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Anfang der 70er Jahre musste er noch gemeinsam mit Chubby Checker
Werbung für Brezeln machen. Doch sein Talent ließ ihn nicht im Stich.
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Billy Joel "The Ultimate Collection" (Sony)
Da schaut einer cool durch die Sonnenbrille, mit einer Art
Dreißig-Tage-Bart und serviert uns eine Sammlung seiner größten Erfolge.
Billy Joel hat bereits vor einigen Jahren bekundet, sich aus dem Rock-Business
zurück zu ziehen, und sich fortan der ernsthaften Musik zu widmen.
Eigentlich nicht schade, weil die letzten Liedersammlungen recht lustlos
wirkten. Traurig aber, wenn man die Songs hört, die vor dieser Phase
entstanden. Joel war immer noch einen Tick amerikanischer als ein Kollege, mit
dem er oft verglichen wurde (was umgekehrt selten der Fall war), Bruce
Springsteen. Joel war der Entertainer, der "Piano Man". Seine
Arrangements waren Rock, aber nicht immer kompromisslos.
Genau das war das Hinterhältige daran. Joel konnte immer einlullen mit seinen
melodischen, vom Piano geführten Stücken. Die Texte, die häufig das spießige
Kleinstadtleben thematisierten, hatten es aber viel dicker in sich, als es die
musikalische Fassade vermuten ließ. Nur wer zuhörte, wurde belohnt mit
Geschichten über runtergekommene Orte wie Allentown oder Pianisten, die in Bars
die Vergangenheit der Gäste mit einer alten Melodie auffrischen müssen (etwas,
das Joel aus finanzieller Not heraus selbst machte).
Auf dem Album "An Innocent Man" (1983) verband der Mann aus der New
Yorker Bronx die Musik seiner Kindheit zu zehn Songs, die eine einzige Hommage
an die Motown-Gruppen, Frankie Valli, Del Shannon und andere waren.
Von Anpassung konnte nie die Rede sein, jedenfalls nicht bis zur Mitte der
Neunziger. Sein Album "Stormfront" zeigte den Künstler 1989 noch
einmal in Hochform: In Songs wie "We didn´t start the fire", "Downeaster
Alexa" und "Leningrad" erzählte der geschichtsinteressierte
Billy Joel von Menschen und Schicksalen, die in Amerika nicht viel anders
aussahen als in der ehemaligen Sowjetunion. Jahre später, mit "River of
Dreams", hatte Joel spürbar die Lust verloren.
Das Booklet enthält zwar leider nur die Texte und nichtssagende Linernotes
von Patrick Humphries, doch dafür kann der interessierte Einsteiger mit dieser Doppel-CD die Faszination
des genialen Beobachters und "Piano Man" Billy Joel nachvollziehen.
Thomas Uhle
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