Ausgabe 19 : Literatur

  
 

Robert ouv de Hout


Eloquente Dilletanten

Ja, ja, ja, die hiesigen Literaten, oder sollte ich besser sagen... hm... regionale Wortklauber!
Klugklingende Texte verbreiten sie in der "Szene". Wenn man mit Szene jene eingeschworene Gemeinschaft von verklemmten Hausmütterchen beiderlei Geschlechts bezeichnen darf. Und Texte nichts anderes sind als zusammengewürfelte, angelesene Wahrheiten und gestelzte Anhäufungen altbekannter bürgerlicher Moralverquerungen menschlichen Geistes.
Und so werden sich in den Donauauen viele fragen, ob sich etwas, das wir alljährlich bei den Literaturtagen auf den gemeinen Bürger einprasselnd mit hart verdientem Geld subventionieren, überhaupt in diesen Zeiten noch moralisch vertreten läßt.
Derart stelzen sie daher, mit arrivierten Thesen, intellektuellen Anspruch einfordernd, und derart angestaubten Phrasen, daß sich selbst dem geneigtestem Zuhörer die Wadenhaare kräuseln. Nicht aus Wohlgefallen, wohlgemerkt, nein! Sicherlich, diese alten Socken sind sehr schön gestrickt, und sogar mit feinster Kaschmirwolle und Seide erarbeitet, und natürlich mit der sprichwörtlich angelesenen Erfahrung verarbeitet. Doch sind sie leider so vernachlässigt und schlampig gepflegt, kaum einmal bei mehr als 35 Grad gewaschen, und deshalb so penetrant ausgeleiert, und stinkend, miese Kopien eben, von eben jenen, von denen sie zu lernen geglaubt haben. Und eben solche Resultate schreiberischer Bemühungen nur im Entferntesten mit Literatur gleich zu setzen, gleicht fast schon Blasphemie.
Und dann erst die geschmerzten, verzerrten Mienen, gequälte Gesichter, gleichsam der Spiegel dessen, was vorzutragen bei solch hiesigen Lesungen den üblichen Rahmen bildet, diese gestotterten, verschüchterten und eintönigen Vortragsversuche mimischer Laienentertainer... als würde unter der geheiligten Tischplatte des Vortrags das ewige Regiment der Huren dieser Welt lutschen und lecken.
Wenn das Geschreibsel wenigstens im Entferntesten den Kitzel des oralen Sex verströmen würde (was der Anspruch wahrer Literatur sein sollte), könnte man solchen Leuten die Absolution erteilen. Doch anstelle sich bescheiden zu produzieren, und im Vorfeld um Entschuldigung zu bitten, wenn manch besonders unausgegorener Text etwas betretenes Schweigen und peinliches Zu-Boden-Schauen verursacht, protzt man mit gespielter Bescheidenheit und geheucheltem Schwermut den Künstler auf die Bühne, die sich unter derart ungewohnten Belastungen bedrohlich in die Untiefen der Lächerlichkeit senkt.
Nein, nein! Derart amoralisches Verhalten verliert seinen Entschuldigungsbonus. Und wer so etwas noch mit einem nur an KUNST grenzenden Ausdruck annähert, Literatur solcherart vergewaltigt, der hat nichts anderes als Kastration verdient.
Nehmt ihnen die Stifte weg! Verbietet ihnen Laptops und Computer! Stehlt ihnen das Papier und löscht ihnen die Benutzeroberfläche für dieses unsägliche Treiben! Und dann macht ihre wahren, geheimsten Gedanken hörbar. Dann gäbe es vielleicht ein paar gute Songs in den Donauwäldern zu hören. Ansonsten wird's beim Alten bleiben, und neblig versucht sich der Autofahrer weiterhin mit Radio IN aus den Lautsprechern, vagen Gedanken an Hoffnung, fluchend durch diese beschauliche Stadt zu bewegen, nur um ganz schnell wieder raus zu kommen...


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