Ausgabe 21 : Glosse

  
 

Peter Melchior

Der Autor besaß nie eine Flatrate, auch nicht die von T-Online, schätzt aber die Vorzüge einer breitbandigen Verbindung.

Flatrate ade!

Am 1. März war es vorbei: Der erste Ausflug deutscher User in die - mäßig günstige - totale Vernetzung. Der Ex-Monopolist Telekom spielte seine ganze Macht aus, und  zwingt nun durch die Aufgabe der T-Online-Flatrate die Surf-Zeit-verwöhnten User zum Umdenken, zumindest aber zum Umbestellen: Aus einem knappen Dutzend neuer oder bereits bestehender Tarife soll also der User seinen neuen Traum-Zugang wählen. Und das alles nur zum Wohle des Kunden selbst, denn T-Online habe durch intensive Beobachtung der Flatrate-User festgestellt, dass es einen typischen User gar nicht gibt.  Glückwunsch, T-Online, diese Erkenntnis ist wirklich, wirklich neu.
Daher bietet T-Online nun diverse unterschiedliche Tarife an, um die Gewohnheiten ihrer User in den Griff zu bekommen, denn darin steckte der eigentliche Pferdefuß des unbeschränkten Zugangs: Das Surf-Verhalten war zu unkalkulierbar, Server waren zeitweise schlecht ausgelastet, meist aber hoffnungslos überlastet. Die Bandbreite reicht eben bei weitem nicht aus, um jedem Flatrate-User das anzubieten, wonach er am meisten begehrt: 24 Stunden Internet.
Und da beginnen schon die neuen Probleme: Zwar werden einige User zu anderen Tarifen und Anbietern wechseln, die ihnen Zeitbeschränkungen auferlegen, was die Bandbreiten-Situation ein wenig entspannt. Gleichzeitig bietet aber T-Online den TDSL-Zugang an, mit noch mehr Bandbreite. Und der läuft noch nicht: Wartezeiten von sechs Monaten sind hierbei keine Seltenheit, bringt die Telekom doch weder das Geld zusammen, um die teure Verkabelung zu bezahlen, noch die nötigen Router für die Verbindung von zu Hause bis zur nächsten Verteilerstation. UMTS lässt grüßen.

Negative Nebeneffekt: Nicht genug, dass man bei T-Online nicht mehr flach surfen kann, die Initiative des rosaroten Riesen hat nun auch andere Flatrate-Anbieter gezwungen, ihren 24-Stunden-Zugang zu canceln. Schließlich sind bislang noch alle anderen Anbieter auf das Netz der Telekom angewiesen, und ohne günstige Konditionen geht da gar nichts mehr.
Kurz gesagt: T-Online bzw. Telekom versucht - entgegen eigener blauäugiger Behauptungen - weiterhin, das Wachstum des Internets zu drosseln, um die Kontrolle über diesen Markt nicht zu verlieren. Bislang ist das gelungen, but the show will go on.

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