|
|
Nummern aus dem Kopf
Ein Interview mit dem Kabarettisten Django Asül
Shootingstar
aus Niederbayern: Django Asül hat es innerhalb von nur drei Jahren
geschafft, aus der miefigen Spießerprovinz ins Scheinwerferlicht der
Fernsehshows zu gelangen. Hat er dafür in einer Daily Soap mitspielen
müssen? Hat er Reklame für Gummibärchen gemacht? Nein, er ist
Kabarettist. Kein Comedy-Quatscher, sondern eher Marke Old School. Hätte
Bruno Jonas türkischen Eltern, würde er vermutlich Django Asül heißen.
 Du hast eine tolle Homepage, pflegst Du die selbst?
Ja klar. Das ist eine tolle Seite, und die Resonanz ist sehr groß,
vor allem per Email. Auf meiner Homepage sind nicht bloß Infos, sondern
auch Kolumnen und die Glossen für die Abendzeitung. Und ich schau, daß
ich die Seiten spätestens alle zwei Wochen auffrische. Nur an Hits bin
ich nicht interessiert, mir geht's da mehr um den Inhalt.
Meine E-Mails beantworte ich übrigens selbst. Da gibt es eine regelrechte
Flut, vor allem weiblicher Absender natürlich.
Was schreiben die denn?
Oh mei, was die alles erzählen! Du bist den Leuten ja vertraut als
Bühnenfigur. Und das ist ein unheimlich interessanter psychologischer
Effekt, weil die oft meinen, sie würden dann tatsächlich mich kennen,
und die wollen mich dann ausquetschen.
Aber da gibt's auch eine 84jährige Frau aus der Schweiz, unheimlich nett
und wir schreiben uns immer wieder.
Schreiben dir auch selbsternannte Komiker?
Nein, das nicht. Neulich hat mir aber ein Mädel eine Audiokassette an
die Agentur geschickt, mit selbst geschriebenen Sachen. Bei der werde ich
mich auch melden, und ihr mal den oder anderen Tip geben, wo sie sich
melden kann.
Ich find das auch legitim, wenn mich jemand wegen Infos angeht, vor oder
nach einem Auftritt. Da geb' ich gern den Tip, Kultur im Spielraum e.V. in
München. Deren Nummer hab ich immer im Kopf.
Wie war das bei dir damals, ganz am Anfang?
Ich bin damals auf Ottfried Fischer zugegangen, der erzählt mir die
Geschichte heut noch. Das war Anfang 1996, und da hat er bei uns in der
Gegend gespielt. Ich bin dann hin zu ihm, mir haben geredet und er meinte,
aus mir als Exot könnte was werden. Dann hörten wir lang nix
voneinander. Ende 1996 hatte ich dann schon zwei Kabarettpreise gewonnen
und er hatte mich in seine Sendung eingeladen.
Du hast gerade die Bezeichnung "Exot" erwähnt. Spielst
du damit?
Nicht aus Selbstzweck, sondern nur im Zusammenhang mit meiner
Bühnenfigur am Anfang des Programms. Als Kontrast gibt's dann die typisch
bayerische Figur hinterher, und am Ende des Programms, als wieder der
Türke auf der Bühne steht, merkt man erst, das ist ja das gleiche in
grün.
Mit dem nächsten Programm ist das dann wieder gegessen.
Das Programm ist sehr erfolgreich. Geht das in ganz Bayern so?
Ja, vor allem die Gegend bei euch ist wirklich bombig. Ich muß noch
viele Zusatztermine geben, manche werden auch von kleineren Clubs in
größere Häuser verlegt. Vor allem Oberbayern und Schwaben, mittlerweile
natürlich auch Niederbayern.
Denkst Du manchmal schon einen Schritt weiter, und bekommst Angst
vor dem nächsten Programm, vor möglichen Mißerfolgen?
Erstens weiß man eh nie wie es weitergeht. Ich hatte Glück, weil ich
auf Anhieb mit etwas erfolgreich war, das ich selbst wollte. Es war ja
nicht angelegt als etwas, mit dem ich in zwei Jahren Massen anziehe
wollte.
Ich wollte immer Kabarett machen, also komm ich damit ehrlich rüber. Ich
überlege nicht, worüber die Leute lachen könnten, das interessiert mich
eigentlich nicht. Ich mach das, was ich mag. Wenn das dann den Leuten
gefällt, ist das in Ordnung. Aber Zugeständnisse ans Publikum würden
nicht funktionieren.
Der Beruf des Bankers war dann wohl nicht das Wahre?
Das war jugendlicher Leichtsinn. Jeder hat doch so eine Phase. Die
einen gehen nach Berlin, die andern nach Woodstock. Ich war in der
Sparkasse. War aber eine gute Zeit. Mein Problem war auch nicht die Bank,
sondern die Vorstellung, dort jahrelang sitzen zu bleiben.
Meine Motivation war einfach, auf die Bühne zu gehen. Aber ich muß dort
nicht stehen. Ich weiß einen Tag, an dem ich nicht auf der Bühne stehe,
sehr gut zu nutzen. Da hab ich kein Problem damit.
Warst Du früher wirklich Tennislehrer?
Ja, das hab ich in der Zeit zwischen Sparkasse und dem Leben als
Kabarettist zum Geldverdienen gemacht. Das hatte mit Missionsdrang nichts
zu tun, das war hatte Arbeit.
Du schreibst ja auch Kolumnen für die Münchner Abendzeitung.
Hauptsächlich über Sport, aber auch zu anderen Themen wie z. B. zum
Doppelpaß oder zum Goethejahr. Ich bin schon auch die Allzweckwaffe der
AZ, aber primär schreibe ich Fußball und Tennis. Ich hab davon auch
Ahnung und die Mischung paßt: Ein Satiriker, der weiß, wovon er
schreibt. Das macht viel Spaß.
Gibt's da Sachen in den Kolumnen, die Du später lieber gern für
Dein Programm behalten hättest?
Aus dem Sportbereich nicht. Es gibt ja auch Kolumnen auf meiner
Homepage, aber die kann ich später auch ins Programm nehmen, das
schließt sich nicht aus. Wobei ich es dann schon modifizieren muß, denn
Lesetext und Bühnentext sind zwei Welten.
Wie entspannst Du Dich unterwegs?
Hauptsächlich im Fitneßstudio, fünfmal die Woche.
Kommst Du auf Tour dazu, Dir irgendwas anzuschauen?
Was soll ich mir anschauen?
Eine Stadt, die Du noch nicht kennst.
Nein, ich hab auf Tour da so einen eigenen "inner circle".
Ich sitz meist im Zug, mit meinem Walkman und hab mein Laptop dabei. Ich
komm am Auftrittsort an, werde abgeholt, ins Hotel gebracht und dann geh
ich ins Fitneßstudio. Dann richte ich die Bühne her, mach meinen
Auftritt und geh ins Bett. Privatleben null, aber es macht Spaß.
Also ganz normaler Tourstreß?
Streß ist relativ. Wenn ich heut hier 50 Leute hab, morgen 70 dort,
und übermorgen 20 woanders, dann macht man sich da eher Gedanken.
Auf der einen Seite nehme ich alles nicht so ernst, auf der anderen Seite
kann ich mich über meinen Erfolg recht infantil freuen. Das federt den
Streß ziemlich ab. Und natürlich das Fitneßstudio.
Du bist inzwischen weit rumgekommen. Gibt's regionale Unterschiede
beim Humor?
Nein, das ist mehr so eine Frage der Gruppendynamik. Lacht einer,
lachen auch andere. Ein, zweimal im Jahr hast du eher so ein
Theaterpublikum, das recht stad ist. Da geh ich auf die Bühne, hab noch
nichts gesagt, und weiß, das ist jetzt so ein Abend. Aber denen gefällts
dann trotzdem.
Gab es mal einen peinlichen Moment auf der Bühne?
Nein. Da kann auch nicht viel schiefgehen. Vielleicht kann mal was mit
der Technik sein, oder man hat einen Hänger, was mir bis jetzt zum Glück
noch nicht passiert ist. Aber mit der Zeit ist man versiert genug.
Wie spontan bist Du auf der Bühne?
Bei mir ist schon sehr vieles spontan. Ich hab bewußt Teile im
Programm, bei denen ich nicht weiß, was passiert. Das ist für mich auch
so eine spannende Geschichte. Auf die Art halt ich das für mich selbst
lebendig.
Wovon läßt Du dich inspirieren?
Alles. Stoff sammle ich überall.
Kannst Du ihn Ruhe daheim in Deggendorf noch ein Bier trinken
gehen?
Das mach ich nicht. Das war noch nie das meine. Wenn ich daheim bin,
bin ich froh, wenn ich meine Ruhe hab. Wenn ich daheim bin, bin ich
wirklich daheim. Ich bin halt so.
Wie normal oder auch nicht die Bühnenfiguren in Django Asüls
Programm sind, davon konnte sich das Ingolstädter Publikum bereits
häufig überzeugen. Vorfreude stellt sich bereits jetzt bei den
Glücklichen ein, die Tickets für die Vorpremiere von Djangos neuem
Programm "Autark" am 18.1. in der Neuen Welt in den Taschen
haben. Für die anderen gilt: Restlos ausverkauft! Zum Trost hilft ein
Blick auf seine Homepage.
Bis zum nächsten Besuch in Ingolstadt.
Thomas Uhle
(15. Januar 2001)
|
|
|
|
|