Ausgabe 20 : CD-Kritik

  
 

Jaco Pastorius

Jaco Pastorius

Eine Retrospektive des Werks von Jazz-Bassisten war seit langem überfällig. Hier ist sie endlich.

Jaco Pastorius "Jaco Pastorius"

 

Der Name ist Programm: Denn dieser Bassist ist legendär. Sein Spiel revolutionierte den Sound, die Technik und Spielweise einer gesamten Bassisten-Generation, und wohl aller Bassisten nach ihm. Und doch ist erst jetzt sein erstes Solo-Album erschienen.
Sony und Legacy Records ist es zu verdanken, dass dieser Musiker endlich eine eigene Retrospektive erhält, die ihn nicht nur als den grandiosen Bassisten (und zunehmend prägenden Charakter) von "Weather Report" zeigt, sondern auch als eigenständigen, herausragenden Künstler offenbart.
Seine Technik ist dramatisch; die Geschwindigkeit und Exaktheit, in der Pastorius den Parker-Klassiker "Donna Lee" nur in Begleitung von Congas aus dem Ärmel zu schütteln scheint, macht sprachlos. Er phrasiert da wie ein Bläser, und verleugnet dennoch nicht sein Instrument. Bei "Come on, come over" begleitet er die beiden Soul-Legenden Sam & Dave in einer unerhört trockenen, knackigen Art. Und dann "Continuum": Selten hört man ein solch ein lyrisches Piece, harmonisch ausgefeilt, komplex, ohne Kitsch. "(Used to be a) Cha-Cha" schließlich ist ein wunderbar vertracktes Arrangement, bei dem Herbie Hancock an Pastorius’ Seite zu Hochform aufläuft. Ohnehin wimmelt es auf dieser Platte nur von Legenden des Jazz: Hancock, Wayne Shorter, Lenny White, David Sanborn, The Brecker Brothers etc.
Jaco Pastorius starb 1987. Doch seine Musik lebt weiter, in Musikern wie Victor Bailey, der ihn sein größtes Vorbild nennt, und Pat Metheny, der die liner notes zur CD schrieb. Der Jazz-Bass würde heute anders klingen, hätte es Jaco Pastorius nicht gegeben.

"Jaco Pastorius" bei Amazon.de bestellen



Peter Melchior

schließen...