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Von Lieblingen und anderen Talenten
Am vergangenen Wochenende fand der 4. Aqua Turbo Contest
statt
Es war schon fast beunruhigend, wie reibungslos der 4. Aqua Turbo Contest
über die Bühne der Fronte 79 ging. Der zweitägige Bandwettbewerb brachte 18
Bands aus der Region dazu, sich der Bewertung durch eine Jury und durch das
Publikum zu stellen. Erstere war wie immer eifrig bei der Sache, letzteres etwas
zahlreicher erschienen als in den vergangenen Jahren. Sollte sich der Contest
inzwischen etabliert haben, wäre das ein feiner Erfolg für die Organisatoren
vom megazIN.
Neu war in diesem Jahr die Verpflichtung eines Headliners, einer Band,
welche die Zeit zwischen dem letzten Auftritt und der Bekanntgabe der Gewinner
überbrücken sollte. Dafür konnten Glow gewonnen werden, die vor
einigen Wochen mit "Mr. Brown" aus fast allen Radiolautsprechern
tönten.
 Doch
zuvor mussten natürlich erst sämtliche Bewerber ihren jeweils halbstündigen
Auftritt abliefern.
Den Auftakt machten am Freitag DONIkkl, die nicht nur kinderohrentauglichen Pop
und Reggae ablieferten, sondern auch fünf Kinder zur Verstärkung mit auf die
Bühne gebracht hatten. Die dienten leider zu oft nur als Staffage für einen
sonst gelungenen Auftritt, doch diese moderne Ausgabe von "Rolf Zuckowski
und seinen Freunden" war originell.
Das konnte Ozzy S. zwar nicht von sich behaupten. Die Anklänge an Meat Loaf
und AC/DC waren kaum zu überhören. Doch dafür blieb die Erinnerung an
melodiöse Rocksongs und eine ausdrucksstarke Stimme im besten Stil der
Achtziger.
Fat Fugo, zum zweiten Mal dabei, konnten auch heuer dem Vergleich mit den
Ikonen deutscher Rockmusik nicht ausweichen. Technisch versiert spielten sie
ihre Stücke mit den teils merkwürdigen, verklausulierten Texten, wirkten aber
dabei in diesem Jahr seltsam introvertiert.
Der feine Unterschied
Nicht introvertiert, sondern blassiert wirkten dagegen Split Second.
Aggressive Songs und überhebliche Ansagen in Richtung des zu diesem Zeitpunkt
noch zurück haltenden Publikums waren nicht förderlich für den Auftritt der
Crossover-Band.
Publikumslieblinge waren 2000 die vier von Colourful Leaves. Daran hatte
sich auch ein Jahr später nichts geändert, und so wirkte ihr erdiger,
melodiöser Rock noch immer hemdsärmlig und sympathisch. Auch Delaforce kamen
beim Publikum gut an, und ihr funkiger Rock brachte erstmals die zahlreicher
werdenden Zuhörer zum Tanzen.
Tanzstunde
ist auch angesagt, wenn eine der beliebtesten Bands aus der Region die Bühne
betritt: Fly Busker. Kurz vor der Veröffentlichung ihrer zweiten CD stellten
sich die Schweitenkirchener der Bewertung, und konnten mit übersprühender
Energie, neuen und alten (teils umarrangierten) Songs den Spaß aufs Publikum
übertragen.
Originelle Originale

Nicht nur musikalisch, sondern auch optisch ein Kontrast - Cycodad, die Band
um Sänger Jürgen Nowakowsky. Einfach gestrickte Punkrocksongs, bei denen sich
in jeder zweiten Zeile "fuck" auf "suck" reimt und ein
druckvoller Sound sind ihr Trick. Das Gerücht, ihre Musik ließe sich nur unter
Einfluß von viel Alkohol ertragen, wurde energisch bestätigt. Von deprimierten
jungen Männern keine Spur, sie brüllten und rockten sich den Frust (so es denn
welchen gab) einfach von der Seele.
Originell wie immer, gehört bei Weißwurscht is schon der Soundcheck zur
Show. Zwei, drei "verbotene" Zugaben (damit geriet der Zeitplan
durcheinander), und am Ende saß Moderator Markus Knoll einfach neben Sänger
Tom und trank dessen Bier. Ach ja, musikalisch im Vergleich zum Vorjahr hat sich
die Band stark verbessert.
Emergency Exit bildeten den Abschluß am Freitag abend, doch ihr melodiöser
Poprock wollte leider nicht mehr so recht zur Stimmung passen.
Frisch in die zweite Runde
 Der Samstag startete mit Mister Rainmaker in die zweite Runde. Mehr als
nette Popsongs hatte die Band jedoch nicht zu bieten, und so war die Spannung
bereits nach zwei Stücken dahin. Mit Rouvian Flave war sie jedoch schnell
wieder da, denn die sechs MusikerInnen zeigten mit kraftvollem, erdigem Rock den
kommenden Bewerbern, wo sie weitermachen mussten. Besonders eindrucksvoll war
die Stimme von Patrick Granado, der in den besten Momenten an Terence Trent
D´Arby erinnerte.
Pagan dagegen erinnerten mit ihren harten Rocksongs eher an vergangene
Zeiten, die sie in ihren Stücken sehr gelungen aufleben ließen. Schwachpunkt
dieses Auftritts war allerdings Sänger Florian Märten.
Mißglückt war dann leider der Auftritt der jungen Bluesgitarristin
Melanie. Durch das Losverfahren unglücklich zwischen zwei Rockbands plaziert,
konnte sie mit ihren Bluessongs weder Jury noch Publikum überzeugen.
Crick dagegen konnten das Publikum wieder auf ihre Seite ziehen. Die Band,
die erst seit einem Jahr besteht, heizte dem zahlreicher werdenden Publikum mit
fast schon perfekten Poprock-Songs ein, zeigte eine witzige Bühnenshow und
erntete dafür am Ende großen Applaus.
Bei Silva Sonic hingegen wäre weniger mehr gewesen. Es ist nicht alles gut,
was laut ist. Die Kompositionen und die Ausstrahlung von Frontmann Florian Henke
deuteten aber bereits das Potential der Gitarrenrocker an.
Weniger unterhaltsam geriet auch der Auftritt der Kunstrocker Hyacinth. Die vier
Musiker hatten in ihrer Jugend vermutlich viele Art-Rock-Platten und Rockopern
gehört - nur leider die falschen. Pseudoreligiöse Ansagen und eine billige
Van-Halen-Kopie zum Schluß brachten das Faß zum Überlaufen.
Spannendes Finale
Den Abschluß des Abends bildeten, zumindest beim Wettbewerb, die
Vorjahressieger Panta Rei. Wenn auch der Anfang ihres Auftritts ein wenig zu
cool geriet, war das Eis spätestens beim dritten Song gebrochen, als Sängerin
Eli Erl wie ein Derwisch über die Bühne tobte. Das Songmaterial war
vielfältiger als im letzten Jahr, der Keyboardsound beeindruckte besonders und
die Band versteht es, ihr Publikum eine halbe Stunde zu fesseln, ohne auch nur
ein einziges Mal Längen aufkommen zu lassen.
Die gab es dann höchstens beim Auftritt von Glow, dem eigens engagierten
Headliner. Doch das lag wohl weniger an der Band selbst, als vielmehr an der zu
diesem Zeitpunkt beim einen oder anderen erschöpften Aufnahmefähigkeit. Mit
ihrem Meanstream-Bubblegum-Pop brachten sie das Publikum noch einmal zum Tanzen,
bevor Markus Knoll auf die Bühne schritt, um das Ergebnis bekannt zu geben.
Die zehnköpfige Jury hatte sich die Wahl alles andere als leicht gemacht,
und dort ging es bei der Plazierung um Hundertstel. Weniger spannend war die
Entscheidung des Publikums in der Fronte 79, die aber das Ergebnis der Juroren
bestätigte. Und so konnte um kurz nach ein Uhr morgens das folgende Ergebnis
bekannt gegeben werden:

Platz 1: Crick
Platz 2: Panta Rei
Platz 3: Weißwurscht is
Platz 4: Fly Busker
Platz 5: Cycodad
Platz 6: DONIkkl
Platz 7: Rouvian Flave
Platz 8: Mister Rainmaker
Platz 9: Ozzy S.
Platz 10: Silva Sonic
Nach der Veröffentlichung unseres Berichts gab es sowohl in unserem
Musikforum als auch im megazIN-Forum viele Beiträge. Da wurde kräftig auf die
Sieger geschimpft, die Jury als inkompetent bezeichnet und auf dem Höhepunkt
wurden die Angriffe auch persönlich. Einige gingen eindeutig unter die
Gürtellinie. Wir von unserer Seite aus sehen die Diskussion als beendet
an. Der Contest ist nur ein Contest - ein Wettbewerb, ein Spiel. Es geht nicht
um einen Auftritt bei Rock im Park, nicht um Millionen und auch nicht darum, ob
die Bewertung der Jury den Massengeschmack trifft. Es ging einzig und allein um
den Spaß, dabei zu sein. Ob als Band, als Zuschauer oder in der Jury. Mehr
nicht.
Bericht im Donaukurier vom 15. Januar 2001
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