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  Ausgabe 17/18 : Titel

  
 
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Von Lieblingen und anderen Talenten

Am vergangenen Wochenende fand der 4. Aqua Turbo Contest statt



Es war schon fast beunruhigend, wie reibungslos der 4. Aqua Turbo Contest über die Bühne der Fronte 79 ging. Der zweitägige Bandwettbewerb brachte 18 Bands aus der Region dazu, sich der Bewertung durch eine Jury und durch das Publikum zu stellen. Erstere war wie immer eifrig bei der Sache, letzteres etwas zahlreicher erschienen als in den vergangenen Jahren. Sollte sich der Contest inzwischen etabliert haben, wäre das ein feiner Erfolg für die Organisatoren vom megazIN.

Neu war in diesem Jahr die Verpflichtung eines Headliners, einer Band, welche die Zeit zwischen dem letzten Auftritt und der Bekanntgabe der Gewinner überbrücken sollte. Dafür konnten Glow gewonnen werden, die vor einigen Wochen mit "Mr. Brown" aus fast allen Radiolautsprechern tönten.

(c) Foto: Thomas UhleDoch zuvor mussten natürlich erst sämtliche Bewerber ihren jeweils halbstündigen Auftritt abliefern. 

Den Auftakt machten am Freitag DONIkkl, die nicht nur kinderohrentauglichen Pop und Reggae ablieferten, sondern auch fünf Kinder zur Verstärkung mit auf die Bühne gebracht hatten. Die dienten leider zu oft nur als Staffage für einen sonst gelungenen Auftritt, doch diese moderne Ausgabe von "Rolf Zuckowski und seinen Freunden" war originell.

Das konnte Ozzy S. zwar nicht von sich behaupten. Die Anklänge an Meat Loaf und AC/DC waren kaum zu überhören. Doch dafür blieb die Erinnerung an melodiöse Rocksongs und eine ausdrucksstarke Stimme im besten Stil der Achtziger.

Fat Fugo, zum zweiten Mal dabei, konnten auch heuer dem Vergleich mit den Ikonen deutscher Rockmusik nicht ausweichen. Technisch versiert spielten sie ihre Stücke mit den teils merkwürdigen, verklausulierten Texten, wirkten aber dabei in diesem Jahr seltsam introvertiert.



Der feine Unterschied



Nicht introvertiert, sondern blassiert wirkten dagegen Split Second. Aggressive Songs und überhebliche Ansagen in Richtung des zu diesem Zeitpunkt noch zurück haltenden Publikums waren nicht förderlich für den Auftritt der Crossover-Band.

Publikumslieblinge waren 2000 die vier von Colourful Leaves. Daran hatte sich auch ein Jahr später nichts geändert, und so wirkte ihr erdiger, melodiöser Rock noch immer hemdsärmlig und sympathisch. Auch Delaforce kamen beim Publikum gut an, und ihr funkiger Rock brachte erstmals die zahlreicher werdenden Zuhörer zum Tanzen.

Tanzstunde ist auch angesagt, wenn eine der beliebtesten Bands aus der Region die Bühne betritt: Fly Busker. Kurz vor der Veröffentlichung ihrer zweiten CD stellten sich die Schweitenkirchener der Bewertung, und konnten mit übersprühender Energie, neuen und alten (teils umarrangierten) Songs den Spaß aufs Publikum übertragen.



Originelle Originale

(c) Foto: Thomas Uhle

Nicht nur musikalisch, sondern auch optisch ein Kontrast - Cycodad, die Band um Sänger Jürgen Nowakowsky. Einfach gestrickte Punkrocksongs, bei denen sich in jeder zweiten Zeile "fuck" auf "suck" reimt und ein druckvoller Sound sind ihr Trick. Das Gerücht, ihre Musik ließe sich nur unter Einfluß von viel Alkohol ertragen, wurde energisch bestätigt. Von deprimierten jungen Männern keine Spur, sie brüllten und rockten sich den Frust (so es denn welchen gab) einfach von der Seele.

Originell wie immer, gehört bei Weißwurscht is schon der Soundcheck zur Show. Zwei, drei "verbotene" Zugaben (damit geriet der Zeitplan durcheinander), und am Ende saß Moderator Markus Knoll einfach neben Sänger Tom und trank dessen Bier. Ach ja, musikalisch im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Band stark verbessert.
Emergency Exit bildeten den Abschluß am Freitag abend, doch ihr melodiöser Poprock wollte leider nicht mehr so recht zur Stimmung passen.



Frisch in die zweite Runde

(c) Foto: Thomas UhleDer Samstag startete mit Mister Rainmaker in die zweite Runde. Mehr als nette Popsongs hatte die Band jedoch nicht zu bieten, und so war die Spannung bereits nach zwei Stücken dahin. Mit Rouvian Flave war sie jedoch schnell wieder da, denn die sechs MusikerInnen zeigten mit kraftvollem, erdigem Rock den kommenden Bewerbern, wo sie weitermachen mussten. Besonders eindrucksvoll war die Stimme von Patrick Granado, der in den besten Momenten an Terence Trent D´Arby erinnerte.

Pagan dagegen erinnerten mit ihren harten Rocksongs eher an vergangene Zeiten, die sie in ihren Stücken sehr gelungen aufleben ließen. Schwachpunkt dieses Auftritts war allerdings Sänger Florian Märten.
Mißglückt war dann leider der Auftritt der jungen Bluesgitarristin Melanie. Durch das Losverfahren unglücklich zwischen zwei Rockbands plaziert, konnte sie mit ihren Bluessongs weder Jury noch Publikum überzeugen.

Crick dagegen konnten das Publikum wieder auf ihre Seite ziehen. Die Band, die erst seit einem Jahr besteht, heizte dem zahlreicher werdenden Publikum mit fast schon perfekten Poprock-Songs ein, zeigte eine witzige Bühnenshow und erntete dafür am Ende großen Applaus.
Bei Silva Sonic hingegen wäre weniger mehr gewesen. Es ist nicht alles gut, was laut ist. Die Kompositionen und die Ausstrahlung von Frontmann Florian Henke deuteten aber bereits das Potential der Gitarrenrocker an.

(c) Foto: Thomas UhleWeniger unterhaltsam geriet auch der Auftritt der Kunstrocker Hyacinth. Die vier Musiker hatten in ihrer Jugend vermutlich viele Art-Rock-Platten und Rockopern gehört - nur leider die falschen. Pseudoreligiöse Ansagen und eine billige Van-Halen-Kopie zum Schluß brachten das Faß zum Überlaufen.



Spannendes Finale



Den Abschluß des Abends bildeten, zumindest beim Wettbewerb, die Vorjahressieger Panta Rei. Wenn auch der Anfang ihres Auftritts ein wenig zu cool geriet, war das Eis spätestens beim dritten Song gebrochen, als Sängerin Eli Erl wie ein Derwisch über die Bühne tobte. Das Songmaterial war vielfältiger als im letzten Jahr, der Keyboardsound beeindruckte besonders und die Band versteht es, ihr Publikum eine halbe Stunde zu fesseln, ohne auch nur ein einziges Mal Längen aufkommen zu lassen.

Die gab es dann höchstens beim Auftritt von Glow, dem eigens engagierten Headliner. Doch das lag wohl weniger an der Band selbst, als vielmehr an der zu diesem Zeitpunkt beim einen oder anderen erschöpften Aufnahmefähigkeit. Mit ihrem Meanstream-Bubblegum-Pop brachten sie das Publikum noch einmal zum Tanzen, bevor Markus Knoll auf die Bühne schritt, um das Ergebnis bekannt zu geben.

Die zehnköpfige Jury hatte sich die Wahl alles andere als leicht gemacht, und dort ging es bei der Plazierung um Hundertstel. Weniger spannend war die Entscheidung des Publikums in der Fronte 79, die aber das Ergebnis der Juroren bestätigte. Und so konnte um kurz nach ein Uhr morgens das folgende Ergebnis bekannt gegeben werden:

(c) Foto: Thomas Uhle

Platz 1: Crick
Platz 2: Panta Rei
Platz 3: Weißwurscht is
Platz 4: Fly Busker
Platz 5: Cycodad
Platz 6: DONIkkl
Platz 7: Rouvian Flave
Platz 8: Mister Rainmaker
Platz 9: Ozzy S.
Platz 10: Silva Sonic


Nach der Veröffentlichung unseres Berichts gab es sowohl in unserem Musikforum als auch im megazIN-Forum viele Beiträge. Da wurde kräftig auf die Sieger geschimpft, die Jury als inkompetent bezeichnet und auf dem Höhepunkt wurden die Angriffe auch persönlich. Einige gingen eindeutig unter die Gürtellinie.  Wir von unserer Seite aus sehen die Diskussion als beendet an. Der Contest ist nur ein Contest - ein Wettbewerb, ein Spiel. Es geht nicht um einen Auftritt bei Rock im Park, nicht um Millionen und auch nicht darum, ob die Bewertung der Jury den Massengeschmack trifft. Es ging einzig und allein um den Spaß, dabei zu sein. Ob als Band, als Zuschauer oder in der Jury. Mehr nicht.


Bericht im Donaukurier vom 15. Januar 2001

Forum bei megazIN

Videoclips vom Contest bei regio10.de




Thomas Uhle
(22. Januar 2001)

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