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  Ausgabe 15 : Titel

  
 
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Nashville, Außenstelle Ingolstadt

 

Wie stellt man sich den typischen Countrymusik-Fan vor? Groß, unverbindliches Garth-Brooks-Grinsen im Gesicht, Stetson auf dem Kopf und ein kariertes Holzfällerhemd? All das kann man vergessen, wenn man Ernst Erb über den Weg läuft. Keiner verkörpert das Klischee weniger als er. Wer mit Countrymusik nichts am (Cowboy)Hut hat, wird sich jetzt fragen: Wer ist Ernst Erb?

...und da nahm er die Gitarre - Ernst Erb mit der Johnny-Cash-Gitarre (c) Thomas UhleEr ist der Mann, der Countrymusik nach Ingolstadt gebracht hat. Nicht, dass diese Musikrichtung vorher nicht existiert hätte in unserer beschaulichen Donaustadt. Aber erst seit dem Juli 1988, als Erb erstmals mit seiner Sendung "Country Club" bei Radio IN auf Sendung ging, konnte man in Ingolstadt waschechte Countrymusik hören. Dabei können Erb all die Poser gestohlen bleiben. Wenn der Name Garth Brooks fällt, winkt er nur lachend ab. "Zwei, drei Stücke auf einem Album kann man hören, der Rest ist Füllmaterial", meint der Hobby-Moderator. Da sind ihm die "echten" Musiker viel lieber. Diejenigen, die nicht nur von, sondern auch für ihre Musik leben. "Aber die sind hier bei uns so gut wie unbekannt", sagt Ernst Erb.

Was nicht verwundert, denn Countrymusik hat hierzulande eher den Ruf von Barbecue, Einheitskleidung (siehe Einleitung) und Musik an der Grenze zur Debilität, Marke Tom Astor. Namen wie Dolly Parton, Billy Ray Cyrus oder eben Garth Brooks kennt jeder, doch mit dem Leben der meisten CountrysängerInnen haben die nichts gemein. Viele krebsen am Existenzminimum herum, bekommen vom Kuchen der gut verdienenden Branche nichts ab und prostituieren sich dennoch nicht für den einen großen Hit, der ihnen im Land der aufrechten Männer die Rente sichern könnte. Solche Typen imponieren Erb, und er hat schon viele von ihnen persönlich getroffen.



Nashville und zurück - kein einmaliges Erlebnis

Kris Kristofferson, Johnny Cash und (leider nur von hinten) Ernst Erb (c) Bernd TheuererWie das? "Ich war schon ein paar Mal drüben in Nashville, zur Fan Fair". Ah ja, denkt man sich. Klingt nach Plattenbörse in einem alten Vereinsheim. Aber da wird man schnell korrigiert, spätestens wenn Erb mit ein paar Fotos von seinen Reisen aufwartet, und man zehntausende vor den beiden riesigen Bühnen jubeln sieht. Zwar unternimmt er die Reisen, damit er bei seinen Radiosendungen aktuelle Neuerscheinungen und exklusive Interviews bieten kann. Doch das meiste muß er aus eigener Tasche zahlen. Was er aber augenscheinlich sehr gern macht. Ist er immer noch aufgeregt, wenn er plötzlich bekannten Stars gegenüber steht? Erb: "Mein erstes Interview hatte ich mit Dave Dudley gemacht, als der vor ein paar Jahren in Hagau Station gemacht hatte. Heute hab ich schon so viele Musiker getroffen, dass mir der Bekanntheitsgrad nichts mehr ausmacht."

Einige Musiker haben im Lauf der Jahre wohl auch den Bezug zur Realität verloren, meint Erb. Der eine machte beim Auftritt einen zugekifften Eindruck, ein anderer hat nichts im Kopf und brabbelt sinnloses Zeug vor sich hin. Doch er hat auch andere kennengelernt in Tennessee. Eben jene, die alles für ihre Musik tun. Musiker, Produzenten, Labelchefs - und er ist bemüht, diese Kontakte zu pflegen. Die Einschaltquoten gaben ihm recht, doch mit der Umstrukturierung des Programms war plötzlich für eine der erfolgreichsten Sendungen des Senders kein Platz mehr bei Radio IN. Wie falsch diese Entscheidung war, zeigt sich jetzt: Ab 15.01.2001 geht der "Country Club" wieder auf Sendung, natürlich moderiert von Ernst Erb. Zu empfangen ist das Programm dann bei Radio Riverside, einem Sender, der zur Verlagsgruppe des Donaukuriers gehört.



Verwalter der Countrymusik

Ernst Erb ist ein bischen der "Wahrer" der Countrymusik. Die Cowboystiefel in einer Ecke seiner Wohnung trägt er zwar gern, aber damit hat es sich dann schon in Sachen Outfit. Er ist viel zu Ernst Erb bei Wild Oat Records (c) Bernd Theuerer beschäftigt, um sich mit solchen Belanglosigkeiten zu befassen. Tagsüber ist er als EDV-Operator tätig, aber wenn er abends daheim ist, kann er sich die neuesten CD´s aus Übersee anhören, und seine nächsten Sendungen vorbereiten. Die Atmosphäre in seinem Arbeitszimmer ist dafür bestens geeignet: Einige Regale sind da gefüllt mit CD´s und Singles. Doch sein bestes Stück bewahrt er im Keller seines Vaters auf: Ein großer Wandteppich mit Elvis-Motiv ("Den hab ich mal auf einem Flohmarkt entdeckt, für zehn Mark."), umrahmt von zwei Gitarren. Die eine ist von Willie Nelson signiert, die andere von Johnny Cash. Auf die ist er wirklich stolz, aber auch da bleibt er ganz er selbst - der Fan nämlich. Da fühlt er sich wohl, das ist seine Welt.


Fan Fair 2001 Logo Veranstalter der alljährlichen Fan Fair in Nashville ist die Country Music Association, die aber nicht unbedingt das Maß aller Dinge in Sachen Countrymusic ist. Ernst Erb verweist lieber auf Label wie Wild Oat Records, denen Nachwuchsförderung wirklich am Herzen liegt.

"Country Club" auf Radio Riverside, erstmals am 15. Januar 2001 auf Sendung. Über Kabel im Raum Ingolstadt auf Frequenz 105,3 zu empfangen.



Text: Thomas Uhle
Fotos: Bernd Theuerer, Thomas Uhle

(01. Januar 2001)

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