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In der ganzen Welt geschätzt - aber daheim ein Unbekannter
Wie der Ingolstädter Wolfgang Friedl als PULSAR BLEU via
Internet seine Musik unter die Leute bringt
 Wolfgang Friedl könnte sich zufrieden zurück lehnen, die Füße auf den
Tisch legen und mächtig stolz sein. Tut er aber nicht. Vielmehr sitzt er
einfach so hinter seinem Schreibtisch in der Pressestelle der Stadt Ingolstadt,
erzählt und schlürft aus einer Tasse Kaffee.
Dabei hätte er allen Grund für ein bisschen Eitelkeit. Wolfgang Friedl
macht nämlich Musik, die sehr erfolgreich ist. Natürlich sind die Maßstäbe
dafür relativ, und für ein Platinalbum wird es nicht reichen. Kennt man sich
aber im Internet aus, besucht ab und zu die großen Musikseiten wie mp3.com,
dann kann man sich den Erfolg Friedls schon etwas besser ausmalen.
Doch von vorn. Er ist keiner von den Musikern, die mit einer Band dreimal
die Woche proben, Auftritten hinterher telefonieren und bei denen dann
ordentlich ins Schwitzen kommen. Das war früher mal so, als er noch Keyboarder
bei "Silent Groove" war. Die hatten es mit ihrem Folkrock ziemlich
weit gebracht in der Region, aber irgendwann hat die Zusammenarbeit nicht mehr
funktioniert. Heute ist Wolfgang Friedl ein echter Heimwerker. Sein Studio
befindet sich daheim im Dachgeschoß, und besteht vor allem aus ein paar
Keyboards, einem Computer und sehr viel mehr Technik. Dort oben bastelt er, wenn
er Zeit und Lust hat. Wenn sein Sohn spielen will, muß die Musik eben
warten. Aber das sieht er ganz gelassen, schließlich drängt ihn niemand. Keine
Band wartet auf ihn, keine Plattenfirma drängt. Was treibt er also spätabends
und mitten in der Nacht dort im Dachgeschoß? "Heute läuft diese Art von
Musik wohl unter dem Begriff Chillout mit Ambient-Einflüssen", meint der
34jährige. So ganz sicher scheint er sich da zwar nicht, aber eigentlich
ist es auch nicht so wichtig. Es ist in jedem Fall sphärische Musik, die er mit
Keyboard und Computer "herstellt", und die manchmal etwas düster,
aber immer entspannt und (ganz wichtig) entspannend klingt. Das macht er nun
schon seit ein paar Jahren so.
Spaß an der Musik ist sein Motiv
 Weil Chillout-Musik derzeit ziemlich gefragt ist, könnte er doch eigentlich
Geld damit verdienen? Da schüttelt er nur kurz den Kopf, und sagt Sachen wie
"Geldverdienen kann immer nur ein Resultat, aber niemals eine Philosophie
sein" und "Ich möchte nicht krampfhaft Geld damit verdienen."
Also stellt er seine Songs unter dem Namen "Pulsar Bleu" im Internet
zum Download bereit. Das heißt, jeder halbwegs versierte Surfer kann sich die
Stücke auf den eigenen Rechner laden und daheim anhören, oder sogar auf eine
eigene CD brennen. Eine klasse Sache, und Friedl freut sich. Darüber, dass so
viele Menschen in aller Welt nicht nur die Möglichkeit haben, sich seine Musik
anzuhören, sondern es tatsächlich auch tun. Wenn er die Resultate aus den
verschiedenen Seiten, auf denen er vertreten ist (Links am Ende des Artikels)
zusammen zählt, dann wurden seine Songs bisher rund 100.000 Mal runtergeladen.
Das ist eine enorme Zahl, zumal für einen praktisch völlig unbekannten
Musiker.
Das fanden auch einige andere Medien: Die Neuburger Rundschau war nur der
Anfang, später kamen Berichte in Bayern5 und Bayern3, zuletzt erschien ein
Artikel in der renommierten Zeitschrift Musikexpress und neulich war sogar die
BUNTE da, die nun eher weniger für ihre wegweisenden Artikel über Musik
bekannt ist. Wolfgang Friedl freut sich über das Interesse, klar, aber
glücklicher ist er, wenn er Zeit mit seiner Familie verbringen kann, und abends
noch zwei Stunden für seine Musik übrig bleiben.
Seine Songs bilden indes die musikalische Untermalung für Sendungen des
Bayerischen Rundfunks. Was ist denn nun mit der großen Kohle? "Man bekommt
Geld für jedes Stück, das bei mp3.com runter geladen wird. Aber das ist
natürlich kein Vermögen", verrät er. Die Einnahmen werden meist auch
gleich wieder investiert - ins Studio unter dem Dach.
Was hört er selbst, wenn er
grad mal noch Zeit übrig hat? "Peter Gabriel, William Orbit, Roger Waters,
Kruder & Dorfmeister" - nur von der letzten U2 war er ziemlich
enttäuscht. Da hatten ihm "Achtung Baby" und "Pop" doch
erheblich besser gefallen, weil sie einfach experimentierfreudiger waren.
Unter Jupiters Einfluß
 Genaus so experimentierfreudig wie er selbt. Sein letztes Projekt stand
unter dem Einfluß des Jupiter. Bitte? "Der Planet Jupiter hat mich aus
irgendwelchen Gründen schon immer fasziniert", erzählt der junge Musiker.
Also ließ er seinen Gedanken freien Lauf, ließ sich von den herrlichen
Weltraumbildern der NASA inspirieren, und so entstanden wunderbare Songs. Die
füllen mittlerweile sogar eine ganze CD, und wer Gefallen an der Musik von
"Pulsar Bleu" gefunden hat, aber nicht jedes Stück einzeln aus dem
Internet laden möchte, kann bei mp3.com auch eine CD bestellen. Die wird dann
eigens angefertigt, sieht prima aus, und kostet nicht mehr als eine reguläre CD
im Handel. Alles ganz locker also. So locker und entspannt wie Wolfgang Friedl
selbst. Der lacht nur, schlürft noch mal eben am Kaffee und wendet sich dann
wieder seiner eigentlichen Arbeit zu.
Pulsar Bleu im Internet
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