Kontakte zu pflegen. Die Einschaltquoten
gaben ihm recht, doch mit der Umstrukturierung des Programms
war plötzlich für eine der erfolgreichsten Sendungen des
Senders kein Platz mehr bei Radio IN. Wie falsch diese
Entscheidung war, zeigt sich jetzt: Ab 15.01.2001 geht der
"Country Club" wieder auf Sendung, natürlich
moderiert von Ernst Erb. Zu empfangen ist das Programm dann
bei Radio Riverside, einem Sender, der zur Verlagsgruppe des
Donaukuriers gehört.
Verwalter der Countrymusik
Ernst Erb ist ein bischen der "Wahrer" der
Countrymusik. Die Cowboystiefel in einer Ecke seiner Wohnung
trägt er zwar gern, aber damit hat es sich dann schon in
Sachen Outfit. Er ist viel zu  beschäftigt, um sich mit
solchen Belanglosigkeiten zu befassen. Tagsüber ist er als
EDV-Operator tätig, aber wenn er abends daheim ist, kann er
sich die neuesten CD´s aus Übersee anhören, und seine
nächsten Sendungen vorbereiten. Die Atmosphäre in seinem
Arbeitszimmer ist dafür bestens geeignet: Einige Regale sind
da gefüllt mit CD´s und Singles. Doch sein bestes Stück
bewahrt er im Keller seines Vaters auf: Ein großer
Wandteppich mit Elvis-Motiv ("Den hab ich mal auf einem
Flohmarkt entdeckt, für zehn Mark."), umrahmt von zwei
Gitarren. Die eine ist von Willie Nelson signiert, die andere
von Johnny Cash. Auf die ist er wirklich stolz, aber auch da
bleibt er ganz er selbst - der Fan nämlich. Da fühlt er sich
wohl, das ist seine Welt.

Veranstalter der alljährlichen Fan Fair in Nashville ist
die Country Music
Association, die aber nicht unbedingt das
Maß aller Dinge in Sachen Countrymusic ist. Ernst Erb
verweist lieber auf Label wie Wild Oat
Records, denen
Nachwuchsförderung wirklich am Herzen liegt.
"Country Club" auf Radio Riverside, erstmals am
15. Januar 2001 auf Sendung. Über Kabel im Raum Ingolstadt
auf Frequenz 105,3 zu empfangen.
Text: Thomas
Uhle
Fotos: Bernd Theuerer, Thomas Uhle
(01. Januar 2001)
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