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  Ausgabe 17 : Vorberichte

  
 
 
 
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Nummern aus dem Kopf

Ein Interview mit dem Kabarettisten Django Asül


Shootingstar aus Niederbayern: Django Asül hat es innerhalb von nur drei Jahren geschafft, aus der miefigen Spießerprovinz ins Scheinwerferlicht der Fernsehshows zu gelangen. Hat er dafür in einer Daily Soap mitspielen müssen? Hat er Reklame für Gummibärchen gemacht? Nein, er ist Kabarettist. Kein Comedy-Quatscher, sondern eher Marke Old School. Hätte Bruno Jonas türkischen Eltern, würde er vermutlich Django Asül heißen.

 

Django AsülDu hast eine tolle Homepage, pflegst Du die selbst?

Ja klar. Das ist eine tolle Seite, und die Resonanz ist sehr groß, vor allem per Email. Auf meiner Homepage sind nicht bloß Infos, sondern auch Kolumnen und die Glossen für die Abendzeitung. Und ich schau, daß ich die Seiten spätestens alle zwei Wochen auffrische. Nur an Hits bin ich nicht interessiert, mir geht's da mehr um den Inhalt.
Meine E-Mails beantworte ich übrigens selbst. Da gibt es eine regelrechte Flut, vor allem weiblicher Absender natürlich.

Was schreiben die denn?

Oh mei, was die alles erzählen! Du bist den Leuten ja vertraut als Bühnenfigur. Und das ist ein unheimlich interessanter psychologischer Effekt, weil die oft meinen, sie würden dann tatsächlich mich kennen, und die wollen mich dann ausquetschen.
Aber da gibt's auch eine 84jährige Frau aus der Schweiz, unheimlich nett und wir schreiben uns immer wieder.

Schreiben dir auch selbsternannte Komiker?

Nein, das nicht. Neulich hat mir aber ein Mädel eine Audiokassette an die Agentur geschickt, mit selbst geschriebenen Sachen. Bei der werde ich mich auch melden, und ihr mal den oder anderen Tip geben, wo sie sich melden kann.
Ich find das auch legitim, wenn mich jemand wegen Infos angeht, vor oder nach einem Auftritt. Da geb' ich gern den Tip, Kultur im Spielraum e.V. in München. Deren Nummer hab ich immer im Kopf.

Wie war das bei dir damals, ganz am Anfang?

Ich bin damals auf Ottfried Fischer zugegangen, der erzählt mir die Geschichte heut noch. Das war Anfang 1996, und da hat er bei uns in der Gegend gespielt. Ich bin dann hin zu ihm, mir haben geredet und er meinte, aus mir als Exot könnte was werden. Dann hörten wir lang nix voneinander. Ende 1996 hatte ich dann schon zwei Kabarettpreise gewonnen und er hatte mich in seine Sendung eingeladen.

Du hast gerade die Bezeichnung "Exot" erwähnt. Spielst du damit?

Nicht aus Selbstzweck, sondern nur im Zusammenhang mit meiner Bühnenfigur am Anfang des Programms. Als Kontrast gibt's dann die typisch bayerische Figur hinterher, und am Ende des Programms, als wieder der Türke auf der Bühne steht, merkt man erst, das ist ja das gleiche in grün.
Mit dem nächsten Programm ist das dann wieder gegessen.

Das Programm ist sehr erfolgreich. Geht das in ganz Bayern so?

Ja, vor allem die Gegend bei euch ist wirklich bombig. Ich muß noch viele Zusatztermine geben, manche werden auch von kleineren Clubs in größere Häuser verlegt. Vor allem Oberbayern und Schwaben, mittlerweile natürlich auch Niederbayern.

Denkst Du manchmal schon einen Schritt weiter, und bekommst Angst vor dem nächsten Programm, vor möglichen Mißerfolgen?

Erstens weiß man eh nie wie es weitergeht. Ich hatte Glück, weil ich auf Anhieb mit etwas erfolgreich war, das ich selbst wollte. Es war ja nicht angelegt als etwas, mit dem ich in zwei Jahren Massen anziehe wollte.
Ich wollte immer Kabarett machen, also komm ich damit ehrlich rüber. Ich überlege nicht, worüber die Leute lachen könnten, das interessiert mich eigentlich nicht. Ich mach das, was ich mag. Wenn das dann den Leuten gefällt, ist das in Ordnung. Aber Zugeständnisse ans Publikum würden nicht funktionieren.

Der Beruf des Bankers war dann wohl nicht das Wahre?

Das war jugendlicher Leichtsinn. Jeder hat doch so eine Phase. Die einen gehen nach Berlin, die andern nach Woodstock. Ich war in der Sparkasse. War aber eine gute Zeit. Mein Problem war auch nicht die Bank, sondern die Vorstellung, dort jahrelang sitzen zu bleiben.
Meine Motivation war einfach, auf die Bühne zu gehen. Aber ich muß dort nicht stehen. Ich weiß einen Tag, an dem ich nicht auf der Bühne stehe, sehr gut zu nutzen. Da hab ich kein Problem damit.

Warst Du früher wirklich Tennislehrer?

Ja, das hab ich in der Zeit zwischen Sparkasse und dem Leben als Kabarettist zum Geldverdienen gemacht. Das hatte mit Missionsdrang nichts zu tun, das war hatte Arbeit.

Du schreibst ja auch Kolumnen für die Münchner Abendzeitung.

Hauptsächlich über Sport, aber auch zu anderen Themen wie z. B. zum Doppelpaß oder zum Goethejahr. Ich bin schon auch die Allzweckwaffe der AZ, aber primär schreibe ich Fußball und Tennis. Ich hab davon auch Ahnung und die Mischung paßt: Ein Satiriker, der weiß, wovon er schreibt. Das macht viel Spaß.

Django AsülGibt's da Sachen in den Kolumnen, die Du später lieber gern für Dein Programm behalten hättest?

Aus dem Sportbereich nicht. Es gibt ja auch Kolumnen auf meiner Homepage, aber die kann ich später auch ins Programm nehmen, das schließt sich nicht aus. Wobei ich es dann schon modifizieren muß, denn Lesetext und Bühnentext sind zwei Welten.

Wie entspannst Du Dich unterwegs?

Hauptsächlich im Fitneßstudio, fünfmal die Woche.

Kommst Du auf Tour dazu, Dir irgendwas anzuschauen?

Was soll ich mir anschauen?

Eine Stadt, die Du noch nicht kennst.

Nein, ich hab auf Tour da so einen eigenen "inner circle". Ich sitz meist im Zug, mit meinem Walkman und hab mein Laptop dabei. Ich komm am Auftrittsort an, werde abgeholt, ins Hotel gebracht und dann geh ich ins Fitneßstudio. Dann richte ich die Bühne her, mach meinen Auftritt und geh ins Bett. Privatleben null, aber es macht Spaß.

Also ganz normaler Tourstreß?

Streß ist relativ. Wenn ich heut hier 50 Leute hab, morgen 70 dort, und übermorgen 20 woanders, dann macht man sich da eher Gedanken.
Auf der einen Seite nehme ich alles nicht so ernst, auf der anderen Seite kann ich mich über meinen Erfolg recht infantil freuen. Das federt den Streß ziemlich ab. Und natürlich das Fitneßstudio.

Du bist inzwischen weit rumgekommen. Gibt's regionale Unterschiede beim Humor?

Nein, das ist mehr so eine Frage der Gruppendynamik. Lacht einer, lachen auch andere. Ein, zweimal im Jahr hast du eher so ein Theaterpublikum, das recht stad ist. Da geh ich auf die Bühne, hab noch nichts gesagt, und weiß, das ist jetzt so ein Abend. Aber denen gefällts dann trotzdem.

Gab es mal einen peinlichen Moment auf der Bühne?

Nein. Da kann auch nicht viel schiefgehen. Vielleicht kann mal was mit der Technik sein, oder man hat einen Hänger, was mir bis jetzt zum Glück noch nicht passiert ist. Aber mit der Zeit ist man versiert genug.

Wie spontan bist Du auf der Bühne?

Bei mir ist schon sehr vieles spontan. Ich hab bewußt Teile im Programm, bei denen ich nicht weiß, was passiert. Das ist für mich auch so eine spannende Geschichte. Auf die Art halt ich das für mich selbst lebendig.

Wovon läßt Du dich inspirieren?

Alles. Stoff sammle ich überall.

Kannst Du ihn Ruhe daheim in Deggendorf noch ein Bier trinken gehen?

Das mach ich nicht. Das war noch nie das meine. Wenn ich daheim bin, bin ich froh, wenn ich meine Ruhe hab. Wenn ich daheim bin, bin ich wirklich daheim. Ich bin halt so.

Wie normal oder auch nicht die Bühnenfiguren in Django Asüls Programm sind, davon konnte sich das Ingolstädter Publikum bereits häufig überzeugen. Vorfreude stellt sich bereits jetzt bei den Glücklichen ein, die Tickets für die Vorpremiere von Djangos neuem Programm "Autark" am 18.1. in der Neuen Welt in den Taschen haben. Für die anderen gilt: Restlos ausverkauft! Zum Trost hilft ein Blick auf seine Homepage. Bis zum nächsten Besuch in Ingolstadt.



 
Thomas Uhle
(15. Januar 2001)

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