Home

  Ausgabe 19 : Titel

  
 
   Titel
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   


In der ganzen Welt geschätzt - aber daheim ein Unbekannter

Wie der Ingolstädter Wolfgang Friedl als PULSAR BLEU via Internet seine Musik unter die Leute bringt


Pulsar BleuWolfgang Friedl könnte sich zufrieden zurück lehnen, die Füße auf den Tisch legen und mächtig stolz sein. Tut er aber nicht. Vielmehr sitzt er einfach so hinter seinem Schreibtisch in der Pressestelle der Stadt Ingolstadt, erzählt und schlürft aus einer Tasse Kaffee.

Dabei hätte er allen Grund für ein bisschen Eitelkeit. Wolfgang Friedl macht nämlich Musik, die sehr erfolgreich ist. Natürlich sind die Maßstäbe dafür relativ, und für ein Platinalbum wird es nicht reichen. Kennt man sich aber im Internet aus, besucht ab und zu die großen Musikseiten wie mp3.com, dann kann man sich den Erfolg Friedls schon etwas besser ausmalen.

Doch von vorn. Er ist keiner von den Musikern, die mit einer Band dreimal die Woche proben, Auftritten hinterher telefonieren und bei denen dann ordentlich ins Schwitzen kommen. Das war früher mal so, als er noch Keyboarder bei "Silent Groove" war. Die hatten es mit ihrem Folkrock ziemlich weit gebracht in der Region, aber irgendwann hat die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert. Heute ist Wolfgang Friedl ein echter Heimwerker. Sein Studio befindet sich daheim im Dachgeschoß, und besteht vor allem aus ein paar Keyboards, einem Computer und sehr viel mehr Technik. Dort oben bastelt er, wenn er Zeit und Lust hat. Wenn sein Sohn spielen will, muß die Musik eben warten. Aber das sieht er ganz gelassen, schließlich drängt ihn niemand. Keine Band wartet auf ihn, keine Plattenfirma drängt. Was treibt er also spätabends und mitten in der Nacht dort im Dachgeschoß? "Heute läuft diese Art von Musik wohl unter dem Begriff Chillout mit Ambient-Einflüssen", meint der 34jährige. So ganz sicher scheint er sich da zwar nicht, aber eigentlich ist es auch nicht so wichtig. Es ist in jedem Fall sphärische Musik, die er mit Keyboard und Computer "herstellt", und die manchmal etwas düster, aber immer entspannt und (ganz wichtig) entspannend klingt. Das macht er nun schon seit ein paar Jahren so.

 


Spaß an der Musik ist sein Motiv

 

Homepage Pulsar BleuWeil Chillout-Musik derzeit ziemlich gefragt ist, könnte er doch eigentlich Geld damit verdienen? Da schüttelt er nur kurz den Kopf, und sagt Sachen wie "Geldverdienen kann immer nur ein Resultat, aber niemals eine Philosophie sein" und "Ich möchte nicht krampfhaft Geld damit verdienen." Also stellt er seine Songs unter dem Namen "Pulsar Bleu" im Internet zum Download bereit. Das heißt, jeder halbwegs versierte Surfer kann sich die Stücke auf den eigenen Rechner laden und daheim anhören, oder sogar auf eine eigene CD brennen. Eine klasse Sache, und Friedl freut sich. Darüber, dass so viele Menschen in aller Welt nicht nur die Möglichkeit haben, sich seine Musik anzuhören, sondern es tatsächlich auch tun. Wenn er die Resultate aus den verschiedenen Seiten, auf denen er vertreten ist (Links am Ende des Artikels) zusammen zählt, dann wurden seine Songs bisher rund 100.000 Mal runtergeladen. Das ist eine enorme Zahl, zumal für einen praktisch völlig unbekannten Musiker.

Artikel aus dem "Musikexpress"Das fanden auch einige andere Medien: Die Neuburger Rundschau war nur der Anfang, später kamen Berichte in Bayern5 und Bayern3, zuletzt erschien ein Artikel in der renommierten Zeitschrift Musikexpress und neulich war sogar die BUNTE da, die nun eher weniger für ihre wegweisenden Artikel über Musik bekannt ist. Wolfgang Friedl freut sich über das Interesse, klar, aber glücklicher ist er, wenn er Zeit mit seiner Familie verbringen kann, und abends noch zwei Stunden für seine Musik übrig bleiben. 
Seine Songs bilden indes die musikalische Untermalung für Sendungen des Bayerischen Rundfunks. Was ist denn nun mit der großen Kohle? "Man bekommt Geld für jedes Stück, das bei mp3.com runter geladen wird. Aber das ist natürlich kein Vermögen", verrät er. Die Einnahmen werden meist auch gleich wieder investiert - ins Studio unter dem Dach.
Was hört er selbst, wenn er grad mal noch Zeit übrig hat? "Peter Gabriel, William Orbit, Roger Waters, Kruder & Dorfmeister" - nur von der letzten U2 war er ziemlich enttäuscht. Da hatten ihm "Achtung Baby" und "Pop" doch erheblich besser gefallen, weil sie einfach experimentierfreudiger waren.

 


Unter Jupiters Einfluß

 

Cover "The Jupiter Project"Genaus so experimentierfreudig wie er selbt. Sein letztes Projekt stand unter dem Einfluß des Jupiter. Bitte? "Der Planet Jupiter hat mich aus irgendwelchen Gründen schon immer fasziniert", erzählt der junge Musiker. Also ließ er seinen Gedanken freien Lauf, ließ sich von den herrlichen Weltraumbildern der NASA inspirieren, und so entstanden wunderbare Songs. Die füllen mittlerweile sogar eine ganze CD, und wer Gefallen an der Musik von "Pulsar Bleu" gefunden hat, aber nicht jedes Stück einzeln aus dem Internet laden möchte, kann bei mp3.com auch eine CD bestellen. Die wird dann eigens angefertigt, sieht prima aus, und kostet nicht mehr als eine reguläre CD im Handel. Alles ganz locker also. So locker und entspannt wie Wolfgang Friedl selbst. Der lacht nur, schlürft noch mal eben am Kaffee und wendet sich dann wieder seiner eigentlichen Arbeit zu.



Pulsar Bleu im Internet

Pulsar Bleu bei mp3.com

Artikel im Musikexpress, Januar 2001

 


Thomas Uhle
(5. Februar 2001)

nach oben

zurück