Robert ouv de Hout
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Eloquente Dilletanten
Ja, ja, ja, die hiesigen Literaten, oder sollte ich besser sagen... hm...
regionale Wortklauber!
Klugklingende Texte verbreiten sie in der "Szene". Wenn man mit Szene
jene eingeschworene Gemeinschaft von verklemmten Hausmütterchen beiderlei
Geschlechts bezeichnen darf. Und Texte nichts anderes sind als
zusammengewürfelte, angelesene Wahrheiten und gestelzte Anhäufungen
altbekannter bürgerlicher Moralverquerungen menschlichen Geistes.
Und so werden sich in den Donauauen viele fragen, ob sich etwas, das wir
alljährlich bei den Literaturtagen auf den gemeinen Bürger einprasselnd mit
hart verdientem Geld subventionieren, überhaupt in diesen Zeiten noch moralisch
vertreten läßt.
Derart stelzen sie daher, mit arrivierten Thesen, intellektuellen Anspruch
einfordernd, und derart angestaubten Phrasen, daß sich selbst dem geneigtestem
Zuhörer die Wadenhaare kräuseln. Nicht aus Wohlgefallen, wohlgemerkt, nein!
Sicherlich, diese alten Socken sind sehr schön gestrickt, und sogar mit
feinster Kaschmirwolle und Seide erarbeitet, und natürlich mit der
sprichwörtlich angelesenen Erfahrung verarbeitet. Doch sind sie leider so
vernachlässigt und schlampig gepflegt, kaum einmal bei mehr als 35 Grad
gewaschen, und deshalb so penetrant ausgeleiert, und stinkend, miese Kopien
eben, von eben jenen, von denen sie zu lernen geglaubt haben. Und eben solche
Resultate schreiberischer Bemühungen nur im Entferntesten mit Literatur gleich
zu setzen, gleicht fast schon Blasphemie.
Und dann erst die geschmerzten, verzerrten Mienen, gequälte Gesichter,
gleichsam der Spiegel dessen, was vorzutragen bei solch hiesigen Lesungen den
üblichen Rahmen bildet, diese gestotterten, verschüchterten und eintönigen
Vortragsversuche mimischer Laienentertainer... als würde unter der geheiligten
Tischplatte des Vortrags das ewige Regiment der Huren dieser Welt lutschen und
lecken.
Wenn das Geschreibsel wenigstens im Entferntesten den Kitzel des oralen Sex
verströmen würde (was der Anspruch wahrer Literatur sein sollte), könnte man
solchen Leuten die Absolution erteilen. Doch anstelle sich bescheiden zu
produzieren, und im Vorfeld um Entschuldigung zu bitten, wenn manch besonders
unausgegorener Text etwas betretenes Schweigen und peinliches Zu-Boden-Schauen
verursacht, protzt man mit gespielter Bescheidenheit und geheucheltem Schwermut
den Künstler auf die Bühne, die sich unter derart ungewohnten Belastungen
bedrohlich in die Untiefen der Lächerlichkeit senkt.
Nein, nein! Derart amoralisches Verhalten verliert seinen Entschuldigungsbonus.
Und wer so etwas noch mit einem nur an KUNST grenzenden Ausdruck annähert,
Literatur solcherart vergewaltigt, der hat nichts anderes als Kastration
verdient.
Nehmt ihnen die Stifte weg! Verbietet ihnen Laptops und Computer! Stehlt ihnen
das Papier und löscht ihnen die Benutzeroberfläche für dieses unsägliche
Treiben! Und dann macht ihre wahren, geheimsten Gedanken hörbar. Dann gäbe es
vielleicht ein paar gute Songs in den Donauwäldern zu hören. Ansonsten wird's
beim Alten bleiben, und neblig versucht sich der Autofahrer weiterhin mit Radio
IN aus den Lautsprechern, vagen Gedanken an Hoffnung, fluchend durch diese
beschauliche Stadt zu bewegen, nur um ganz schnell wieder raus zu kommen...
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